16. Januar 2018, 10:00 Uhr

Futtermittelprüfer

Ein Berufsleben für die Qualität

Wie für Brot und Wein gibt es Prüfsiegel für Futtermittel. Georg Steuer aus Nidderau hat für die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft Viehfutter analysiert.
16. Januar 2018, 10:00 Uhr
Georg Steuer (M.) füllt Futtermittelproben ab, die im Labor auf ihre Inhaltsstoffe untersucht werden. Ziel ist es die zusätzlichen Nährstoffe herauszufinden. (Foto: jwn)

Es kommt auf die Qualität an. Auch bei dem, was bei Rindern, Schweinen und Hühnern im Trog landet. Gutes Futter mit ausreichend Nährstoffen und Proteinen ist entscheidend für die Gesundheit von Tieren. Das Futter hat Einfluss auf die Güte und Qualität des Fleisches und damit auch auf das, was bei uns auf dem Teller landet. »Nur Tiere mit optimalen Stallklima und ausgewogenem Futter sind vital und gesund«, sagt Georg Steuer. Der Agraringenieur aus Nidderau hat in seinem Arbeitsleben immer das Futter fürs Vieh im Blick gehabt.

Mehr Sicherheit

Mehr Sicherheit für den Verbraucher, das ist das erklärte Ziel des gesundheitlichen Verbraucherschutzes und somit auch der Futtermittelprüfung. Georg Steuer hat sich bis vor wenigen Monaten bei der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Frankfurt (DLG) um die Qualitätsprüfung von Mischfutter fürs Vieh gekümmert.

Die DLG ist ein Service-Unternehmen für Landwirtschaft und Ernährungsbranche. Eines der Ziele ist die Qualität zu fördern. 26 000 Mitglieder gehören der DLG an.

 

Nützliche Kontrollen

 

Fast vier Jahrzehnte arbeitete Steuer bei der DLG. Sein Spezialgebiet war von Anfang an die Futtermittelprüfungen. Später kam dann noch die Auditierung von Futtermittelherstellern und Laboren, also die Beurteilung der Wirksamkeit des Qualitätssicherungssystems oder seiner Elemente genauso hinzu wie die Einbindung in die Arbeit einer Normenkommission für Einzelfuttermittel.

»Das hört sich alles sehr theoretisch und bürokratisch an. Doch in der Praxis nützen unsere Qualitätskontrollen gerade dem einzelnen Landwirt erheblich«, erklärt Steuer. Als neutrale Prüfeinrichtung, die keiner staatlichen oder politischen Organisation unterstellt ist, testet die DLG die Qualität von Mischfutter mehrmals im Jahr. Das macht sie parallel zu den staatlichen Kontrollen. Während die staatlichen Kontrollstellen die Futtermittel auf gesundheitsgefährdende Substanzen hin untersucht, beispielsweise auf Dioxine oder PCB-haltige Stoffe, die von den Tieren aufgenommen, in ihrem Körper gelagert und später vom Menschen konsumiert werden können, prüften Steuer und seine Kollegen das Futter auf wertsteigernde Substanzen, wie zusätzliche Nährstoffe, Kalzium oder Proteine.

Mindeststandards einhalten

Seine Kontrollen sorgten auch dafür, dass in den Futtermitteln nicht nur die deklarierten Substanzen enthalten sind, sondern dass auch die DLG-Mischfutterstandards eingehalten werden. Sie sind maßgeblich für die Verleihung der begehrten DLG-Gütezeichen. Auf ihre Qualität hin geprüft werden aber nicht nur die Futtermittel selber, sondern auch die Labore mussten sich der Kontrolle Steuers unterziehen. »85 Prozent der Kontrollen sind Routine und gehen ohne Beanstandung über die Bühne. Bei dem Rest wird eine zweite Probe genommen und von einem zweiten Labor untersucht. Kommt es da zu keiner Übereinstimmung, muss ein drittes Labor eine weitere Untersuchung vornehmen«, erklärt der Nidderauer.

Auch die Labore unterliegen bestimmten Standards. »Wichtig war dabei für mich, dass die Ergebnisse stets nachvollziehbar waren«, klärt Steuer auf. »Und weil wir im Gegensatz zu den staatlichen Stellen das Tierfutter vor allem auf seinen wertsteigernden Aspekt hin untersuchten, ist mir in meiner langjährigen Berufslaufbahn kein spektakulärer Fund wie der des erst kürzlich bei Hühnereiern festgestellten Insektizid Fipronil gelungen.«

Weil gutes Futter sich am Ende für den einzelnen Landwirt auszahlt, ist der in seiner Sparte über die DLG hinaus anerkannte Experte in seinem Berufsleben viel in Europa unterwegs gewesen. »Gerade nach der Wiedervereinigung und der Grenzöffnung zum Osten in den 1990er Jahren war ich immer wieder im osteuropäischen Raum und habe in Rumänien oder Polen den einschlägigen Stellen unser Prüfungssystem vorgestellt und teilweise auch eingeführt.«

Auch in den neuen Bundesländern war Steuer zu dieser Zeit oft. »Die Massentierhaltung in diesem Umfang war für uns zur damaligen Zeit eine genauso große Herausforderung wie für die Mitarbeiter der einstigen LPG-Betriebe«, sagt Steuer. Er ist zwar mittlerweile pensioniert, trotzdem wird er immer wieder als Spezialist für Fachseminare angefragt und gibt sein Wissen weiter.

 

Infokasten

Informationen für Landwirte

Die DLG-Futteruntersuchung steht allen Landwirten zur Verfügung. Die Futtermittel-Labore bieten für jeden Landwirt die passende Untersuchungsvariante. Sie reichen von der einfachen Nährstoffuntersuchung bis zur Aminosäuren-Analyse. Für die Schweinemast ist der Gehalt an Aminosäuren, Mineralstoffen und Spurenelementen im Futter besonders wichtig. Milchviehbetriebe und Bullenmäster sind neben den Nährstoff- und Energiegehalten in erster Linie an der Gärqualität ihrer Silage interessiert. Auf Wunsch werden auch andere Stoffe untersucht. (jwn)

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