14. November 2019, 20:31 Uhr

Ein Koloss für die Feuerwehr

Es vergeht kaum eine Woche, in der die Karbener Feuerwehr nicht zum Einsatz kommt. Im zurückliegenden Sommer hörte man fast an jedem Tag die Martinshörner im Stadtgebiet. Und wahrscheinlich wird sich daran auch in Zukunft nicht viel ändern. Deshalb muss die Wehr gut ausgestattet sein.
14. November 2019, 20:31 Uhr
Von diesem Fahrzeug heißt es Abschied nehmen. Aus den Fenstern schauen Gerätewart Uwe Rühl (l.) und Stadtbrandinspektor Christian Becker. Davor stehen Wehrführer Marco Kittner-Meier (l.) und sein Stellvertreter Maximilian Zeifang. (Foto: Schenk)

D a kann man gut verstehen, dass die Brandschützer bei ihren Einsätzen auf modernstes Equipment zurückgreifen möchten. In den vergangenen Monaten wurden deshalb mehrere Einsatzfahrzeuge in Dienst gestellt. Jetzt kann sich die Freiwillige Feuerwehr Karben-Mitte über die Bewilligung eines Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeugs (HLF) 20 freuen. Die dazu notwendigen Finanzmittel macht die Hessische Landesregierung zur Förderung des Brandschutzes flüssig. Karben erhält in diesem Zusammenhang 63 000 Euro. Die Gesamtkosten für den »Neuzugang« liegen weit über 400 000 Euro.

Nach 25 Dienstjahren ist es wieder einmal an der Zeit, ein älteres Feuerwehrauto in den Ruhestand zu schicken. Wobei die Bezeichnung »Ruhestand« für das 1994er Modell vielleicht nicht ganz zutreffend ist. »Das alte Auto wird verkauft und kann, je nach Zustand, noch bis zu 15 000 Euro einbringen«, sagt Stadtbrandinspektor Christian Becker. »Technisch ist es noch immer auf einem hohen Niveau. Seinen Zweck, das Feuerlöschen, kann es weiter erfüllen. Oft gehen solche Autos für kleines Geld ins Ausland.«

Am 23. Juli wurde die Bezuschussung des neuen Fahrzeugs vom Hessischen Innenministerium in Wiesbaden genehmigt. Damit begann erst die Planungsphase. Ein Fahrzeugausschuss kam zusammen, der gewisse Vorgaben des Stadtbrandinspektors und eigene Vorstellungen konzipierte. Das sei ein monatelanger Prozess, erklärt Becker. Dazu zähle unter anderem auch die Besichtigung von vergleichbaren Fahrzeugen, die bei anderen Wehren im Dienst stehen. Man müsse immer schauen, was man für die eigenen Bedürfnisse brauche.

Mit »Karben-Design«

»Mehrere Hundert Arbeitsstunden werden nur in die Planung gesteckt«, fügt Wehrführer Marco Kittner-Meier hinzu. »Fast 70 Konzeptseiten sind so zusammengekommen. Man muss wissen, dass ein HLF 20 an die 15 Tonnen Gewicht auf die Waage bringt.«

Allradantrieb, Automatikschaltung (gehört nicht zur Standard-Ausstattung, »aber Feuerwehrleute sind ja keine Lastwagen-Fahrer«), Rückfahrkamera, Leiterentnahmehilfe, Martinshorn und die Normbeladung sind alles Dinge, die in dem Koloss fest eingeplant wurden. Darüber hinaus wird das HLF 20 in Karben eine Druckschaumzumischanlage bekommen. Kosten dafür: 20 000 Euro. Ausdrücklich loben die Feuerwehrmänner nicht nur die Leistung des Fahrzeugausschusses, sondern auch Bürgermeister Guido Rahn. »Er ist der letzte, der Nein zu unseren Ideen sagt, weil er sehr zukunftsorientiert denkt. Er versucht immer noch an irgendwelchen Schrauben zu drehen«, bedankt sich der Stadtbrandinspektor. Und auch die Feuerwehrvereine seien eingebunden und würden traditionell einen Obolus im fünfstelligen Bereich beisteuern.

Für Christian Becker und Marco Kittner-Meier ist es eine besondere Situation, ein Auto für die Feuerwehr zu beschaffen. Sie waren schon in der Schule und in der Jugendfeuerwehr zusammen. »Wir wussten schon mit zehn Jahren, dass es einmal dazu kommen würde«, lachen die beiden Männer. Als nächstes wird zeitnah die Ausschreibungsphase eingeläutet, was inzwischen europaweit erfolgen muss. Alle Firmen können sich für den Auftrag bewerben. Dann wird es bei der ausgewählten Produktionsfirma eine Rohbaubesprechung geben, Einweisung und Fahrzeugabnahme erfolgen später ebenfalls vor Ort.

Bis das neue Auto fertig auf dem Hof steht, können noch einige Monate vergehen. Vor der Inbetriebnahme steht noch eine zweiwöchige Übungsphase, in der auch das »Karben-Design« verklebt wird. »Das ist die Zeit, in der sich alle Feuerwehrleute mit dem Fahrzeug vertraut machen müssen«, gibt Becker die Marschrichtung vor. »Aber erfahrungsgemäß will sowieso jeder das Auto Probe fahren und die Pumpe bedienen. Das ist bei allen heiß begehrt.« Instandhaltung und Pflege des Fuhrparks liegen in den Händen von Gerätewart Uwe Rühl. Er sorgt für die Funktionstüchtigkeit des Inventars und greift regelmäßig zum Besen, um die Halle zu fegen. »Einmal im Monat führen wir einen Ordnungsdienst nach Plan durch«, berichtet er. »Es gibt Prüfungsintervalle, die eingehalten werden müssen. Alle fünf Jahre kommt der hessische Prüfdienst. Dann werden zum Beispiel Pumpen, Gewicht und Ladungssicherung an den Fahrzeugen untersucht.«

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