Bad Vilbel & Karben

Eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt auf dem Bad Vilbeler Markt

Besonders für die jüngeren Besucher des Vilbeler Marktes sind die Karussells die Hauptattraktion - bunt, schnell und laut. Ein Blick hinter die Kulissen.
22. August 2019, 17:00 Uhr
Mario Hess
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Kräfte von bis zu 3,5 G wirken in diesem Fahrgeschäft. Zum Vergleich: Ein Kampfpilot ist beim Training Belastungen von bis zu neun G ausgesetzt. (Fotos: mhf)

Besonders für die jüngeren Besucher des Vilbeler Marktes sind es die Hauptattraktionen - bunt, schnell und laut. Während das Karussell »Breakdancer« die Besucher am Boden gut durchschüttelt, geht es mit anderen Fahrgeschäften hoch hinaus. Die Riesenschaukel überragt neben dem Riesenrad das Gelände des Vilbeler Marktes, von überall ist sie zu sehen. Eine Fahrt kostet vier Euro und bietet Adrenalin pur. Am morgigen Freitag, 23. August, ist Familientag. Fahrten kosten dann nur die Hälfte.

Wenn das Pendel der Riesenschaukel in die Höhe schnellt, am allerhöchsten Punkt mit hoher Geschwindigkeit wieder Richtung Boden saust. Wenn der Greifarm sich dazu noch um die eigene Achse dreht und treibende Bässe die Stimmung anheizen, rasten die Fahrgäste aus. Auf dem Rummelplatz ist Spaß programmiert.

Beruf aus Leidenschaft

Bis auf eine Flughöhe von 26 Metern geht es für die Adrenalinjunkies in den sechs Gondeln des Fahrgeschäfts. Die Beine der Passagiere hängen dabei frei und sie sind mit Schulterbügeln gesichert. Kräfte von bis zu 3,5 G wirken bei diesem Fahrgeschäft. Zum Vergleich: Die berühmte Achterbahn »Silverstar« im Europapark kommt auf vier G. Ein Kampfpilot ist beim Training in der Zentrifuge Belastungen von bis zu neun G ausgesetzt. Beeindruckende Zahlen für ein vergleichsweise kleines Fahrgeschäft.

Romano Lagerin ist der Chef, hinter und vor den Kulissen. Der 30-Jährige koordiniert den Auf- und Abbau des stählernen Ungetüms, verkauft Karten und sorgt mit seinen Ansagen für Stimmung bei den Fahrgästen. Lagerin stammt aus einer alten Schaustellerfamilie und macht den Job bereits in sechster Generation. Mit dem Verkauf von Kramwaren und ersten Karussells fing damals alles an. Romanos Vater betreibt heute beim Vilbeler Markt nur einen Steinwurf entfernt den »Breakdancer«. Romano selbst ist in diesem Jahr mit dem »Hip-Hop Fly« vor Ort, wobei der offizielle Gerätename »After Burner« lautet. »Bereits als ich im Jahr 2003 das erste Mal ein Fahrgeschäft dieser Art entdeckt habe, war ich sehr fasziniert«, erzählt Lagerin. Das hochgerüstete Gerät habe modernste Technik an Bord. Der Aufbau geschieht nahezu im Alleingang, und auch im Betrieb mache die Halbautomatik die Bedienung angenehm und komfortabel.

Viel von der Welt sehen

So können sich der junge Mann und seine zwei Mitarbeiter, die sich um das Einsammeln der Eintrittskarten sowie die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen kümmern, darauf konzentrieren, den Fahrgästen eine aufregende Fahrt zu bieten. Sicherheit werde dabei jederzeit großgeschrieben.

Die Mitarbeiter achten genau darauf, dass jeder Fahrgast gut gesichert die Fahrt genießen kann. Das Mitführen von Gegenständen ist streng verboten, da diese während der Fahrt herausfallen und aus großer Höhe erheblichen Schaden anrichten könnten.

In Lagerins Kabine hängen zudem zahlreiche Zertifikate für jedermann einsehbar an der Wand. Darunter Zertifikate der Berufsgenossenschaft zum Führen von Fahrgeschäften, diverse Sicherheitsschulungen sowie Aus- und Weiterbildungen direkt vom Hersteller der jeweiligen Attraktion.

Das Schaustellerleben ist Lagerins große Leidenschaft, sagt er. »Und man kommt gut rum in Europa und auf der Welt.« Neben Festen wie dem Bad Vilbeler Markt, die die Schaustellerfamilie schon mit einer langen Tradition besucht, sind sie etwa auch auf dem Gelnhäuser Schelmenmarkt, der Dippemess, dem Frankfurter Wäldchestag oder dem Bad Homburger Laternenfest mit dabei. Highlights für Lagerin waren etwa das Genfer-See-Fest im Jahr 2017 oder das eigene Fahrgeschäft im Londoner Hyde Park zu präsentieren. Auf die Frage, wie eine Partnerschaft das Schaustellerleben, die ständigen Ortswechsel, die vielen Fahrten und die Übernachtung im Campingmobil aushält, antwortet Romano Lagerin: »Der Partner muss es halt mitmachen. Also selbst aus einer Schaustellerfamilie kommen und die eigene Leidenschaft teilen.« Bei ihm und seiner Frau sei dies der Fall, worüber er sehr glücklich ist.

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