15. Juli 2019, 18:53 Uhr

Damit aus Sportlern Freunde werden

15. Juli 2019, 18:53 Uhr
JKÖ
Katrin Kroiß

Als Aya eines Tages tanzen wollte, hatte Katrin Kroiß sofort eine Idee: So nahm sie die heute 17-Jährige an die Hand, brachte sie zur Tanzsportgruppe des Karbener Sportvereins (KSV). Sie staunte einige Monate später nicht schlecht, als Aya gemeinsam mit den Karbener Mädchen und Frauen ihren ersten Auftritt hatte. Flüchtlinge durch Sport zu integrieren, das ist das große Ziel von Katrin Kroiß. Die 51-Jährige ist seit März offizieller Sport-Coach der Stadt Karben und koordiniert in dieser Rolle Sportangebote für Flüchtlinge. »Die Integration über den Sport klappt super«, weiß sie aus eigener Erfahrung. Doch viele bräuchten erst einmal einen Ansprechpartner, einen Menschen, der sie an die Hand nimmt. »Und wenn sie dann einmal in der Gruppe angekommen sind und ein wenig Sicherheit gewonnen haben, dann nehmen sie auch allein weiter teil«, sagt Kroiß.

Für speziell zugeschnittene Sportangebote werden der Stadt dank Kroiß 9000 Euro zur Verfügung gestellt. Denn: Die Fördermittel sind direkt an das besetzte Amt des Sport-Coach gekoppelt. Neben dem fortlaufenden Engagement, Flüchtlinge in bestehende Angebote zu integrieren, konnte so jüngst ein erster aus dem Fördertopf finanzierter Radfahr-Kurs für Frauen angeboten werden (diese Zeitung berichtete).

Das Amt ist für Karben nicht neu, Kroiß soll es mit neuem Leben füllen. Ihr Hintergrund zeichnet sie dabei aus. Denn: Kroiß ist im KSV beheimatet, sie gibt Skigymnastik, nimmt selbst Sportangebote wahr, kennt das Programm der Karbener Vereine in- und auswendig - und ist zeitgleich seit Jahren in die Flüchtlingshilfe eingebunden. Sie gibt Deutschkurse und hat somit Kontakt zu vielen Flüchtlingen und ihren Familien. Damit verbindet sie wichtige Qualifikationen aus beiden Welten. Ein eintägiger Fortbildungskurs für Sport-Coaches aus ganz Hessen hat darüber hinaus Wissen vermittelt.

Für Kroiß war vieles bekannt. Denn: Integration ist für sie kein Fremdwort. Dementsprechend ist ihre Taktik, bei Bewährtem zu bleiben, weiter niedrigschwellig bestehende Kontakte zu nutzen. So habe sie für das Ehrenamt auch keine festen Büro- oder Arbeitszeiten, sondern stemmt Ideen »nebenbei«, wann immer es die Zeit erlaubt.

»Ich mache quasi das, was ich immer schon gemacht habe«, sagt sie mit heiterem Lachen - also Frauen wie Aya an die Hand nehmen und sie zu Vereinsangeboten mitnehmen. Am einfachsten funktioniere das bei den jungen Männern und dem Fußbal. Bei den Frauen sei das etwas schwieriger, auch weil oft kleine Kinder dabei seien. Auch das Überwinden dieser Schwierigkeiten gehört zum neuen Amt. Das Konzept Mannschaftssport sei einigen erst einmal fremd, sagt Kroiß. »Mir ist aber wichtig auch zu vermitteln, dass ein regelmäßiges Teilnehmen am Training oder das offizielle Absagen dazugehört, wenn man Teil eines Teams ist.« Ein weiteres Beispiel, das sie zumindest offen mit ihren Schützlingen besprochen hat: Wie geht man mit Sport im Ramadan um, dürfen Sportler nicht trotzdem trainieren - und dementsprechend Wasser trinken?

Neben diesem dauerhaften Engagement überlegt Kroiß, welche Projekte gezielt umgesetzt werden können. Nach dem ersten Radfahrkurs etwa schwebe ihr ein Schwimmkurs vor. Derzeit fragt sie ab, ob die Flüchtlingsfrauen dies etwa wahrnehmen würden, auch wenn es im Karbener Schwimmbad keine feste Frauen-Schwimmzeit mehr gibt. Denn am Bedarf vorbeiplanen will Kroiß nicht.

Das ihr zur Verfügung stehende Geld ist dabei an Ziele gekoppelt. »Oberstes Ziel ist die Integration«, erklärt Kroiß. Die Fördermittel sollen einmalige Anschaffungen und Angebote unterstützen - Sportmaterial etwa, ein Ausflug in den Klettergarten, ein eigens für Flüchtlinge etablierter Kurs. Entstehen solche Ideen, stimmt Kroiß sie mit der Stadt Karben ab, die das Geld verwaltet und dann nach Genehmigung zur Verfügung stellt.

Aber: Spielerpässe oder Mitgliedsbeiträge - diese erlässt der KSV aktuell aus eigener Kraft für Flüchtlinge - werden nicht finanziert, kritisiert Kroiß. Dabei wäre genau das wichtig: »Flüchtlinge in bestehende Gruppen und Angebote zu bringen, denn nur so kann Integration wirklich funktionieren. Ein eigens eingerichteter Kurs sorgt doch wieder nur dafür, dass sie unter sich bleiben.« Hier will Kroiß ausloten, was mit den Fördermitteln denkbar ist - und sich darüber hinaus weiter persönlich dafür einbringen, dass aus Fremden Teamkollegen und aus Teamkollegen Freunde werden. (Foto: jkö)

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