06. Oktober 2018, 18:00 Uhr

Verkauf an Karben?

Debatte um Oberburg geht weiter

Der Vorstoß der SPD, die Stadt Karben solle die Oberburg im Herzen von Burg-Gräfenrode kaufen, hat noch einmal die Diskussion befeuert. In der Sache indes scheint es wenig Bewegung zu geben.
06. Oktober 2018, 18:00 Uhr
Etliche Argumente werden in Sachen geplanter Burgverkauf in Burg-Gräfenode ins Feld geführt. Ob sie an der Entscheidung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau etwas ändern, bleibt fraglich. (Fotos: pe/pv)

Die Gegner eines Verkaufs der Oberburg durch die Evangelische Kirche Hessen-Nassau (EKHN) an einen privaten Investor lassen nicht locker. Jetzt haben sich Mitglieder der Interessengemeinschaft Oberburg mit dem Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde getroffen. Denn der spricht sich mehrheitlich für den Verkauf der unter Denkmalschutz stehenden, aber sanierungsbedürftigen Burg aus. Man habe dem Kirchenvorstand einen Finanzierungsvorschlag unterbreitet, informiert Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach (CDU), Mitglied der IG Oberburg.

Grundidee ist, möglichst viele Räume im ersten Stock und im Erdgeschoss zu vermieten, damit Geld reinkommt für die Sanierungsarbeiten. Der Gesangverein könnte künftig in der Burg singen, sagt Heidelbach. Denn am jetzigen Domizil kämen viele Mitglieder die Treppe nicht mehr hoch. Auch im Erdgeschoss könne man Vereine unterbringen. Die IG plädiert dafür, die Einnahmen aus den Vermietungen der Wohnungen im zweiten Stock zu erhöhen. »Sie liegen dort bei sechs Euro je Quadratmeter. Das ist weit unter der ortsüblichen Miete«, argumentiert Heidelbach. Insgesamt ließen sich damit weit höhere Einanhmen als die jetzigen 14 400 Euro pro Jahr erzielen.

 

Finanzierung ist der Knackpunkt

Die Finanzierung ist der Knackpunkt. Denn ein Kauf der Burg würde rund 590 000 Euro zuzüglich Grunderwerbssteuer und Notargebühren kosten, mithin etwa 650 000 Euro, sagt Bürgermeister Guido Rahn. Hinzu kämen notwendige Umbauarbeiten, um etwa im ersten Obergeschoss weitere Wohnflächen zu schaffen. Zudem stehe noch die Sanierung der Elektrik an. »Das Restrisiko bezüglich dieser Kosten verbleibt immer beim Eigentümer, und bei einem derart alten Objekt inklusive Denkmalschutzauflagen muss man es sich gut überlegen, ob die Stadt hier ins Risiko geht.«

Rahn verweist zudem auf die Beschluss- lage. Wichtig sei für die Stadt, dass der Spielplatz langfristig öffentlich nutzbar und somit die Grünfläche in der Ortsmitte erhalten bleibe. Dazu liegt ein Stadtverordnetenbeschluss vor, dieses Areal mit gut 3000 Quadratmetern zu kaufen. Diesen Beschluss vertrete er als Bürgermeister, solange es keinen anderen Parlamentsbschluss gebe. Bezüglich der Freifläche bedürfe es keines neuen Antrages, sagt er zu dem SPD-Vorstoß.

 

Kirche schreibt Verkauf aus

Zudem weist Rahn die Opposition darauf hin, dass sie einen Gegenvorschlag unterbreiten müsse, woher das Geld zum Kauf der Burg kommen soll. Die SPD müsse konkrete Nutzungsvorschläge und außerdem konkrete Deckungsvorschläge für Kauf und Sanierungskosten nennen. Zudem müsse man daran denken, dass die Stadt in den nächsten Jahren drei Kindergärten, zwei Feuerwehrgerätehäuser und eine neue Sporthalle bauen müsse. Hinzu kämen Wünsche nach Investitionen in günstigen Wohnraum. Dazu noch mehrere Ortsdurchfahrten und diverse Radwege. »Es müsste also auch entschieden werden, auf welche Investitionen die Stadt im Gegenzug verzichten soll.«

Das Stadtoberhaupt sagt, das Hauptproblem bei einem Kauf durch die Stadt wäre, dass die Stadt für alle Umbau-, Unterhaltungs- sowie Verwaltungsarbeiten auf eigenes Personal oder externe Firmen/Büros angewiesen sei.

 

Kirchenvorstand will sich am 27. Oktober damit befassen

Zudem sei man an die stringenten Ausschreibungs- und Vergaberegelungen gebunden. »Die Umbau-/Sanierungs- und Nebenkosten sind deutlich höher als bei privaten Eigentümern. Zudem hat die Stadt keinerlei steuerliche Abzugsmöglichkeiten, die etwa private Eigentümer oder Firmen hätten. »Diese Argumente gelten im Übrigen auch für die Kirche.«

Der Kirchenvorstand wird sich nach Angaben seiner stellvertretenden Vorsitzenden Ina Lauster-Ulrich am 27. Oktober mit dem Verkauf befassen. Die Interessengemeinschaft habe ein Konzept vorgelegt, zu dem sie mittlerweile den Entwurf einer Antwort erarbeitet habe. Details wollte sie gegenüber dieser Zeitung nicht nennen, bevor der Kirchenvorstand entschieden habe. Nur soviel sagt sie: »Es gibt in dem Konzept nichts, was auch wir nicht schon vorher überlegt haben.« Parallel zu den aktuell aufgeflammten Diskussionen bereitet die EKHN die Ausschreibung der Burg-Gräfenröder Oberburg im ImmoScout zum Verkauf vor.

Meinung

Zu wenig Gewicht

Die Gegner eines Burgverkaufs führen durchaus seriöse Argumente ins Feld. Alles, was vorgetragen wird, ist nicht falsch. Aber die Argumente dürften nicht genug Gewicht haben, um Kirche und Stadt zum Umdenken zu veranlassen. Auch dort hat man daran gedacht, mehr Räume als bisher zu vermieten, um die Einnahmesituation zu verbessern. Aber für die Stadt bleibt der von der SPD geforderte Kauf des in die Jahre gekommenen Objekts ein hohes Risiko. Das scheut die Stadt aus nachvollziehbaren Gründen. Das Schloss in Groß-Karben erwies sich nach Beginn der Teilsanierung als Fass ohne Boden. Letztlich musste das Objekt doch an Private verkauft werden. Die haben andere Abschreibungsmöglichkeiten als Stadt und Kirche und könnten so ein Paket schnüren, das sich für sie rechnet. Es wird darauf ankommen, Bedingungen in den Kaufvertrag zu schreiben, damit auch die Öffentlichkeit weiterhin etwas von »ihrer« Burg hat. Und diese Bedingungen müssten bei einem möglichen Weiterverkauf fortgeschrieben werden. Bei all dem sollten alle Beteiligten mal kurz innehalten: Die Oberburg soll ja nicht abgerissen, sondern saniert werden. Aber weder mit Kirchen- noch mit Steuergeldern. (pe)

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