24. Juli 2019, 11:00 Uhr

Bad Vilbel

Das Rote Kreuz im Dauerstress

Eine echte Herausforderung steht dem DRK Bad Vilbel bevor. Auf fünf gleichzeitig stattfindenden Veranstaltungen müssen Sanitäter aus der Quellenstadt verteilt werden.
24. Juli 2019, 11:00 Uhr

Ihre Anwesenheit wirkt beruhigend, und ihr Eingreifen kann Leben retten. Doch dass die ehrenamtlichen Helfer und Sanitäter des Bad Vilbeler DRK-Ortsvereins nicht überall gleichzeitig sein können, wird sich am 1. August wie an kaum einem anderen Tag zeigen.

Silke Zuschlag, die Leiterin des Bad Vilbeler Bereitschaftsdienstes, hat keine großen Sympathien für Langeweile, doch vor dem Berg an organisatorischer Arbeit, der mit diesem Tag auf sie wartet, muss selbst sie kurz innehalten. Zwei Aufführungen in der Burg, das Open-Air-Kino, ein Spiel von Eintracht Frankfurt und die personalaufwändige Blutspende wollen mit fleißigen Helfern bestückt werden. Dabei muss sie auf ihren besten Mann verzichten, denn der Vilbeler DRK-Vorsitzende Karlheinz Weinert hilft an diesem Tag bereits als Sanitäter auf einem der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt.

Aus einem Pool von 39 Personen kann Zuschlag schöpfen, um die Mammutaufgabe vollbringen zu können.

Hilfe im Waldstadion

Gute Sanitäter werden vor allem bei Veranstaltungen gebraucht, die tausende Menschen anlocken. Der Wetterauer DRK-Kreisverband hilft seit jeher bei Fußballspielen von Eintracht Frankfurt in der Arena aus - und mit ihm Sanitäter aus Bad Vilbel: »Wir schicken zu jedem Heimspiel der Eintracht zwei Personen«, erklärt Silke Zuschlag.

Während sich die Vilbeler Eintrachtfans im Frühsommer freuen konnten, dass es die Eintracht noch in die Europa-League-Quali geschafft hat, bedeutet das für Silke Zuschlag weiteren Planungsaufwand. Denn just am 1. August spielt die Eintracht zu Hause gegen den FC Flora Tallinn.

»Von 18.15 bis 0 Uhr geht der Einsatz«, erklärt Zuschlag. Und die Hilfe im Stadion bedeutet für Zuschlag einen weiteren großen Einschnitt am 1. August: »Mit einem Privatfahrzeug kommt man dort nicht auf das Gelände.« So muss sie für ihre zwei Abgesandten gleich ein DRK-Fahrzeug einplanen.

Open Air in Bad und Burg

Ohne das DRK wären die Burgfestspiele nicht möglich. »Bei 600 Leuten im Publikum passiert häufig irgendwas«, erklärt Zuschlag. Zwei Helfer aus ihrem Bereitschaftsdienst müssen daher bei jeder Vorstellung anwesend sein. Am 1. August gibt es derer gleich zwei: Um 11 Uhr »Emil und die Detektive« und um 20.15 Uhr »Saturday Night Fever«. Vor allem die Vorstellungen am Vormittag seien nicht immer einfach zu besetzen: »Wir sind ja alle berufstätig.«

Ehrenamtliche Helfer, die Freiluft-Veranstaltungen mögen, finden noch eine Alternative: Das Open-Air-Kino im Bad Vilbeler Freibad. Da macht der herausfordernde 1. August keine Ausnahme. Während in der Burg die Musik der Bee Gees erklingt, schwingt im Freibad Spider-Man über die Leinwand. Von 20 bis etwa 0.35 Uhr müssen dort zwei DRK-Helfer anwesend sein.

Dem Film können sie dabei durchaus folgen: »Es gibt dort meist nicht viel zu tun, aber wenn, müssen wir da sein«, erklärt Zuschlag. Hinzu kommt: »Wir gehen erst, wenn alle das Gelände verlassen haben.«

Für Zuschlag bedeuten die zahlreichen Parallelveranstaltungen einen großen Planungsaufwand: »Wo gehen die Defibrillatoren hin, wo die Funkgeräte, wer bekommt ein Fahrzeug?« Trotz allem bleibt sie optimistisch und betont: »Ich werde das alles intern besetzen, wir werden keine Hilfe von außerhalb brauchen.«

Alle Mann zur Blutspende

Fußball, Theater, Kino - all das wäre organisatorisch kein Problem, gäbe es da nicht eine weitere Veranstaltung, die auf den 1. August fällt: Die monatliche Blutspende. »Dafür brauche ich 11 bis 14 Helfer«, erklärt Zuschlag. Die Arbeit beginnt schon am Vortag, wenn das Essen für die Verpflegung der Spender eingekauft werden muss. Um 12 Uhr wird am Tag der Blutspende das Auto vollgeladen, und der Aufbau im Dortelweiler Kulturforum kann beginnen. Um 14 Uhr kommen schließlich die Experten von Blutspendedienst aus Frankfurt, so dass pünktlich ab 15.45 Uhr das Blut fließen kann.

Zuschlags Team erledigt dabei mit zwei bis drei Personen die Anmeldung und kümmert sich mit vier bis fünf Personen um die Zubereitung auf Ausgabe der Verpflegung. Zudem sind immer zwei Personen dafür abgestellt, die Spender von Station zu Station zu begleiten. Da nicht jeder der ehrenamtlichen Helfer den ganzen Tag vor Ort sein kann, teilt Zuschlag verschiedene Schichten ein.

Pflaster für Heavy-Metal-Fans

Der Vorsitzende des DRK-Ortsvereins, Karlheinz Weinert, ist eigentlich eine tragende Säule im Bereitschaftsdienst. Doch traditionell in der ersten Augustwoche verschlägt es den erfahrenen Sanitäter zum Heavy-Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken.

Bereits zum vierten Mal wird er dort eine Woche lang den Festivalbesuchern zur Seite stehen. »Es gibt viele Patienten, einfach weil dort sehr viele Menschen sind, aber es ist bei weitem nicht so schlimm, wie man vermutet«, erklärt er, »die sehen zwar alle sehr gefährlich aus, aber die tun einem nichts.«

Drei Schichten von je zwölf Stunden wird er auch in diesem Jahr übernehmen. Rund 30 bis 40 Hilfeleistungen wird er in dieser Zeit vornehmen müssen. Die meisten Fälle seien ganz harmlos: Hier und da ein Pflaster kleben, Sonnenbrand behandeln oder Augen ausspülen. »In Wacken gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder es ist heiß, trocken und staubig oder es ist überall Schlamm«, fasst Weinert seine Erfahrung zusammen.

Im Gegensatz zu anderen Festivals seien bei den Rockern die Betrunkenen auch einfach nur betrunken: »Dort hat niemand irgendwelche Pillen eingeworfen. Und wenn man jemanden betrunken auf einer Wiese liegen sieht und anspricht, entschuldigt der sich und geht wieder weg - dort sind alle wie eine große Familie.«

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