29. Juli 2019, 20:23 Uhr

Dauerärgernis: »kompostierbare« Beutel

29. Juli 2019, 20:23 Uhr
Der Kreis klärt auf: Die kompostierbaren Plastikbeutel gehören in der Wetterau nicht in den Biomüll. (Foto: pv)

Viele Bürger ekeln sich im Sommer vor der Biotonne. Bei hohen Temperaturen krabbeln darin Maden rum, die entfernt werden müssen, und auch für die Nase ist das Müllentsorgen kein Vergnügen. Ein weiteres Dauerthema im Umgang mit Biomüll sind die angeblich kompostierbaren Plastikbeutel. Sie finden Verwendung in der Küche, um darin Bioabfälle zu sammeln. Sind die Beutel voll, wandern sie in die Tonne. Jetzt hat der Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau (AWB) gemeinsam mit Einzelhändlern eine Informationskampagne gestartet. Motto: »Im Wetteraukreis gilt: Kompostierbare Plastikbeutel gehören nicht in die Biotonne«.

Plastiktüten in der braunen Tonne sind für die Abfallwirtschaft höchst ärgerlich, denn sie müssen im Humus- und Erdenwerk bei Ilbenstadt mit hohem Aufwand aussortiert werden. Die Wetterauer Abfallwirtschaft beteiligt sich deshalb an der bundesweiten Aktion für sauberen Bioabfall. »Unser Ziel ist, den Anteil der Fremdstoffe in der braunen Tonne - und das sind überwiegend Kunststoffe - noch weiter zu reduzieren«, sagt Betriebsleiter Jürgen Roth. Dabei wird auf Aufklärung und Kontrolle gesetzt.

Die Werbung suggeriere die Kompostierbarkeit der Plastikbeutel, tatsächlich könnten sie im Humus- und Erdenwerk aber nicht verarbeitet werden. Grund: Sie verrotten nicht schnell genug. Während der Bioabfall binnen sechs Wochen zu Kompost verarbeitet wird, brauchen die angeblich kompostierbaren Plastikbeutel satte 10 bis 16 Wochen. Hinzukommt: Die Zersetzung der Beutel erfordert nach Angaben von Roth Temperaturen von 70 Grad, in der Vergärungsanlage herrschten aber nur 55 Grad.

»Der Bürger ist sich keiner Schuld bewusst. Er gibt seine Küchenabfälle in die Tüte, die er im Supermarkt als ›kompostierfähig‹ gekauft hat«, klagt Birgit Simon, die für die AWB-Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Mit Hinweisschildern an den Regalen vor den Komposttüten aus Kunststoff sollen die Bürger aufgeklärt werden.

Zudem prüft die mit der Einsammlung des Bioabfalls beauftragte Entsorgungsfirma Remondis den Inhalt der braunen Tonnen. Sind Fremdstoffe drin, bleibt die Tonne stehen. »Wenn sie wegen Fremdstoffen mehrfach nicht geleert werden konnte, ziehen die ersten Wetterauer Kommunen die Biotonne ein und ersetzen sie durch eine Restmülltonne, die um einiges teurer ist«, berichtet Simon.

Auf Kunststoffbeutel kann laut AWB gut verzichtet werden, denn es gibt genügend Alternativen. Die Recyclinghöfe bieten Papiertüten für Bioabfall an. Einige Kommunen stellen sie kostenlos bereit. Und für WZ-Leser hat Simon noch einen besonderen Tipp: »Die alte Zeitung tut’s auch, um feuchte Küchenabfälle einzuschlagen. Trockene Abfälle können lose in die Tonne geworfen werden.«

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