04. Juli 2019, 08:00 Uhr

Asbestlager am Südbahnhof

Gefahrgut in weißen Säcken

Wer am Bad Vilbeler Südbahnhof abfährt, hat es längst bemerkt: Auf dem Gelände laufen Bauarbeiten. Die haben mit dem Gleisausbau wenig zu tun. Hier wird endlich der Aspest-Müll abtransportiert.
04. Juli 2019, 08:00 Uhr
Wer über die Fußgängerbrücke am Bad Vilbeler Südbahnhof läuft, dem bietet sich dieses Bild: Die Deponie mit den asbesthaltigen Materialien wird geräumt. (Fotos: Pegelow)

Am Eingang zur Baustelle stehen klare Hinweise: In Symbolen ist da zu sehen, dass man diesen Bereich nur mit Schutzanzug, Atemschutz und Helm betreten darf. »Vorsicht Asbest!« heißt es dort. Die Warnungen haben ihren Grund: Denn das eingezäunte Gelände neben Gleis 2 am Bad Vilbeler Südbahnhof enthält gefährliches Material. Seit einem guten Jahr lagern dort die niedergerissenen Kleingartenhütten und sonstigen kleinen Bauten, die entlang des Weges gestanden haben, der zum städtischen Wertstoffhof geführt hat. Als die Deutsche Bahn das Gelände für den Bau zusätzlicher Gleise freigeräumt hat, mussten sie weichen. Zwar war das Areal eingezäunt, aber nicht so, dass es nicht betreten werden konnte.

Im Juni vergangenen Jahres berichtete diese Zeitung darüber, dass der Bauzaun am Bahnsteig alles andere als dicht verschlossen war und sich deshalb ein Trampelpfad gebildet hatte, zum Freibad und zu den Wohnhäusern rund um die Huizener Straße. Die Fußgänger passierten den Berg mit dem asbesthaltigen Material.

Ein Jahr warten

Aufgeschreckt durch die Berichterstattung wurden weitere Zäune gezogen und der Zaun zum Bahnsteig hermetisch abgeriegelt. Es folgten auf Nachfragen Ankündigungen, dass das asbesthaltige Material »in Kürze fachgerecht entsorgt« werde, so die Deutsche-Bahn-Pressestelle. Das war im Juni 2018.

Genau ein Jahr später erfolgt nun tatsächlich der Abtransport. Damit hat die Bahn nun die Fachfirma DHR-Rubner aus Trusetal beauftragt, das Ortsteil der Bad Vilbeler Partnerstadt Brotterode ist. Mit vier Leuten hat die sogenannte Demolition-Crew in den vergangenen vier Wochen das Material zunächst zerkleinert und dann in weiße Säcke mit einem »a« wie »asbesthaltig« eingefüllt. »Es sind insgesamt 530 Säcke«, informiert der Chef der Kolonne, Marko Berthold, und zeigt auf die von ihm geführte Strichliste an der Einfahrt zur Baustelle.

Die weißen Kunststoffsäcke stehen nun zum Abtransport bereit. Die Arbeiter in ihren blauen Schutzanzügen und orangenen Warnwesten sind noch dabei, die Fundamente der Hütten zu zerkleinern und in Container zu füllen. »Die sind viel zu groß für den Abtransport«, sagt der Chef. Und offenbar mehr Material, als zuvor angenommen. Denn: »Da kommen heute noch weitere Container hinzu«, sagt Berthold. Deshalb müssen einige der weißen Säcke umgeladen werden. »Hier vorne brauchen wir mehr Platz«, sagt er. Dann zieht er den Helm und die Atemschutzmaske auf. Zusammen mit einem Kollegen hängt er einen Sack an der Gabel auf, die zu einem Bagger gehört, der den schweren Sack auf dem Gelände weiter Richtung Gleise hievt.

Ladung für 25 LKW

In diesen Tagen rollen dann die Lastwagen in Richtung der Deponie bei Leipzig. »Das gibt rund 25 Lkw voller Säcke«, rechnet Berthold aus. Dass der Abtransport erst jetzt, über ein Jahr nach dem Abriss der Gebäude beginnt, hat vielfältige Gründe. Seitens des Auftraggebers Deutsche Bahn verlautet dazu auf Anfrage, grundsätzlich sei die Erstellung der erforderlichen Entsorgungskonzepte und die Einreichung der Genehmigung beim Regierungspräsidium Darmstadt »sehr aufwändig«.

Daneben sei es zu einem Wechsel der ausführenden Firma gekommen. Weiterhin habe man, neben dem durch das Projekt verursachten Material, einen hohen Anteil an Müllablagerungen von Dritten auf den Flächen der Bahn feststellen müssen, teilt der Sprecher der Bahn mit. Zwar sei dieser Müll nicht durch die Bahn oder die von ihr beauftragten Firmen angefallen, gleichwohl sei man für deren Entsorgung dennoch verantwortlich.

Und schließlich nennt er noch einen letzten Grund: Für die hier angefallenen Mengen asbesthaltigen Materials gebe es seit mittlerweile einem Jahr einen Annahmestopp in hessischen Deponien. Wie im November 2018 berichtet, sollte das asbesthaltige Material erst zu einer Deponie nach Nordhessen gefahren werden.

Nun musste die neu beauftragte Firma aufgrund des Annahmenstopps einen neuen Standort suchen. Man habe also eine Ausweichlösung suchen müssen, so der Bahnsprecher. Wie gut, dass der Müll aus Hessen nun im Osten Deutschlands entsorgt werden kann. In den nächsten Tagen dürfte das Feld am Südbahnhof freigeräumt sein.

Krebserregende Fasern

Dass die Arbeiter mit Atemschutzmaske auf der Baustelle sein müssen, hat seinen Grund. Denn bei Asbest handelt es sich einen krebserregenden Stoff. Das Umweltbundesamt informiert, dass charakteristisch für Asbest seine Eigenschaft ist, sich in feine Fasern zu zerteilen, die sich weiter aufspalten und dadurch leicht eingeatmet werden können. Die eingeatmeten Fasern können langfristig in der Lunge verbleiben und das Gewebe reizen. In den Achtzigerjahren war Asbest in zahlreichen Werkstoffen eingesetzt, so auch, wie in Bad Vilbel, in den Dächern von Gartenhütten und -häuschen. Wegen seines hohen Gefährdungspotenzials wurde Asbest 1993 in Deutschland zuerst verboten, zwölf Jahre später dann in der gesamten Europäischen Union. Das Bundesumweltministerium hat einen Runderlass mit strengen Vorschriften zur Lagerung herausgegeben, an den sich alle Firmen zu halten haben. (pe)

Dass die Arbeiter mit Atemschutzmaske auf der Baustelle sein müssen, hat seinen Grund. Denn bei Asbest handelt es sich einen krebserregenden Stoff. Das Umweltbundesamt informiert, dass charakteristisch für Asbest seine Eigenschaft ist, sich in feine Fasern zu zerteilen, die sich weiter aufspalten und dadurch leicht eingeatmet werden können. Die eingeatmeten Fasern können langfristig in der Lunge verbleiben und das Gewebe reizen. In den Achtzigerjahren war Asbest in zahlreichen Werkstoffen eingesetzt, so auch, wie in Bad Vilbel, in den Dächern von Gartenhütten und -häuschen. Wegen seines hohen Gefährdungspotenzials wurde Asbest 1993 in Deutschland zuerst verboten, zwölf Jahre später dann in der gesamten Europäischen Union. Das Bundesumweltministerium hat einen Runderlass mit strengen Vorschriften zur Lagerung herausgegeben, an den sich alle Firmen zu halten haben. (pe)

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