Bad Vilbel & Karben

Fraktionen gegen neue Schottergärten

Sie kommen wegen ihrer Pflegeleichtigkeit bei immer mehr Hausbesitzern in Mode: Schottergärten. Umweltschützern sind sie allerdings ein Dorn im Auge. Nun hat die Antipathie gegen diese Gartengestaltung auch die Politik erreicht.
25. Oktober 2019, 17:00 Uhr
Holger Pegelow
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Naturnah kann man diese Gartenfläche nicht nennen, pflegeleicht ist sie. Solche Gärten und Vorgärten wollen die Stadtverordneten nicht mehr sehen. (Foto: pv)

Auf Antrag der Freien Wähler hat das Stadtparlament jetzt beschlossen, Schottergärten künftig zu verbieten.

Das Insektensterben und die immer kleiner werdende Zahl an Vogelarten hat Naturschützer aufgeschreckt. Ohne Pflanzen keine Insekten, und wenn die erst mal aussterben, haben die Vögel weniger zu fressen. So ganz einfach ist es in der Natur zwar freilich nicht. Aber wenn allenthalben nach den Ursachen fürs Artensterben gesucht wird, werden Naturschützer nicht nur auf versiegelte Flächen durch Baugebiete und Straßen aufmerksam. Vielmehr haben sie kürzlich die weniger naturfreundliche Gestaltung vieler Gärten entdeckt. Bei einem der regelmäßigen Umweltgespräche mit dem Bürgermeister haben sie das zur Sprache gebracht.

In der Tat: Wer durch Karbener Straßen läuft oder fährt, kann immer mehr feststellen, dass die Vorgärten mit viel Kies und Steinen gestaltet sind. Dazwischen finden sich meist angeblich pflegeleichte Bäumchen und nur noch wenige Blumen. Manche Eigentümer sind froh darüber, können sie doch die Gärten häufig aus Altersgründen nicht mehr so bewirtschaften wie früher.

Allerdings lauert das Problem nicht so sehr oben, sondern unten drunter. Bei vielen der von den Naturschützern gern als »Gärten des Grauens« bezeichneten pflegeleichten Gärten sind die Beete nach unten hinten versiegelt.

Die Freien Wähler haben sich des Themas angenommen und in ihrem Antrag zur jüngsten Sitzungsrunde die Auswirkungen dieser Bodenversiegelung dargelegt. »Regenwasser kann nicht mehr versickern und die Grundwasservorräte füllen sich nicht auf. Gleichzeitig kann die Kanalisation die abfließenden Wassermengen nicht aufnehmen und es kommt zu Überschwemmungen.

Außerdem leidet das Mikroklima, weil auf versiegelten Böden kein Wasser verdunstet und somit nicht zur Kühlung der Luft beitragen kann. Dies betrifft besonders die Abkühlung über Nacht.« Für die FW ist klar: Steingärten fördern das Insektensterben, wenn Pflanzen als Nahrungsgrundlage entfallen.

Deshalb ihre Forderung nach einem Verbot von sogenannten Schottergärten. Bürgermeister Guido Rahn (CDU) erklärte in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur, der Magistrat schließe sich der Forderung an. Er stellte gleichzeitig klar, dass auch auf städtischen Flächen viele Steine lägen, darunter sei allerdings kein Vlies. »Der Schotter, der auf unseren Flächen gestreut wurde, dient lediglich der Eindämmung des Unkrautbewuchses.« Vielmehr sei es so, dass die Stadt jede Menge neue Pflanzen setze. Allein im City-Kreisel seien mehrere Tausend Pflanzen eingesetzt worden.

Naturnähe in B-Plänen festlegen

Die Stadtverordneten beschlossen dann bei Enthaltung der SPD folgendes: Der Magistrat soll ein Konzept erstellen, um zu verhindern, dass insbesondere in Neubaugebieten Schottergärten entstehen. Dazu solle die Anlage von naturnaher Gartengestaltung in den Bebauungsplänen festgeschrieben werden. Zudem soll mit dem Wetteraukreis darüber verhandelt werden, wie bei Verstößen gegen dieses Gebot vorgegangen werden könne.

Der Beschluss bedeutet indes nicht, dass nun alle Gärten, die mit Kies und Steinen gestaltet worden sind, zurückgebaut werden müssen. Denn eines haben die Freien Wähler in ihren Antrag hineingeschrieben: Bestehende Schotter- und Steingärten genießen Bestandsschutz.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/badvilbelkarben/Bad-Vilbel-Karben-Fraktionen-gegen-neue-Schottergaerten;art469,638834

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