29. Juni 2018, 17:00 Uhr

Oberburg-Verkauf

Fünf Bürger kämpfen für die Oberburg

In Burg-Gräfenrode formiert sich der Widerstand gegen das Vorgehen der evangelischen Kirche: Fünf Bürger haben eine »Interessengemeinschaft gegen den Verkauf der Oberburg« gegründet. Sie bieten an, mitzuhelfen, damit sie ein öffentlicher Ort bleibt.
29. Juni 2018, 17:00 Uhr
Sie haben eine Interessengemeinschaft gebildet, die gegen den von der evangelischen Kirche geplanten Verkauf ist (v. l.): Kurt W. Rühle, Astrid Fiedling, Ekkehard Müller, Karlfred Heidelbach und Martin Hahn. (Foto: dpg)

Als sich die fünf Verkaufsgegner vor der Oberburg treffen, drückt sich eine dicke, dunkle Wolke über das historische Gebäude. Das Kleinod des Ortes an einen privaten Investor verkaufen? Das kommt für Astrid Fielding, Martin Hahn, Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach, Ekkehard Müller und Kurt W. Rühle nicht infrage. Die fünf Bewohner des Stadtteils haben sich in einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengetan. Sie stemmen sich gegen den Verkauf der Oberburg. »Das ist doch unser Wahrzeichen«, sagt Fielding. »Damit identifizieren wir uns als alteingesessene Bürger.« Die Kirche hatte in einer Gemeindeversammlung ihre Verkaufspläne öffentlich gemacht. Kirchenvorstandsvorsitzende Ina Lauster-Ulrich und Dekan Volkhard Guth präsentierten mit Philipp von Leonhardi bereits einen Käufer.

BI sieht »Geschmäckle«

»Es ist nicht erkennbar, dass Alternativen geprüft worden sind«, sagt Müller. »Die 300 000 Euro allein für die Elektro-Sanierung kommen uns sehr hoch vor«, erklärt der pensionierte Lehrer. Offenbar sei das Gebäude nie öffentlich zum Verkauf angeboten worden. Schließlich gehe es nicht um privates Vermögen, sondern das einer Kirchengemeinde. Von Leonhardi sei wohl auch nicht der einzige mögliche Kaufinteressent. »Es gab Angebote«, erklärt Müller. Oder, wie es Fielding formuliert: »Das hat ein Geschmäckle.« Gegenüber vielen Bewohnern des Ortes sieht die Außendienstlerin eines Finanzunternehmens auch deshalb die Kirchengemeinde in der Pflicht, weil über die Jahrzehnte viele private Spenden in Instandhaltungen und Sanierungen der alten Gebäude geflossen seien. Allein 40 000 Euro seien für den Lieselturm zusammengekommen – die letzten Reste der Burgmauern. »Die Spender sind ja davon ausgegangen, dass das in der Gemeinde bleibt«, sagt Kurt Rühle.

Per Brief haben sich die fünf an den Kirchenvorstand gewendet. Sie bieten ihre Unterstützung an und wollen »ein zukunftsfähiges Konzept zum Verbleib der Oberburg in Gemeindebesitz« erarbeiten.

Wertgutachten wird im Juli erwartet

Im Gegensatz zur Kirche müsse ein Privatinvestor ja zunächst eine hohe Summe für den Ankauf aufbringen. Die Gemeinde dagegen könne sofort loslegen – und die Stadt hat bereits angeboten, einen Teil des Burggartens für den Ausbau des dortigen Spielplatzes zu kaufen. Das soll 300 000 Euro bringen, also nach Einschätzung der Kritiker womöglich schon die Kosten für die Sanierung decken. Allerdings: Wie viel das Grundstück wert ist und wie teuer die Sanierung wird, weiß niemand. Das Wertgutachten erwartet Lauster-Ulrich »im Lauf des Juli«. Inwieweit die Öffentlichkeit dann informiert werde, sei aber Sache der Liegenschaftsabteilung der Evangelischen Landeskirche (EKHN) in Darmstadt, wo das Verkaufsverfahren laufe.

Kirchenvorstand will antworten

Zum Vorstoß der Kritiker sowie dem weiteren Verfahren mag Lauster-Ulrich »ohne Rücksprache mit den anderen Kirchenvorstandsmitgliedern« nichts sagen. Allerdings habe das Gremium bereits beschlossen zu reagieren: »Die Interessengemeinschaft wird eine Antwort erhalten.«

Bürgermeister Guido Rahn fordert: »Es muss in jedem Fall ein transparentes Verfahren geben.« Er wisse, dass die Kirche – wie auch die Stadt – durch die Ausschreibungspflicht anderen Zwängen unterworfen sei als ein Privatinvestor. Die Stadt dränge darauf, dass das Gelände und der Lieselturm weiterhin öffentlich zugänglich sein müssten. Ebenso die öffentliche Spielplatzfläche. Vor allem die Fakten zum Kirchenvermögen und der Immobilie seien nötig, um das Zukunftskonzept zu erarbeiten, erklärt Hahn. Diese Infos habe man erbeten. Ziel der IG sei, die Oberburg zu behalten, zu sanieren und zu nutzen, sagt Fielding. »Wenn es sich am Ende ergibt, dass das wirtschaftlich sinnlos wäre, werden wir uns nicht gegen den Verkauf stellen.«

Info

Weinfest an der Oberburg

Stolze 590 Jahre reichen die Ursprünge des einstigen Wohnsitzes von Mitgliedern der Familie von Carben zurück. Und schon seit 151 Jahren ist der prächtige Bau der Oberburg im Ortskern im Besitz der evangelischen Kirche. Wegen des geplanten Verkaufs der Oberburg dürfte es reichlich Gesprächsbedarf geben – auch an diesem Wochenende, wenn rund um die Oberburg das Weinfest des Heimat- und Kulturvereins (Heku) gefeiert wird samt Eröffnung des renovierten Lieselturms. Das Weinfest beginnt am Samstag, 30. Juni, um 14 Uhr mit einem kleinen Umzug durch Burg-Gräfenrode. Um 15 Uhr folgt ein kurzer Festakt für die Lieselturm-Wiedereröffnung. Anschließend wird an der Oberburg bei Musik bis in den Abend gefeiert. (dpg)

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