20. März 2019, 21:33 Uhr

Ein Stück Dorfgeschichte wird aufpoliert

20. März 2019, 21:33 Uhr
AGS

Der Römerbrunnen in der Massenheimer Aue hat schon bessere Tage gesehen. Das Wappen auf dem Deckel ist vergilbt, ein Stück der Steinwand herausgebrochen, das Dach mit Moos überzogen. Ein Zustand, der unwürdig ist, für die Hunderte Jahre alte Quelle, wie im Februar der Ortsbeirat einhellig befand. Bei dessen jüngster Sitzung stellte Ingenieur Wolfgang Schrötter nun die Pläne für die Sanierung vor.

Hauptziel der Runderneuerung ist es demnach, sichtbar zu machen, dass im Römerbrunnen noch Wasser fließt – und zwar rund 38 Liter pro Minute. Wenig Zufluss also, mit dem der erfahrenen Brunnenbauer Schrötter planen konnte, dafür aber ein beständiger. Eine kleine Pumpe soll das Wasser zukünftig den Schacht hinaufbefördern, wo es oben etwa 30 Zentimeter hoch aus acht Düsen heraussprudelt. Für den letzten optischen Schliff könnten möglichst stromsparende LED-Leuchten – damit das Wasserspiel rund um die Uhr laufen kann– sorgen, so die ursprüngliche Idee, auf die sich die Ortsbeiräte bei einer Besichtigung des Massenheimer Kulturdenkmals Anfang des Monats geeinigt hatten. Der Ablauf soll demnach in den nahen Erlenbach führen.

Dieser vorläufige Plan wird nun aber noch einmal überarbeitet, wie Ortsvorsteherin Irene Utter (CDU) erklärt. Peter Paul, der für die Grünen im Ortsbeirat sitzt, habe angemerkt die Sprudeldüsen seien historisch unpassend. Er wünscht sich eine Glasplatte, die den Wasserlauf sichtbar macht. Nun soll ein neuerlicher Ortstermin im April die Details klären. Dazu wird der Brunnen geöffnet, um ihn technisch zu begutachten, und auch auf den Denkmalschutz wird noch einmal ein Blick geworfen.

Bereits in der Vergangenheit war die Wasserqualität geprüft und für den Brunnenbetrieb für tauglich befunden worden. Mit der Zeit könnte sich jedoch Eisen absetzen, berichtet Planer Schrötter. Ein Hochdruckreiniger zur Säuberung des Schachtes wird deshalb wohl in jedem Fall kommen. Genau wie eine Grundreinigung der Abdeckplatte mit dem Wappen darauf, die einst als Vandalismusschutz angebracht worden war. Fest steht im Grunde auch, dass das derzeit stark bemooste Pappschindeldach mit einem Naturschindeldach ersetzt wird.

Als Gesamtbudget für das Vorhaben sind 20 000 Euro angesetzt, die die Stadt bereits im Haushalt eingeplant hat. Durch die Umplanung verschiebt sich der Baustart, der eigentlich in Kürze hätte sein sollen, nach hinten. »Vom Umfang her ist es ein überschaubares Projekt«, erklärt Schrötter. »Aber die vielen Details erfordern Herzblut, denn der Brunnen hat einen hohen Stellenwert bei den Massenheimern.«

Erstmals erwähnt wurde der Römerbrunnen im Jahr 775 – im gleichen Jahr wie das damals eigenständige Dorf Massenheim also, das erst 1972 eingemeindet wurde. Seinen Namen bekam er Anfang des 20. Jahrhunderts, nachdem bei Grabungen dort Scherben aus der Römerzeit gefunden worden waren. Schon damals hatten Menschen wohl nahe der Quelle gesiedelt, die heute zwischen zwei Wohngebieten liegt Stadtteilhistoriker Josef Knipf (83), berichtet, die Quelle des Brunnens sei selbst bei größter Trockenheit nie versiegt. Als Schöpfstelle versorgte er so einst die Gärten ringsum. Sogar die Nieder-Erlenbacher hielten ein Schöpfrecht Knipf: »Für die Alten ist es toll, dass wieder zu sehen sein wird, das diese Quelle nicht tot ist«

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