13. September 2019, 20:23 Uhr

Ein Helfer für die Kita

Im Ruhestand nur noch zu Hause herumsitzen? Das ist nichts für Senior Jürgen Hillmann. Er hat eine neue Berufung gefunden: Immer mittwochs hilft er im Heilsberger Kindergarten Villa Wichtelstein aus.
13. September 2019, 20:23 Uhr
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Arbeiten gut und gern zusammen: Villa-Wichtelstein-Kita-Leiterin Jutta Piskator und ihr freiwilliger Helfer Jürgern Hillmann. (Foto: Seipp)

H err Hillmann, ich möchte etwas trinken«, ruft der Junge mit der Schirmmütze und grinst. Er und seine drei Kumpels waren gerade noch mit Kettcars unterwegs, jetzt machen sie Rast neben einer Bank, auf der ein älterer Herr sitzt und ihnen freundlich zulächelt. »Schau mal, hier ist die Flasche«, sagt er, öffnet sie und schenkt dem Kind einen großen Schluck in seinen Plastikbecher. Schnell wird der geleert, dann geht es für die Spielkameraden zurück auf die »Straße«.

Dass ihn seine Schützlinge beim Nachnamen ansprechen, ist ihm nach all der Zeit immer noch sehr wichtig. »Ob sie mich siezen, ist mir egal. Aber der Vorname geht nicht. Darauf bestehe ich«, erklärt Jürgen Hillmann schmunzelnd. Das gehört für ihn zum Respekt haben dazu. »Opa - das geht am Allerwenigsten«, ergänzt der Rentner dann. Schließlich ist keiner der Dreikäsehochs hier sein Enkelkind.

Trotzdem kommt Hillmann einmal in der Woche auf den Heilsberg, zu »seinen« Kindern, um ehrenamtlich in der Kita Villa Wichtelstein zu helfen. »Angefangen hat das mit der Verrentung«, erinnert er sich. »Ich war davor selbstständig im Personalbereich tätig. Plötzlich gar nichts mehr zu machen kam für mich nie infrage. Ich wollte aktiv bleiben.«

Zeit sinnvoll nutzen

Und so suchte Hillmann lange nach einer passenden Beschäftigung. Er reist gern, treibt gern Sport und auch von seinem Job konnte er nie ganz lassen. Doch wohin mit der Restzeit? »Ich konnte schon immer sehr gut mit Kindern«, erklärt Hillmann, der selbst früh Vater wurde. Schon für seine Tochter baute er ein Kasperletheater und unterhielt sie und ihre Freunde. »Mit hat das stets viel Freude bereitet«, sagt er. »Da habe ich mir gedacht: Wieso nicht einmal im Kindergarten nachfragen?«

Nachdem er von einer Kita nahe seines Wohnortes in der Kernstadt keine Rückmeldung bekam, fragte er auf dem Heilsberg an. Ganz in der Nähe spielt er Tennis. »Anfangs haben wir uns natürlich schon gewundert, wieso er das alles auf sich nimmt«, erinnert sich Wichtelstein-Chefin Jutta Piskator. Die Skepsis verschwand schnell. Bald schon hatte der Senior mit seiner Energie Kinder, Eltern und Betreuer überzeugt: Ob Vorlesen, Basteln, Singen oder Spielen, Hillmann ist überall engagiert dabei. Und so viel Engagement steckt natürlich auch die Kinder an, die sich über den Besuch freuen.

Ersatz für die Großeltern

»Für die Kinder ist das natürlich etwas ganz tolles und enorm wichtig«, sagt Piskator. Bei Vielen wohnen die Großeltern nicht in der Nähe, zu Senioren haben sie wenig Kontakt. Hillmann ist eine Ausnahme. »Je mehr Erfahrungen sie sammeln können, desto besser«, freut sich Piscator. »Mit der Generation ihrer Großeltern etwas zu tun zu haben, gehört dazu.« Hinzu kommt, dass es weiter vor allem Frauen in Kindergärten arbeiten. Männer wie Hillmann sind selten. »Dass Herr Hillmann hier ist, ist einfach eine Bereicherung für alle Beteiligten!«

Nicht zuletzt für Hillmann selbst, dem die Arbeit im Kindergarten sichtlich Spaß macht. Er genießt die Zeit hier und freut sich, wenn seine kleinen Schützlinge mit ihren Problemen zu ihm kommen. Doch der Senior ist auch jemand, den die Kinder ernst nehmen. Denn wenn er etwas sagt, dann respektieren sie es. »Manchmal muss man natürlich eingreifen, wenn es etwa zu laut wird, aber die Kinder hören dann auch«, sagt Hillmann.

Es freut ihn, wenn die Kinder aktiv werden. So etwa mit der »Tankstelle« die sie Nahe des Eingangs des Kindergartens eingerichtet haben. Ein Schlauch »betankt« die Kettcars, sonst könnten sie ja gar nicht fahren. »Brumm, Brumm« rufen die Jungs auf den Fahrzeugen und sausen auf dem gepflasterten Weg hin und her. »Was mich immer am meisten wundert, ist die Kreativität der Kinder«, sagt Hillmann begeistert. »Sie sind immer für eine Überraschung gut.«

Deshalb ist für Hillmann der Mittwoch der schönste Tag der Woche. »Es macht einfach Freude hier mitzumachen und das Team zu unterstützen. Jedes Mal gibt es etwas anderes zu tun. Es wird nie langweilig. Und die Kinder freuen sich jedes Mal, mich zu sehen. Da kommt man natürlich immer gerne!«

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