08. Oktober 2018, 11:00 Uhr

Dürre

Dürre noch nicht überstanden: Wetterauer Landwirte in Sorge

Nach der extremen Dürre des Sommers rechneten Bauern bundesweit mit großen Ernteeinbußen. Auch in Bad Vilbel und Karben mussten sie sich mit vielen Problemen herumschlagen.
08. Oktober 2018, 11:00 Uhr
NMA
Mit einer Bewässerungsanlage hat der Dortelweiler Landwirt Michael Steinmetz zumindest sein kleines Blumenfeld vor der Trockenheit schützen können. (Foto: Mag)

Schon lange bietet Michael Steinmetz direkt an seinem Hof hinter der Europäischen Schule Rhein-Main in Dortelweil Blumen zum Selberpflücken an. Aber was in den vergangenen Monaten los war, hatte er noch nie zuvor erlebt. Nur durch ständige Bewässerung habe er die kleinen Felder vor dem Austrocknen bewahren können. »Das war das schwierigste Jahr bisher für die Blumen und auch die Kürbisse«, erklärt er. Die große Dürre 2018 war eine Katastrophe für Landwirte wie ihn.

»Es war schon hart diesen Sommer«, meint Steinmetz. Der Ertrag seines Weizens sei deutlich zurückgegangen, doch das sei verkraftbar. »Wegen der schlechten Marktlage steigen nun auch die Preise an, das gleicht das Defizit wieder etwas aus.« Schlimmer stehe es hingegen um den Silo-Mais, den der Landwirt für die Biogasanlage zwischen Karben und Ilbenstadt produziert. »Hier liegt der Verlust in diesem Jahr bei 30 bis 50 Prozent«, bedauert Steinmetz.

Glücklicherweise habe der Mais keinen hohen Flächenanteil auf seinen rund 100 Hektar umfassenden Feldern, was den finanziellen Schaden vermindere. In der kommenden Woche wird Steinmetz die Ernte der Zuckerrüben beginnen; seine Kollegen, die die gemeinsam angeschaffte Maschine bereits nutzen, berichten auch hierbei von Ausfällen zwischen 30 und 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Viele Kollegen haben ihre Kartoffeln beregnet, wo es ging

Michael Steinmetz

»In anderen Teilen der Welt war die Ernte überdurchschnittlich, was das Minus in Mitteleuropa wieder etwas ausgleicht«, weiß der Experte. Das bedeute jedoch, dass der Preis auch besonders hoch werden dürfte – was laut Steinmetz wiederum Einbußen für die Wetterauer bedeute.

»Europaweit gibt es etwa zehn Prozent weniger Rüben, das reicht nicht, um am Markt etwas zu bewegen.« Seine Äcker wässert Steinmetz normalerweise nicht. Die dafür benötigten Wassermengen seien an seinem Standort nicht zu bekommen, zudem sei das auch nicht nötig – im Normalfall. »Viele Kollegen haben ihre Kartoffeln beregnet, wo es ging. Wer nicht gießen konnte, hat mit der Ernte abgewartet.« Doch diese könne man nicht ewig hinauszögern.

Das Problem: Auch wenn die Temperaturen seit Wochen deutlich gesunken sind, ist die Dürre, die diesen Sommer bestimmte, noch nicht vorbei. »Wir haben es noch nicht geschafft«, weiß Steinmetz.

 

Nur 24 Liter Regen seit 14. Juni

Gerade einmal 24 Liter Niederschlagsmenge habe er auf seinem Hof gemessen, und zwar im Zeitraum vom 14. Juni bis zum 22. September. Es regne weiterhin zu wenig, doch: »Der 23. September hat zum Glück etwas Entlastung gebracht.« An diesem Tag habe es mehr geregnet als in den drei Monaten zuvor, nämlich 31 Liter. »Das war Entspannung. Jetzt ist Bodenbearbeitung endlich wieder möglich«, freut sich der Landwirt.

Doch werde die Trockenheit weitreichende Folgen haben: »Normalerweise würde ich jetzt anfangen, Weizen auszusäen. Doch das verschiebt sich jetzt noch«, sagt Steinmetz. Durch die Verspätung müsse er mehr säen, und das koste mehr Samen. »Außerdem geht der Weizen dann zu schwach in den Winter, was bei der Ernte nächstes Jahr Probleme machen wird.« Mangelnde Strohrotte wegen des fehlenden Niederschlages auf den Feldern bereiten ihm ebenfalls Sorgen, auch hier werden Arbeitsschritte notwendig, die sonst nicht gemacht würden. »Sonst besteht für die Pflanzen ein höheres Infektionsrisiko.«

 

Einbußen bei der Kartoffelernte

Grundsätzlich hofft Steinmetz für die kommenden Wochen nur auf eines: »Niederschlag. Und zwar so viel wie möglich.« Doch sieht Steinmetz auch die positiven Seiten des Sommers: »Die Photovoltaikanlage auf dem Dach hat einen Rekordbetrag erbracht.«

Auch in Karben hat der Sommer den Bauern zu schaffen gemacht. Während die rund 60 000 Hühner des Margarethenhofs in Kloppenheim in ihren modernen und gut gelüfteten Ställen wenig Probleme mit der Hitze hatten, kämpft Landwirt Karl-Wilhelm Kliem derzeit mit den Kartoffeln. »Durch die Bodenverhältnisse ist die Rodung momentan mehr als schwierig«, weiß er. Auch Probleme mit Schädlingen habe er aufgrund der Hitze gehabt. Kliem rechnet mit einer zwischen 40 bis 50 Prozent schlechteren Kartoffelernte.

Info

Rücklagen bilden

Die Bundesregierung stellt bis zu 170 Millionen Euro für Landwirte bereit, denen der extrem trockene Sommer geschadet hat. Karl-Wilhelm Kliem hat dazu eine klare Meinung: »Ich halte da nichts von«, sagt er. »Auch wenn viele Kollegen das vielleicht anders sehen.« Landwirte seien freie Unternehmer, die genauso dazu angehalten seien, sich Rücklagen für schlechte Zeiten zu bilden wie Unternehmer aus anderen Branchen auch, findet Kliem. Ein staatliches Eingreifen sehe er deshalb kritisch. (nma)

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