06. August 2018, 14:00 Uhr

Streit um Oberburg

»Fast alle unterschreiben« gegen Oberburg-Verkauf

Weiterhin den Druck hochhalten will die Interessengemeinschaft, die sich gegen den Verkauf der Oberburg in Burg-Gräfenrode stemmt. Sie sieht einen Großteil der Bürger hinter sich und ihrem Anliegen stehen und vermutet ein langfristig abgekartetes Spiel.
06. August 2018, 14:00 Uhr
Sie stemmen sich gegen den Verkauf der Oberburg (v. l.): Ekkehard Müller, Astrid Fielding, Karlfred Heidelbach und Martin Hahn. (Foto: Kopp)

L uther wurde sich im Grabe herumdrehen, wenn man so mit seinen Gedanken umgeht«, ist Ekkehard Müller überzeugt. Er ist einer von fünf Bürgern Burg-Gräfenrodes, die sich gegen den Verkauf der Oberburg von der evangelischen Kirchengemeinde an den Groß-Karbener Schlossherrn und früheren Stadtrat Philipp von Leonhardi (CDU) formiert hat. Dass es hier nicht um Parteien geht, wird auch daran ersichtlich, dass ein weiterer der fünf Begründer der Interessengemeinschaft (IG) der Burg-Gräfenröder Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach (CDU) ist. »Noch sind es fünf, doch schon bald sollen weitere hinzukommen«, sagt Martin Hahn, der ebenfalls zu dem Quintett gehört.

Denn eine Aktion der IG hat Früchte getragen. Eine Unterschriftenliste gegen den Verkauf wird nach Bekunden der Mitglieder »zu fast 100 Prozent« unterschrieben. Oftmals dauerten die Gespräche mit den Bewohnern über eine Stunde. »Aber nicht, weil wir Überzeugungsarbeit leisten müssen, sondern weil die Menschen ein Informationsdefizit haben«, sagt Hahn. Als Reaktion seien »Frust und Ärger« zu vernehmen. Manche drohten mit Kirchenaustritt. »Das wollen wir gar nicht, wir versuchen die Menschen davon zu überzeugen, wie viel die Kirche in anderen Bereichen tut«, schildert Hahn.

Areal ist 1,5 Millionen Euro wert

Nach eigenen Recherchen über das Amt für Bodenmanagement in Büdingen und deren Software »Boris« hat Müller einen Wert von etwa 1,5 Millionen Euro für das gesamte Areal ermittelt. Vermutlich nicht allzu unrealistisch, wenn man bedenkt, dass die Stadt einen Teil der Fläche für 300 000 Euro erwerben will, um einen Spielplatz einzurichten (wir berichteten). Doch für das restliche Areal sei hinter vorgehaltener Hand von einer Summe in gleicher Höhe die Rede. Das kann die IG nicht nachvollziehen, zumal den Mitgliedern auch die bereits vorgestellten Kosten für die Elektro-Sanierung mit knapp 300 000 Euro als viel zu hoch erscheinen.

Dautenheimer führt Kirchenvorstand

Trotzdem setzt die IG auch weiterhin auf ein Miteinander, wie Astrid Fielding erläutert. »Wir möchten gerne ein tragfähiges Konzept erstellen. Doch dazu brauchen wir Zahlen und Fakten.« Die Mitstreiter der IG vermuten ein von langer Hand abgekartetes Spiel. Das habe bereits begonnen, als der Kirchenvorstand nach der jüngsten Wahl am 26. April 2015 und Einführung am 13. September des Jahres später erweitert wurde. Denn Fielding gehörte zu den ersten Nachrückern. Doch nicht sie wurde eingesetzt, sondern eine Neubürgerin. »Sie hat keine Verbindung zur Oberburg, bei mir war wohl klar, dass ich mich gegen den Verkauf stellen würde«, sagt Fielding. Ebenfalls merkwürdig mutet den IG-Vertretern an, dass die Vorsitzende Ina Lauster-Ulrich zurücktrat. Auch hier sei niemand aus dem restlichen Vorstand gewählt worden. Indes führt seitdem Pfarrer Eckart Dautenheimer den Kirchenvorstand an. »Der ist ja an die Anweisungen von Dekan Volkhard Guth gebunden«, sagt Hahn.

Lauster-Ulrich erklärt auf Nachfrage, dass der Kirchenvorstand im Juli nicht getagt habe – Sommerpause. Ein Wertgutachten für das Areal liege vor, bestätigt sie. Das befinde sich allerdings bei der Liegenschaftsabteilung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Darmstadt. Dort werde auch die Entscheidung getroffen, ob die Zahlen öffentlich gemacht werden.

Pfarrer kehrt Montag zurück

Am heutigen Montag kehrt Pfarrer Eckart Dautenheimer nach einem dreimonatigen Studienurlaub zurück in seine Gemeinde. »Er wurde direkt angeschrieben und wird sich der Sache auch annehmen«, ist sich Lauster-Ulrich sicher.

Wer Infos haben oder sich der Interessengemeinschaft gegen den Verkauf der Oberburg anschließen möchte, kann Kontakt aufnehmen unter Telefon 0 60 34/16 90, 01 70/2 41 20 59 oder per E-M ail an interessengemeinschaft-oberburg-roggau@web.de.

Infoe

Das sagt Bürgermeister Rahn zur Oberburg

Die Stadt Karben indes hat laut Bürgermeister Guido Rahn weiterhin das Interesse, im Burggarten einen Spielplatz für Burg-Gräfenrode einzurichten. »Ferner ist es unser Interesse, den Bereich des Burggartens öffentlich zugänglich zu erhalten und das Standesamt im Lieselturm zu sichern«, sagt Rahn. Doch auch für die Kirchengemeinde sieht Rahn weiterhin Bedarf. So wäre es für ihn wichtig, in der Oberburg Räume für die Kirchengemeinde dauerhaft zu garantieren, etwa für die Seniorennachmittage und die Gemeindearbeit. Auch der Bürgermeister will mehr Offenheit. »Im Sinne eines transparenten Verfahrens wäre es auch hilfreich, sehr frühzeitig die Fakten, so den Schätzpreis, mögliche Sanierungskosten und weitere Daten offenzulegen.« Rahn würde es begrüßen, wenn die Kirche Eigentümerin bleiben würde, »aber erst mit den genannten Fakten kann final über die Zukunft der Oberburg entschieden werden«. (kop)

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