26. Februar 2019, 10:00 Uhr

Friedhof

Friedhof Groß-Karben in der Kritik: Was ist dran an den Vorwürfen zum Pflegezustand?

Der Pflegezustand des Friedhofs in Groß-Karben ist seit Jahren Thema im Ortsbeirat. Die SPD kritisiert, Bürgermeister Guido Rahn (CDU) kontert. Was ist dran an den Vorwürfen?
26. Februar 2019, 10:00 Uhr
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Von Holger Pegelow
SPD-Beirätin Christel Zobeley ist der Erdhaufen hinter dem zweiten Urnenrondell ein Dorn im Auge. Sie hat auf dem Friedhof von Groß-Karben aber noch weitere Punkte entdeckt, die sie öffentlich anspricht. (Foto: Pegelow)

Um zu verstehen, wie lange der Friedhof Groß-Karben schon in der Diskussion ist, kann man ins Jahr 2012 blicken. Im Juli jenes Jahres fand eine Ortsbegehung mit anschließender Sitzung des Gremiums statt. Damals hieß der Ortsvorsteher noch Hans-Jürgen Kuhl. Eine Bürgerin beklagte sich über den Pflegezustand. Sowohl der Ortsvorsteher als auch Magistratsmitglied Philipp von Leonardi (CDU) stimmten zu. Zwar habe man von städtischer Seite her die Kapazitäten in der Friedhofspflege erhöht, jedoch gäben die finanziellen Mittel nicht mehr her.

Heute ist Kuhl ebenfalls Mitglied in dem Stadtteilgremium, zusammen mit Christel Zobeley. Diesmal aus der Opposition heraus haben sie das Thema Friedhofspflege erneut aufgegriffen. Es ist also rund sechseinhalb Jahre später, als das Gremium abermals unterwegs ist. Zobeley kommt häufig hierher, weil ihre Eltern hier begraben liegen. Deshalb fällt ihr etliches auf, was aus ihrer Sicht geändert werden sollte. Als wir den Friedhof von der Bahnhofstraße betreten, zeigt sie gleich rechts an der Mauer auf ein kleines Gräberfeld. »Das macht einen sehr ungepflegten Eindruck«, kritisiert sie. Man frage sich, welche Grabstätten hier angelegt werden dürften.

 Ein paar Meter weiter hellt sich ihre Miene auf, als sie die Urnenrondelle sieht. »Dies sehen gut aus und haben eine würdige Stele in der Mitte.« Schön wäre es noch aus ihrer Sicht, wenn es dort Sitzbänke gebe. Und eine Ablagestelle für Blumen wäre auch nicht schlecht, findet sie. Denn auf den Rondellen dürfen keine Blumen abgelegt werden. Während hier also keine Blumen möglich sind, stehen ein paar Meter weiter die Urnenwände; davor haben Angehörige Blumengebinde und Vasen mit Blumen abgestellt.
Zobeleys Laune wird aber schlechter, als wir hinter den beiden Urnenrondellen stehen: Dort liegt ein Erdhaufen »seit einem Jahr« herum. Das Gelände sei uneben und mache keinen guten Eindruck. An der Mauer zum Verbindungsweg zwischen Weingarten- und Pestalozzistraße wünscht sie sich Büsche, »die einfach zu pflegen sind«.

 

Ungeeignet für Menschen mit Rollatoren

Mehrere Problempunkte macht sie an der Trauerhalle aus: Der Zugang zum Besucher-WC sei nicht barrierefrei. Sie selber könne die hohe Stufe noch hinaufsteigen, aber für Menschen mit Rollatoren sei diese Toilette nicht nutzbar.

Bis ins Jahr 2016 zurück reiche ein Antrag von CDU-Beirat Werner Gold, erinnert sie sich. Er habe einen Weg hinter dem Gräberfeld neben der Trauerhalle gefordert, parallel zum Verbindungsweg zwischen Weingarten- und Pestalozzistraße. Zumindest sollte dort Kies aufgeschüttet werden, damit die Angehörigen nicht durch Matsch laufen müssten.

