24. Dezember 2018, 14:00 Uhr

Bad Vilbel

Das lästige Brennen in der Magengegend

Saures Aufstoßen, Völlegefühl, Druck im Bauch, auch Schmerzen im Magen und Brennen in der Speiseröhre. Sodbrennen wird das genannt, was vielen nach dem Festessen droht. Die Bad Vilbeler Ernährungswissenschaftlerin Sylvia Becker-Pröbstel weiß, wie es dazu kommt und welche Gefahren lauern.
24. Dezember 2018, 14:00 Uhr
Wenn der Magen durch falsche Ernährung gereizt wird, leiden viele unter Sodbrennen. Die Bad Vilbeler Ernährungsexpertin Sylvia Becker-Pröbstel hat einige Ideen, wie man das lästige saure Aufstoßen verhindern kann. (Foto: Jörg Klemme/pixelio.de)

Nach der fetten Weihnachtsgans, den Klößen, zwei Gläsern Wein, dem süßen Nachtisch und dem Espresso mit einer kleinen Nascherei kommt die Reue. Plötzlich haben viele saures Aufstoßen, Völlegefühl im Magen oder gar Brennen in der Speiseröhre. Um die Verdauung anzustoßen, greifen sie zum Schnaps.

Es müssen nicht erst die Feiertage kommen, um bei einer Vielzahl von Leuten das im Volksmund als Sodbrennen bekannte Phänomen auszulösen. Die Bad Vilbeler Ernährungswissenschaftlicherin Sylvia Becker-Pröbstel berät das ganze Jahr über Menschen, die massive Probleme mit der Verdauung haben. Dafür hat sie nicht nur zu fettes und zu reichhaltiges Essen als Ursachen ausgemacht. »Häufig führt der regelmäßige Alkoholkonsum zu Problemen. Er entspannt den Muskel zwischen Speiseröhre und Magen, und deshalb fließen bei vollem Magen die scharfen Verdauungssäfte zurück in die Speiseröhre.«

 

Medikamente können schaden

 

Aber nicht nur falsche Ernährung führt zu dem, was die Ernährungsberaterin nicht als Krankheit, »wohl aber als Risiko« ansieht. Viele ihrer Patienten sind auch betroffen, weil sie über Jahre hinweg Medikamente einnehmen. Schmerzmittel stehen hier ganz weit oben auf der Skala, aber sogar selbst Mittel, die gegen Sodbrennen wirken. Das klingt zunächst paradox, aber aus ihrer Praxis kennt sie Fälle, in denen gerade das Medikament, das helfen soll, eher Schaden anrichtet. So hat sie zwei Patientinnen behandelt, die Pantoprazol oder Omeprazol als Dauertherapie bzw. über sechs Jahre hinweg eingenommen haben. »Wenn Patienten erstmal mit PPIs angefangen haben, führt das spontane Absetzen zu einer überschießenden Produktion an Säure«, sagt Becker-Pröbstel. Das Kürzel PPI steht für die sogenannten Protonenpumpenhemmer. Sie blockieren, kurz gesagt, die Magensäureproduktion. Werden sie langfristig eingenommen, können sie schwere Risiken zur Folge haben wie etwa Allergien, Osteoporose, Vitamin B12-Mangel.

 

Gefahr für Allergiker

 

Weitere Ursachen seien auch Stress, Allergien und das Heliobacter. Allergien? Ja, zu wissen, welche Patienten welche Allergien haben, sei wichtig. Becker-Pröbstel bildet ein Beispiel: »Nimmt ein Birkenpollenallergiker Pantoprazol und isst er einen Apfel, kann er einen anaphylaktischen Schock bekommen.« Deswegen hält sie die von den Ärzten praktizierte schnelle Verschreibung von Protonenhemmern für problematisch. »Es ist eher der Lebensstil der Menschen, der zu diesen Problemen führt«, sagt sie. Dazu gehören drei große Mahlzeiten, Wein und Bier am Abend, eine ungünstige Lebensmittelauswahl mit leicht resorbierbaren Kohlenhydraten und eine unzureichende Ballaststoffaufnahme.

So habe sie auch bei ihren Patienten festgestellt, dass es im Verdauungstrakt zu weiteren Problemen kommt, häufig zu Durchfällen. Und oft kommen Patienten zu ihr, die viel rauchen. »Nikotin schädigt die Schleimhäute in Magen und Speiseröhre.«

pe-BeckermitMagenbild_221218
Sylvia Becker-Pröbstel erklärt, wie es zu Sodbrennen kommt. (Foto: pe)

Aber wie kann sie helfen? Sylvia Becker-Pröbstel stellt für ihre Sodbrennen-Patienten einen Ernährungsplan zusammen. Der enthält nicht nur einen erhöhten Anteil an Gemüse und Sauermilchprodukten, sondern schränkt die Süßigkeiten ein. Schokolade und Kuchen am Nachmittag fallen darunter. »Das kann zwar gelegentlich gegessen werden, alternativ eignen sich besser z.B. Obst, Studentenfutter, Nüsse. Warum nicht mal einen fruchtigen Quark am Nachmittag«, regt sie an. Der sollte indes keine Magerstufe haben, sondern durchaus einen mittleren Fettgehalt. »Milchsäurebakterien helfen bei der Verdauung.«

Hilfreich seien auch Flohsamenschalen, die man etwa ins Müsli mischen könnte. »Die quillen im Magen auf und binden die Säure.« Mit einer Umstellung der Ernährung könnte man also auf die Einnahme von Protonenpumpenhemmern verzichten? Ja, meistens schon, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Eine Umstellung der Kost bewirkt oft eine nachhaltige Verbesserung. Aber, sagt die Bad Vilbelerin auch, »man muss durchhalten«.

Gegen Sodbrennen

Tipps für die Feiertage

Damit die Feiertage ohne lästiges Sodbrennen verlaufen, hat die Bad Vilbeler Ernährungsberaterin ein paar Tipps: 8zur Zubereitung der Speisen hochwertige Öle verwenden; 8den Zuckerkonsum reduzieren; 8mehr Gemüse und Vollkornprodukte essen; 8weniger Alkohol trinken; 8vor dem Essen und wenig zum Essen trinken; 8häufiger Naturjoghurt oder Quark essen; 8mit erhöhtem Oberkörper schlafen. (pe)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alkoholkonsum
  • Allergien
  • Allergiker
  • Desserts
  • Ernährungsberater
  • Ernährungsumstellungen
  • Espresso
  • Knochenschwund
  • Kohlenhydrate
  • Lebensweisen
  • Patienten
  • Schmerzen
  • Bad Vilbel
  • Holger Pegelow
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos