06. Oktober 2019, 18:17 Uhr

Eine Kinderstube für Nachtjäger

In Karben gibt es auch in der Vogelwelt vielbeschäftigte Eltern. Schließlich will der achwuchs ja immer etwas zum Fressen im Schnabel haben. Ein Pärchen mit wahrem Kindersegen lebt in Okarben auf dem Gelände der alten Mühle.
06. Oktober 2019, 18:17 Uhr
Wo sich der Nachwuchs wohlfühlt: Junge Schleiereulen unter dem Dach des einstigen Trafohauses in Okarben. (Foto: Nabu Karben)

Hoch oben im ehemaligen Trafohaus ist das Nest der Schleiereulen fast ein bisschen zu eng geworden. Schon im März brachte die erste Brut fünf Jungvögel. Im August gab es dann sogar noch eine zweite Brut mit elf Baby-Eulen, von denen zehn groß geworden sind. Ein geburtenstarker Jahrgang, wie er nur bei gleichzeitiger »Mäuseschwemme« möglich ist. Und genau die ist durch den trockenen und warmen Sommer eingetreten. Kälte und Nässe seien für die Jungen im Nest ein Problem, erklärt Professor Roland Prinzinger vom Naturschutzbund (Nabu) Karben. Dann gäbe es einfach nicht ausreichend Futter.

Eine Eulenfamilie benötigt durchschnittlich 25 bis 30 Mäuse pro Tag, damit es mit dem Großwerden der Kleinen klappt. Das bedeutet für die »Alten« ein hohes Flug- und Jagdpensum. Am nahe gelegenen Uferstreifen der Nidda finden die Schleiereulen in Okarben ein perfektes Jagdrevier. Sie mögen die Nähe menschlicher Siedlungen und gehen auch gerne entlang von Straßen und Wegen auf Beutejagd. »Schleiereulen werden mit der Dämmerung aktiv«, sagt Prinzinger. »Die Nacht bevorzugen sie gar nicht so sehr, außer, es müssen Extraschichten geflogen werden. Potenzielle Opfer orten sie allein über ihr exzellentes Gehör. Während Bussarde Beutetiere aus 500 Metern Höhe erspähen können, machen Nachtgreifvögel alles mit den Ohren.«

Zurzeit dürften sich auch die Nachbarn von gegenüber wie im Schlaraffenland fühlen. Vom Giebelfenster des unter Denkmalschutz stehenden Mühlengebäudes, das 1880 errichtet wurde, grüßen zwei Turmfalken. »Den Eulen wird es in den Sommermonaten da oben zu warm«, sagt Schreiner Alois Maier, dem das Grundstück mit dem imposanten Bau gehört. 40 Grad und mehr könnten es dort mitunter werden. Da möchte niemand seine Kinder großziehen. Seit Gründung des Nabu im Jahr 1975 setzt sich der heute 88-jährige Maier für die Schleiereulen-Population in Karben ein. 1977 war dieses Tier Vogel des Jahres in Deutschland. Etwa um diese Zeit begann auch der Umbau des Trafohauses zum Eulennest.

Bis 30 Mäuse am Tag

Am Anfang seien die Löcher unterm Dach noch alle geschlossen gewesen, erzählt Maier. »Irgendwann habe ich zu meinem Vater gesagt: Ich mache mal ein Loch auf, mal sehen, ob sich etwas tut. Und tatsächlich haben sich noch im selben Jahr die ersten Schleiereulen eingenistet. Ich habe sie an ihrem typischen, fauchenden Ton erkannt. Dann wurden Böden in das Gemäuer eingezogen und zunächst ein Loch auf allen vier Seiten geöffnet. Das ist auch gleich angenommen worden.«

Es ist verblüffend: Die Tiere scheinen genau zu wissen, wie sie es sich im eigenen Heim gemütlich machen können. Die erste Brut im Frühjahr niste gerne auf der Seite, die der Nidda zugewandt ist, hat »Eulenvater« Maier bemerkt. »Das hängt mit der wärmenden Morgensonne zusammen.« Trotz aller Fürsorge ist die Lebenserwartung der Jungen nicht sonderlich hoch. Nur 60 bis 70 Prozent überleben. Ausschlaggebend dafür ist die Futtersituation. Obwohl es im Moment immer Feldmäuse gibt, werden auch von den Okärber Jungen nicht alle selbst brüten. Schaffen es die Jungen aber bis zur ausgewachsenen Eule, können sie 15 Jahre und älter werden.

Auf der Seite nisten

Schleiereulen suchen sich immer Nistplätze in hohen Gebäuden, am liebsten in Kirchtürmen und Scheunen. Viele alte Scheunen besitzen in Giebelnähe sogenannte Eulenlöcher. Bei Mäuseplagen sind und waren die Tiere gerngesehene Untermieter. In vielen Regionen rankt sich allerdings auch jede Menge Aberglauben um die lautlosen Jäger. So soll eine an das Scheunentor genagelte Eule zum Beispiel Blitzeinschlag und Feuer vom Hof abwenden. Andere glauben, dass der Eulenruf den bevorstehenden Tod eines Menschen ankündige.

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