08. März 2019, 20:26 Uhr

Eine Stimme für die Bäume

08. März 2019, 20:26 Uhr
RIN
Sie wollen weitere Baumstümpfe im Stadtbild verhindern, die Mitglieder der Bürgerinitiative »Gelbwespen« (v. l.): Gundula Ort, Ramona Köhler, Andrea Christ, Birgit Scholze, Vered Zur und Petra Burgmann. (Foto: rin)

Der Bürgerdialog hat es deutlich gemacht: Die Stadt Bad Vilbel hat eine neue Bürgerinitiative. In Anlehnung an die Pariser Protestbewegung nennen sie sich »Gelbwespen«. Ihr Ziel: Kein Baum in der Stadt soll mehr gefällt werden.

Jeder einzelne Baum, der von der Stadt Bad Vilbel gefällt wird, tut ihnen weh. Die engagierten Frauen der Bürgerinitiative »Gelbwespen« haben ein klares Ziel: Kein Baum dürfe mehr gefällt werden, wenn es nicht zwingend erforderlich sei. Und mit zwingend meinen die Damen, dass es wirklich keine andere Alternative mehr gibt.

Denn was passiert, wenn Bäume keine Rolle spielen, sehen sie just vor ihren Augen. Die Gruppe von acht Frauen, das Kern-Team der »Gelbwespen«, hat sich im Restaurant Mondnacht versammelt und berät die nächsten Schritte des Protests. Petra Burgmanns Blick schweift auf den Niddaplatz, den vermutlich baumlosesten Platz der Stadt. Burgmann ist die Initiatorin der Bürgerinitiative und entsetzt. Ein zentraler Platz ganz ohne Baum, da kann auch ihre Mitstreiterin Birgit Scholze nur den Kopf schütteln: »Es geht ja nicht nur um die Bäume, es geht auch um die Lebensqualität«, betont sie.

Sie wollen Politiker aufrütteln

Denn mit jedem Baum der gefällt, oder wie im Falle des Niddaplatzes, gar nicht erst gepflanzt wurde, sehen sie einen herben Rückschlag im Kampf gegen den Klimawandel. »Hier wird gehandelt, als gäbe es keinen Klimawandel«, klagen die Frauen. Luftqualität und Schatten, das seien die entscheidenden stadtplanerischen Aspekte der Zukunft.

Dass entlang der Nidda in der Kernstadt ein neuer Radweg von drei Metern Breite angelegt werden soll, raubt den Aktivistinnen den Schlaf. »Die Stadt braucht schnelle Erfolge vor dem Hessentag«, vermutet Burgmann. Bäume seien der Stadt egal, ist sie sich sicher. Und eine gute Idee sei der Radweg so ohnehin nicht: »Beim Hessentag werden die Besucher zehn Tage lang auf einem drei Meter breiten Radweg fahren und schwitzen, weil es keinen Schatten gibt«, prophezeit Mitstreiterin Andrea Christ.«

Wie viele Mitstreiter die BI hat, sagen die Damen nicht, einen »lockeren Zusammenschluss« nennen sie ihr Bündnis. Wie auf Bestellung erscheint eine weitere Dame im Restaurant. Gabriele Lipp war in einem Geschäft mit einem »Gelbwespen«-Mitglied ins Gespräch gekommen und erfuhr: »Ich habe gehört am Alten Rathaus sollen Bäume gefällt werden«, erklärt sie aufgebracht.

Mit dem Beginn der Brut- und Setzzeit und dem damit verbundenen Ende der Zeit, in der Jahr für Jahr zahlreiche Bäume gefällt oder zurückgeschnitten werden, bleibt den Gelbwespen vorerst nicht mehr viel, was sie konkret verhindert könnten. Allerdings geht es ihnen auch um einen Mentalitätswechsel in der Politik: »Wir versuchen die Politiker aufzurütteln«, erklärt Vered Zur, und Birgit Scholze ergänzt: »Und die, die auf unserer Seite sind, für uns zu gewinnen.«

Von den Grünen sind die Damen enttäuscht. Diese hatten Ausbau des Radweges im Tabernaemontanusweg mitgetragen: »Radwege und Baumfällung, das ist ein Widerspruch«, betont Burgmann. Die »Gelbwespen« stehen für eine klare Linie: pro Bäume. »Wir legen uns jetzt das nötige Hintergrundwissen zu. Leider gibt es Infos der Stadt immer nur scheibchenweise«, klagt Burgmann und verspricht: »Wir bleiben unangenehm, wie Wespen!«

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