05. Mai 2019, 12:00 Uhr

Für Reparaturarbeiten

Die Stadt wird vermessen

Vielen Karbenern dürfte in der vergangenen Woche der silberfarbene Transporter mit dem imposanten orangenen Aufsatz aufgefallen sein. Immerhin ist dieser binnen drei Tagen jede Straße der Stadt zweimal abgefahren. Mit an Bord: zwölf hochauflösende Kameras. Was nach Überwachung klingt, hat jedoch einen ganz anderen Zweck: Der Zustand der Straßen und Gehwege soll erfasst werden. Das soll für die Karbener Stadtplaner künftig einiges erleichtern.
05. Mai 2019, 12:00 Uhr
Fahrer Omar Verwimp (v. l.), Systemingenieur Gregor Radke und Jochen Stöhr vom Fachbereich Stadtplanung bereiten die Fahrt des Tansporters mit Kameraturm vor. (Fotos: Rinkart)

M anch eine Straße in Karben gleicht einem Mosaik: geflickte Asphaltstücke folgen auf Spurrinnen, ausgebaute Abschnitte enden und abgefahrener Bodenbelag beginnt. Will die Stadt eine Straße sanieren oder Reparaturen vornehmen, muss jeder Abschnitt begutachtet und eine Kostenschätzung in Auftrag gegeben werden. Dieses mühselige Kleinklein soll sich nun ändern. Dafür ist nicht weniger nötig als die Vermessung der gesamten Stadt.

Drei Tage lang fuhren dafür in der vergangenen Woche Gregor Radtke und Omar Verwimp mit ihrem imposanten Fahrzeug durch die Stadt. Die beiden Experten des Berliner Unternehmens Eagly Eye wurden beauftragt, jede Straße in Karben abzufahren und jedes Fleckchen Erde zu fotografieren. Daraus soll dann ein detailliertes Raster angelegt werden, das den Zustand der Karbener Straßen genaustens festhält: »Damit wissen wir dann, mit welchen Reparaturen wann wo zu rechnen ist«, erklärt Jochen Stöhr aus dem Fachbereich Stadtplanung.

Rund 106 Kilometer müssen dafür in Karben abgefahren werden und das zweimal, damit auch wirklich jede Stelle sicher abgebildet ist. Damit das in der kurzen Zeit möglich ist, ist das Auto der beiden Vermessungs-Experten bis zum Rand mit Technik vollgepackt. Zwölf hochauflösende Kameras sind auf dem Gerüst auf dem Autodach in 3,50 Meter Höhe angebracht, alle fünf Meter schießen diese ein Bild. Bis zu 100 Kilometer pro Stunde kann das Auto theoretisch schnell fahren, ohne dass die Aufnahmen an Qualität verlieren.

Gigantische Datenmengen

Darüber hinaus ist das Auto mit GPS-Systemen und einen Gyroskop zum Messen von Schräglagen während der Fahrt ausgestattet. Alles in allem entstehen so 24 000 Bilder pro Kilometer, was einer Datenmenge von zwei Gigabytes alle tausend Meter entspricht. Entsprechend ist der Innenraum mit Servern und Speicherplatten ausgestattet.

Während Omar Verwimp den Wagen über die Karbener Straßen steuert, sitzt Gregor Radtke hinten und blickt konzentriert auf seinen Bildschirm. Seine Aufgabe ist es, die Systeme ständig zu kontrollieren. Zudem sind vor ihm Straßenkarten von Karben ausgebreitet. Darauf ist ein sogenanntes Knoten-Kanten-Modell aufgezeichnet, das den beiden den Weg weist. So wird keine Straße vergessen.

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Im Inneren hat Gregor Radtke alles im Blick und verfolgt die Fahrt auf dem Stadtplan.

Doch nicht nur die Straßen werden fotografiert. Die Kameras sind so ausgerichtet, dass sich deren Bild überschneidet. So kann später in Kombination mit den GPS-Daten ein genaues 3D-Bild errechnet werden. Zudem werden auch die Bürgersteige abgebildet, um auch den Zustand der Wege entlang der Straßen zu erfassen.

»Unsere Sofware verpixelt sofort alle Gesichter und Nummernschilder«, beruhigt Radtke. Und Stöhr ergänzt: »Die Daten bleiben in der Hand der Gemeinde.« Amüsiert erzählt Omar Verwimp wie viele Kinder und Jugendliche dem Auto zuwinken würden, in der Hoffnung bald bei Google Street View zusehen zu sein. Doch Verwimp muss enttäuschen: »Wir sind nicht Google.« Über das freundliche Winken freut er sich natürlich dennoch.

Etwa ein halbes Jahr werde es dauern, bis Spezialisten bei Eagly Eye die unzähligen Bilder gesichtet und ausgewertet haben. Dann liegt der Stadt das komplette Datenpaket zum Zustand der Karbener Straßen vor, erklärt Stöhr. 50 000 Euro kostet das. Dafür spare die Stadt zukünftig die vielen kleinen Einzelaufträge für Kostenabschätzungen vor Bauarbeiten.

Geoinformationssystem hilft weiter

In Zukunft könne die Stadt einfach im sogenannten Geoinformationssystem nachschauen und weiß sofort welche Reparatur mit welchem Aufwand verbunden sein wird und könne die Kosten sehr viel genauer benennen. Wird dann eine Straße saniert oder kleinere Korrekturen auf ihr vorgenommen, müssen diese Änderungen bloß in das System der Stadt eingespeist werden, und das nun erstellte Kartenmaterial ist immer auf dem aktuellsten Stand.

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