Bad Vilbel & Karben

Der Herr der Glaskunst

Wer Leo Streukens’ in Petterweil besucht, sieht, welche Leidenschaft er hat. Im Garten steht eine hölzerne Stele mit eingelagerter Glaskunst. Seine Idee: Mit Glas Friedhöfe attraktiver machen.
07. Februar 2019, 17:00 Uhr
Holger Pegelow
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Der Petterweiler Glaskünstler Leo Streukens fertigt unter anderem Kunstwerke aus Holz und Glas. Für die Karbener Friedhöfe hat er nun Urnengrabplatten aus Edelstahl und Glas vorgeschlagen, die er im Bayerischen Wald entdeckt hat. (Foto: Holger Pegelow)

Wer das Zuhause von Leo Streukens und seiner Frau betritt, sieht gleich, welche Gegenstände die Wohnräume zieren. An den Fenstern hängen Glascollagen, auf dem Wohnzimmertisch steht eine Schale aus glänzendem Glas, das je nachdem, wie man es hält, anders schimmert. Auf dem Fußboden unter der Treppe findet sich eine beleuchtete Glaskugel, die nach oben hin spitz zuläuft und mit ein bisschen Fantasie wie ein großer Tropfen aussieht.

»Vor zwanzig Jahren habe ich damit angefangen«, sagt er. Klein, wie viele Hobbykünstler. Zunächst fertigte er Tiffany für die Fenster. »Ich kann dabei Glasstücke unterschiedlicher Farben mit Kupferfolie fassen und dann zusammenlöten.« Mit wenig Aufwand seien so die ersten Fensterbilder entstanden, sagt Leo Streukens.

Später entwickelte er die Glaskunst weiter. Statt zu löten, könne man die Teile auch schmelzen. So fertigte der Künstler mehrere Teile an und verschmolz sie dann bei 700 bis 800 Grad im Brennofen zu neuen Kunstwerken. »Das ist dann eine feinteiligere Arbeit«, urteilt er. Auf diese Weise hat der 69-Jährige eine vierteilige Glasserie über die Jahreszeiten Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter produziert. Vor etwa sieben Jahren entdeckte der Petterweiler eine weitere Alternative zur Tiffany-Glaskunst. Er fertigte Glasplatten und setzte sie in Metallfassungen ein. So entstand beispielsweise eine große Laterne, die sich bei ihm gleichfalls im Wohnzimmerbereich findet.

 

Träne aus Glas geschmolzen

Leo Streukens dachte sich dann: Was in einen Metallrahmen geht, passt auch zwischen Hölzer. Eines Tages kam er an den Balken eines 200 Jahre alten Fachwerkhauses. »Dafür habe ich passende Gläser geschaffen und eingesetzt.« Holz und Glas, diese Kunstkombination hat es ihm angetan. Als Mitglied des Kirchenvorstandes räumte er zusammen mit anderen den Kirchgarten von St. Bardo auf. Dabei fanden sich zwei alte Sitzbänke, die dort seit 1984 draußen gelegen hatten. »Ich habe geschaut, ob das Holz noch verwendbar war«, sagt er. War es, und wie.

Der Glaskünstler hat nämlich einzelne Glaselemente in Regenbogenfarben bei 800 Grad zu einer Glasträne verschmolzen. »So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht«, sagte er, als er im vergangenen September diese Skulptur den Mitgliedern des Ortsbeirats vorstellte. Warum er die Farben des Regenbogens verwendete, erklärt er so: »Für mich ist der Regenbogen ein Zeichen von Leben.« Die Träne in den Händen bedeute, dass der trauernde Mensch aufgefangen werde.
 
Mit seinem Kunstwerk will Leo Streukens den Friedhöfen mehr Würde verleihen. Nun hat er eine neue Idee an die Verantwortlichen der Stadt herangetragen. Die hat er im Bayerischen Wald kennengelernt, wo die Glaskunst noch gepflegt wird. Bei Glaskünstler Köck in Oswald-Riedlhütte nahe Zwiesel ist er auf Grabplatten für Urnengräber aus Glas gestoßen.

Platten wie ein Tisch

Die Platten für die Urnengräber ähneln von der Seite einem Tisch mit runder Platte und rundem Unterbau. Das Gestell ist aus Edelstahl, die obere Platte teilweise aus Glas, teilweise aus Edelstahl. »Im oberen Teil der oberen Platte haben wir bunte Motive, in den unteren Teil können die Daten der Verstorbenen eingraviert werden.« Er habe das sowohl Bürgermeister Guido Rahn als auch Erstem Stadtrat Friedrich Schwaab vorgestellt. »Beide sind ganz begeistert gewesen«, sagt Streukens. »Solche teilweise gläsernen Grabplatten für Urnengräber sind doch lebendiger als die jetzigen Marmorplatten«, sagt Streukens.
Er habe zudem Bestatter angerufen, ob sie eine solche Grabplatte aus Edelstahl/Glas nicht den Angehörigen von Verstorbenen anbieten wollen. Eine Pietät habe sich einen Prototyp hingestellt. Diese Grabplatten würden im Bayerischen Wald gefertigt.

Leo Streukens hofft nun, dass sich gläserne Platten auf den Karbener Friedhöfen verbreiten. Dafür müsste erst einmal die Friedhofssatzung geändert werden. Denn darin sind sie gar nicht zugelassen. »Der Bürgermeister hat mir zugesichert, dass die Satzung angepasst wird.«

Info

Das sagt die Friedhofssatzung

In den Gestaltungsvorschriften der Friedhofssatzung steht: »Auf Urnenrasengrabstätten sind Grabmale ausschließlich als liegende Platten zulässig. Die Grabmale sind erdbündig zu verlegen, es sind nur vertiefte Schriften und Symbole gestattet. Die Grabplatten sind in eckiger Form in der Größe 45 mal 45 Zentimeter bei einstelligen Grabstätten oder 60 Zentimetern Länge mal 45 Zentimeter Breite bei zweistelligen Grabstätten anzufertigen.« Die Grabplatten für die Urnenrasengräber auf dem Friedhof Groß-Karben sind aus Multicolor rot – Granit herzustellen. Somit sind ausschließlich eckige Grabplatten aus Granit erlaubt sind. Runde aus Edelstahl/Glas aber nicht. Dafür müsste die Friedhofssatzung angepasst werden. Damit ist die Verwaltung befasst. Die politischen Gremien werden sich voraussichtlich im Frühjahr damit befassen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/badvilbelkarben/Bad-Vilbel-Karben-Der-Herr-der-Glaskunst;art469,548863

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