12. April 2017, 08:00 Uhr

Magistrat

Der »digitale« Stadtrat

Er ist der Jüngste in der Runde, die sich jeden Montag im Rathaus trifft. Der 28-jährige Stadtrat Sebastian Wollny bringt frischen Wind in die Karbener Stadtregierung.
12. April 2017, 08:00 Uhr
Sebastian Wollny ist das jüngste Karbener Magistratsmitglied. Über den Sport ist er zur Kommunalpolitik gekommen, nun ist er für den digitalen Auftritt der Stadt zuständig. (pe)

Früher war es gang und gäbe, dass langjährige Parteipolitiker, die schon Parlamentserfahrung hatten, in den Magistrat gewählt wurden. Das hat sich unter Bürgermeister Guido Rahn (CDU) verändert. Zwar will er auf erfahrene Kommunalpolitiker wie etwa den erst kürzlich aus diesem Gremium ausgeschiedenen Otmar Stein nicht oder nur sehr ungern verzichten. Doch neue Leute mit Kompetenz auf bestimmten Sachgebieten dürfen in die Stadtregierung. So jemand ist Sebastian Wollny. »Es war Guido Rahns Idee, dass ich in den Magistrat soll. Das hat er Mario Beck (CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzender, Anm. d. Red. ) vorgeschlagen, und der fand das optimal.« Und so kam Wollny zwei Wochen nach der Kommunalwahl auf die Vorschlagsliste der CDU für den Magistrat. »Aber ich habe erst mal um zehn Tage Bedenkzeit gebeten«, erinnert sich der 28-Jährige heute. Warum?

Eigentlich ist Wollny dem Sport verbunden, ist leidenschaftlicher Basketballspieler und seit mittlerweile zehn Jahren im Sportbereich ehrenamtlich aktiv. Bei seinem Heimatverein TV Okarben, dem er im Jahr 2000 beigetreten ist, ist er Trainer, Abteilungsleiter und Schiedsrichter. Seit vergangenem Jahr fungiert er zudem als 1. Vorsitzender. Außer Basketball ist er auch dem Judosport verbunden. Er trat dem FSV Kloppenheim bei, jenem Verein, in dem in Karben und Umgebung die Judokas zu Hause sind. Im Jahr 2010 habe er das Amt des Abteilungsleiters von Dieter Kruszynski geerbt, sagt er.

Über den Sport zur Politik

»Über die sportliche Linie bin ich in die Politik gekommen«, schmunzelt er. Denn über den Arbeitskreis, der sich mit den geplanten Erlebnispunkten entlang der renaturierten Nidda befasst hat, kam er in Kontakt mit der Kommunalpolitik. »Dabei ist mein Interesse daran gewachsen.« Nur konsequent war es, dass er zunächst in die Junge Union und 2015 in die CDU eingetreten ist. Sein Engagement wuchs, und so kandidierte er erstmals bei einer Wahl, und zwar für den Ortsbeirat in seinem Stadtteil. Bei den Wahlen im März 2016 erzielte er hinter dem Ortsvorsteher Karlheinz Gangel das zweitbeste Ergebnis für den Ortsbeirat Okarben.

Aber dort erlebte er keine einzige Sitzung, denn das Stadtoberhaupt war auf ihn aufmerksam geworden und wollte ihn im Magistrat haben. Rahn war nämlich bekannt, dass Sebastian Wollny an der TH Darmstadt Elektroingenieurwissenschaften studiert. »Dazugehört heutzutage auch die IT-Technik.« Das kam ihm zugute, denn Rahn suchte jemanden, der im Magistrat für den digitalen Auftritt der Stadt zuständig ist.

»Ich war erst mal perplex, als ich in den Magistrat sollte«, gibt er zu. Nach zehn Tagen Bedenkzeit habe er aber zugesagt. Mit allerdings einem weinenden Auge, denn mit dem Sport musste er kürzertreten. »Ich war seit einem halben Jahr nicht mehr in der Halle«, gibt der jüngste Stadtrat im Karbener Magistrat zu. Die Judo-Abteilung habe er mittlerweile abgegeben und den Trainerjob im Basketball habe er aufgegeben. »Dennoch habe ich die Entscheidung nicht bereut«, sagt der Stadtrat fürs Digitale. Denn die Arbeit an der städtischen Homepage mache ihm viel Spaß.

Mittlerweile hat er alles so weit entwickelt, dass er bei der Magistratssitzung am Dienstag nach Ostern das Ganze präsentieren kann, ebenso den Anbieter, den er favorisiert. Denn bei einem so großen Projekt benötige man Unterstützung durch einen professionellen Anbieter. Den habe man im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens unter 16 Bewerbern gefunden.

Etwa acht bis zehn Stunden wöchentlich investiert der 28-Jährige in den Stadtratsjob. Erstaunlich findet er, dass er vielen noch erklären müsse, was ein Stadtrat ist. In dem Gremium selbst habe er allerdings keinerlei Probleme. Obwohl er quasi das Küken sei, fühle er sich ernst genommen.

»Im Magistrat wird parteiunabhängig gearbeitet. Wir sind alle auf Augenhöhe«, sagt er nach nun einem knappen Jahr Erfahrung. Doch sein Terminkalender ist ständig voll. Sportvereine, Magistratsjob und seine Arbeit für den Masterabschluss in Elektrotechnik lassen dem Mann mit dem Tablet kaum noch Freizeit. Eine Woche Urlaub müsse reichen. »Und wenn ich mal Freizeit habe, fahre ich Fahrrad, von meiner Heimat Okarben aus.«

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