Bürgermeister Guido Rahn (CDU) weist die Kritikpunkte weitgehend zurück. Der Friedhof in Groß-Karben werde ja seit Langem thematisiert. Inzwischen gebe es dort drei Urnengrabanlagen neu errichtet, Wege neu gepflastert worden, und der hintere Eingang sei auf Anregung einer älteren Bürgerin barrierefrei umgebaut worden. Zudem sei der Friedhofsvorplatz komplett neu gestaltet worden. Die Stadt habe insgesamt gut 150 000 Euro in diesen Friedhof investiert.


 
Massive Beschwerden von Hinterbliebenen

Was den barrierefreien Zugang zur Toilette angeht, stehe das Thema bereits auf der Liste des Tiefbauamtes. »Allerdings haben wir sieben Friedhöfe zu betreuen und müssen die vorhandenen Ressourcen gerecht verteilen«, gibt das Stadtoberhaupt zu bedenken.

Wenig anfreunden kann sich Rahn offenbar mit der Forderung der SPD nach Büschen an der Friedhofsmauer. Es lägen der Stadt »keinerlei Vorschläge oder Wünsche« vor, »abgesehen vonseiten der SPD«. Ganz im Gegenteil gebe es massive Beschwerden bei der Stadt von Hinterbliebenen wegen der Folgeschäden durch Bäume. Rahn spielt hier auf die Laubbäume auf dem Friedhof in Okarben an. Dort fallen jede Menge Blätter auf die Gräber.

Ergänzend teilt Stadtsprecher Hans-Jürgen Schenk auf Anfrage zudem mit: Der Erdhaufen hinter dem zweiten Urnenrondell sei noch von Arbeiten an einem Grab übrig und werde in den nächsten Tagen zur Erdablagerungsstelle auf dem Friedhof gebracht. Zum ungepflegten Erscheinungsbild des ersten Gräberfelds schreibt Schenk, die Pflege der Gräber sei nicht Aufgabe der Stadt, sondern der Nutzungsberechtigten, also der Angehörigen der Verstorbenen. Die Überprüfung der Grabpflege finde Ende März/Anfang April statt. »Falls ungepflegte Gräber auffallen, werden die Angehörigen von der Verwaltung aufgefordert, diese in einen ordentlichen Zustand zu versetzen.«
Zur Forderung, den Weg an den Gräbern neben der Trauerhalle mit Kies aufzuschütten, sagt der Stadtsprecher: »Alle Gräber auf dem Friedhof sind über Graswege erschlossen. Nur auf einen einzelnen Kies aufzubringen, ist nicht sinnvoll. Zudem ist Kies als Wegeaufbau ungeeignet für gehbehinderte Menschen mit Rolllator.«

Info

Friedhof mit Pilotcharakter

Der Groß-Karbener Friedhof hat quasi Pilotcharakter für die gesamte Stadt. Denn auf dem großen Friedhof zwischen Bahnhofstraße, Pestalozzistraße und Weingartenstraße ist vor zwei Jahren das erste Urnenrondell gebaut worden. Denn bei der Stadt hatte man festgestellt, dass im Jahr 2017 rund 80 Prozent aller Bestattungen Urnenbestattungen waren. Auch deshalb hatte die Stadt auf diesem Friedhof auch ein zweites und ein drittes Rondell bauen lassen. Die Rasenrondelle sollen nach Meinung der Stadt »mehr Struktur auf die Friedhöfe bringen«, wie Rahn einmal in Beantwortung einer Anfrage der SPD-Stadtverordneten Christel Zobeley sagte. Laut Rahn wurden zudem in Petterweil, Burg-Gräfenrode und Rendel bereits Urnengrabanlagen errichtet. Aktuell liefen hierzu die Bauarbeiten in Okarben, und in Kloppenheim sei die Planung hierzu abgeschlossen.



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