30. September 2019, 08:00 Uhr

Feuerwehr sucht Nachwuchs

Christian Becker ist Feuer und Flamme fürs Ehrenamt

Immer häufiger muss die Karbener Feuerwehr ausrücken. Die Einsatzkräfte machen das freiwillig und ehrenamtlich. Es gibt einiges zu tun, denn längst ist Karben kein beschauliches Dorf mehr.
30. September 2019, 08:00 Uhr
Christian Becker brennt für sein Ehrenamt, doch weitere Unterstützung könnte sein Team gut gebrauchen. (Foto: Rinkart)

Dieser September wird Christian Becker in Erinnerung bleiben. Mehr als 20 Einsätze zählt sein dicker Ordner mit den Einsatzberichten aus diesem Monat. Häufig mussten er und seine Einsatzkräfte zu ausgelösten Feuermeldern im Gewerbegebiet oder in Privatwohnungen eilen, doch der September hatte noch mehr zu bieten. Am auffälligsten war ohne Frage der Strohballenbrand in der Nacht zum 14. September. 350 strohtrockene Ballen brannten lichterloh am Rande der Nordumgehung. Die Feuerwehr ließ sie kontrolliert abbrennen und schon am nächsten Morgen waren die Flammen aus. Doch auch ohne das feurige Element hatte die Karbener Einsatzabteilung einiges zu tun.

Einen gehörigen Schrecken erfüllte den Stadtbrandinspektor als er zu einem Autounfall nach Rendel gerufen wurden. Ein Auto war in ein Carport gekracht und hinterließ ein spektakuläres Bild. Nicht weniger aufregend war der Fund einer Schlage auf einem Bauernhof in Burg-Gräfenrode. »Die Ringelnatter war zum Glück ungiftig, aber beißen kann sie trotzdem«, erinnert sich Becker. Beide Einsätze hatten eine Gemeinsamkeit, die sich neuerdings immer häufiger ereigne: »Noch während ich an dem einen Einsatzort stehe, piepst schon wieder der nächste Alarm.« Ein Rauchmelder im Altenheim und angebranntes Essen in Rendel machten an diesen zwei Tagen deutlich, dass die Feuerwehr immer ein paar Einsatzkräfte in Reserve haben muss.

Und dass die Feuerwehr stets auf neue Situationen gefasst sein sollte, zeigte sich ebenfalls im September. In einer Gaststätte war beispielsweise Kohlensäure ausgetreten. »Da mussten wir darauf achten, dass beim Belüften in der Nähe alle Kellerfenster geschlossen sind«, erklärt Becker. Denn da das Gas schwerer als Luft ist, bestand die Gefahr, dass es vom einen direkt in den nächsten Keller ziehen könnte.

Keine Männerdomäne

Becker und seine Männer ziehen immer los wenn der Alarm dröhnt, egal ob es lichterloh brennt oder sich bloß ein Vogel in einem Kamin verirrt hat. Nur eine Tatsache gerät ihm dabei zu oft in Vergessenheit: »Die Menschen müssen sich bewusstmachen, das wir das alles ehrenamtlich und freiwillig machen.« Egal was passiert, Becker ist darauf angewiesen, dass genügend seiner Freiwilligen Feuerwehrleute gerade abkömmlich sind.

Sorgen muss sich keiner machen, die Feuerwehr kommt garantiert, immer! Dennoch ruft Becker zu mehr Beteiligung auf, denn hinter jedem gelöschten Feuer steht in Karben ausschließlich freiwilliges Engagement: »Das was wir hier machen, kann jeder erlernen«, betont Becker daher. Ein weiterer Fakt ist ihm dabei besonders wichtig: »Die freiwillige Feuerwehr ist keine Männerdomäne!«

Noch immer würden viele Karben als ruhiges Dorf betrachten. Aus Sicht der Feuerwehr hat sich Karben inzwischen jedoch zu einer ereignisreichen Stadt entwickelt - nebst respektablen Einsatzzahlen. »Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da hatte die Okärber Feuerwehr vielleicht 15 Einsätze im Jahr. In diesem Jahr steht sie schon bei 45«, blickt Becker zurück.

