26. Januar 2017, 19:58 Uhr

Fußball statt Klavier

Die Musikkarriere von Dieter Wierz schien vorbei, ehe sie begonnen hatte: Einmal wöchentlich durfte der siebenjährige Steppke in der Eifel zum Klavierunterricht gehen. Doch dort kam er nie an. Statt sich an die Tasten zu setzen, tobte er lieber mit den Schulfreunden auf dem Fußballplatz. »Also stuften mich meine Eltern als untauglich für eine Musikausbildung ein«, erzählt der 73-Jährige. Dass dem nicht so ist, bewies er einige Jahre später. Er entdeckte ein Akkordeon, begann zu spielen und hatte sein Instrument gefunden. Als junger Mann spielte er an den Wochenenden in Tanzkapellen, mit denen er in der Eifel und an der Mosel auftrat. »Als 15-Jähriger erwog ich noch, hauptberuflich Musiker zu werden«, sagt Wierz. Daraus ist nichts geworden. Studium, Arbeitsplätze im In- und Ausland bei verschiedenen Banken folgten.
26. Januar 2017, 19:58 Uhr
Dieter Wierz in seinem Element: Er begleitet Dixie-Swingers-Sängerin Conni Ott. Am Samstag unterhalten die Jazzer aus Leidenschaft in der Kulturscheune Karben. (Foto: bro)

Die Musikkarriere von Dieter Wierz schien vorbei, ehe sie begonnen hatte: Einmal wöchentlich durfte der siebenjährige Steppke in der Eifel zum Klavierunterricht gehen. Doch dort kam er nie an. Statt sich an die Tasten zu setzen, tobte er lieber mit den Schulfreunden auf dem Fußballplatz. »Also stuften mich meine Eltern als untauglich für eine Musikausbildung ein«, erzählt der 73-Jährige. Dass dem nicht so ist, bewies er einige Jahre später. Er entdeckte ein Akkordeon, begann zu spielen und hatte sein Instrument gefunden. Als junger Mann spielte er an den Wochenenden in Tanzkapellen, mit denen er in der Eifel und an der Mosel auftrat. »Als 15-Jähriger erwog ich noch, hauptberuflich Musiker zu werden«, sagt Wierz. Daraus ist nichts geworden. Studium, Arbeitsplätze im In- und Ausland bei verschiedenen Banken folgten.

Frühstück mit Werner Höfer

Gern erinnert sich Wierz an die Zeit, als er mit seinen Freunden als Teil von Tanzkapellen unterwegs war. Darüber gebe es einiges zu erzählen. Wie das Treffen mit Werner Höfer, der durch den internationalen Frühschoppen populär war. In einem Hotel in Mayen, in dessen Keller Wierz als Pianist mit seiner Jazzband aktiv war, war der Journalist Gast und hatte seine Töchter dabei, die durften die Zeit mit den jungen Jazzern verbringen. Am frühen Morgen seien die Musiker von Höfer zu einem Frühstück bei ihm zu Hause eingeladen gewesen.

Mit der Jazz-Band nahm Wierz am Piano am Rheinland-Pfälzischen Jazz-Amateur-Treffen teil, dazu seien die Jungs von dem später erfolgreichen Musikpromoter Fritz Rau animiert worden. Die Musik blieb eine Konstante im Leben des Bankers. »In all den Jahren fand ich mich immer wieder durch Zufälle als Hobbymusiker in zahlreichen Bands wieder«, erzählt der 73-jährige Rendeler. »Unvergesslich ist der Auftritt mit Swing-Legende Hugo Strasser und seiner Band oder mit Bill Ramsey.« Selbst bei einem Besuch in New Orleans setzte er sich ans Klavier. Als Zuhörer lauschte er einer Jazz-Band, die ohne Mann am Piano auftrat. Kurz entschlossen öffnete Wierz den Deckel, spielte ungefragt mit. »Daraufhin wurde ich überfreundlich willkommen geheißen und zum Mitspielen weiterer Titel eingeladen.« Auch im Hamburger Hafen war er schon aktiv, auf dem Museumsschiff Rickmer Rickmers saß er während einer Promi-Geburtstagsparty am Klavier. Gern erinnert er sich auch an Auftritte in Montreux am Genfersee, Luzern oder in der Altstadt von Barcelona. »Musik, auch wenn nur als Hobbymusiker am Klimperkasten, an der Quetschkommode, am Banjo oder als Sänger, verbindet und bereichert das Leben enorm«, sagt Wierz enthusiastisch.

Zufällig seien die Dixie Swingers entstanden. Es war Conni Ott, die in Erinnerung an ihren verstorbenen Mann, Fred, ein Konzert für Freunde in Friedberg organisieren wollte. Sie sprach Wierz an, der organisierte ein paar Freunde und flugs stand die Band. Das war vor drei Jahren. »Die Zuhörer waren begeistert und forderten weitere Auftritte.« Die Jazz-Freunde setzten sich zum Ziel, nur lokal aufzutreten, keine Homepage zu gestalten. Als dann der Offenbacher Trompeter Oliver Zimmer dazu kam, vergrößerte sich der Radius der Auftritte. Dabei sind die Musiker flexibel, treten mal als Duo, Trio, Quartett oder Quintett auf. Zur Band gehören neben Wierz, Ott und Zimmer noch Oliver Kube (Saxofon und Klarinette), Gernot Schäfer (Kontrabass und Gesang) sowie Willi Schwerdthöfer am Schlagzeug.

Die Hobby-Musiker proben nicht regelmäßig. Gemeinsam gespielt werde dort, wo es passende Räume gebe und »wo musikliebende Nachbarn wohnen.« Grundsatz der Band bleibe, aus Spaß am Jazz zu spielen. »Wir wollen menschlich und musikalisch harmonisch miteinander weiterhin unserem Hobby frönen, losgelöst von Notenbildern in gegebenen Schemen.«

Am Samstag, 28. Januar, ab 20 Uhr spielt Dieter Wierz mit den Dixie Swingers in der Karbener Kulturscheune. Der Eintritt kostet zwölf Euro an der Abendkasse.

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