Minijobber eingestellt

Wie in den meisten Vereinen bekomme auch die freiwillige Feuerwehr eine in der Gesellschaft immer geringer werdende Begeisterung für das Ehrenamt zu spüren. Im Gegenzug steige für die Freiwilligen der Arbeitsaufwand, wenn es um Verwaltungs- und Instandhaltungsaufgaben geht.

»Wir werden zwei Minijobber für die Feuerwehr einstellen«, verkündet Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Diese sollen die ehrenamtlichen Kräfte vor allem in der Kleiderkammer entlasten. Zudem wurde der Stadtbrandinspektor für acht Stunden in seinem eigentlichen Job bei der Stadt freigestellt, um sich ganz seiner Feuerwehrarbeit widmen zu können. »Wir helfen wo wir können«, verspricht Rahn. Pro Jahr finanziere die Stadt zudem sechs LKW-Führerscheine und unterstützt ihre Einsatzkräfte bei der Unfallversicherung und Lehrgängen.

Auch der vorangetriebenen Stadtentwicklung will Rahn Rechnung tragen. So werde in naher Zukunft ein neuer Bedarfsentwicklungsplan aufgestellt, der auch den nötigen Material- und Fahrzeugebedarf unter die Lupe nimmt. Doch das Wesentliche - das Personal, das jederzeit ausrückt, um Brände zu löschen und Leben zu retten - wird sich auch mit einem Bedarfsplan nicht regeln lassen. Stadtbrandinspektor Becker hofft daher schon bald neue ehrenamtliche Mitstreiter bei der Freiwilligen Feuerwehr begrüßen zu dürfen.

Kaum Brände durch Trockenheit

Auch wenn der Sommer 2019 nicht so trocken war wie der im Vorjahr: Das Thema Dürre und Waldbrandgefahr bleibt den Feuerwehren in Karben und Bad Vilbel erhalten. Neben einigen brennenden Strohballen in Okarben und Rendel gab es in diesem Sommer nur einen größeren Feldbrand in Karben: »Zum Glück wurde der schnell entdeckt«, erinnert sich Karbens Stadtbrandinspektor Christian Becker. Dennoch bereitet sich die Karbener Feuerwehr auf immer trockener werdene Sommer vor und eignet sich das entsprechende Know-How an. Becker selbst hat jüngst einen Luftbeobachtungs-Lehrgang absolviert. Das dort erlernte Wissen hilft ihm im Falle einen Waldbrandes die Lage aus der Luft besser beurteilen zu können. Zudem hat Wehrführer Marco Kittner-Meier ein Waldbrandbekämpfungsseminar belegt. Ende September dürfte diese Gefahr jedoch erstmal gebannt sein: »Viel mehr Sorge macht mir die Frage: Was jetzt noch kommt? Wie heftig werden die Unwetter im Herbst? Bisher wurden wir da meist verschont«

Der Bad Vilbeler Stadtbrandinspektor Karlheinz Moll blickt auf einen ruhigen Sommer zurück. Einige kleinere sogenannte Entstehungsbrände habe es gegeben, aber auch die konnten schnell gelöscht werden. Während im vergangenen Jahr nahezu keine offenen Feuer erlaubt werden konnten, und sogar das Feuerwerk des Vilbeler Markts aufgrund der Trockenheit abgesagt werden musst, konnte die Bad Vilbeler Feuerwehr in diesem Sommer das ein oder andere Nutzfeuer zulassen. Doch auch in Bad Vilbel werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen: »Damit immer genügend Löschwasser sichergestellt ist, gehen wir Kooperationen mit den Nachbarkommunen ein«, erklärt Moll. Seit Jahren mache er sich Gedanken zum Thema Trockeheit und Waldbrandgefahr, nun aber werden diese Gedanken forciert.

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