12. Dezember 2018, 11:00 Uhr

Busverkehr

Bus von Bad Vilbel nach Frankfurt: Dicke Luft wegen dicker Luft

Die Bad Vilbeler Kommunalpolitiker kämpfen dafür, dass die direkte Verbindung zur Frankfurter Innenstadt erhalten bleibt. Sie soll abgeschafft werden, weil dort Dieselbusse fahren.
12. Dezember 2018, 11:00 Uhr
Buslinie Linienbus 30 in Höhe Haltestelle Nibelungenplatz/FH auf Friedberger Landstraße mit Fahrtziel Bad Vilbel, Traffiq, Betreiber In-der-City-Bus ICB

Ab Dezember 2019 soll der 30er-Bus nur noch bis zur Friedberger Warte fahren. Dort wäre dann ein Umstieg in die Straßenbahn 18 nötig. Was für die Frankfurter ein Puzzlestück für bessere Luftqualität und gegen das drohende Diesel-Fahrverbot ist, sorgt in Bad Vilbel für dicke Luft. CDU, Grüne und FDP stemmen sich gegen das Vorhaben. Christdemokraten und Liberale haben ihre Kritik spontan in einen Eilantrag für die nächste Parlamentssitzung gegossen. Die Volksvertreter sollen sich dann per Resolution für den Erhalt der durchgehenden Busverbindung via Konstablerwache bis Sachsenhausen einsetzen.

Die Fraktionschefs Irene Utter (CDU) und Jörg-Uwe Hahn (FDP) warnen davor, dass die Verbindung dann unattraktiver werde. »Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass stattdessen auf die S-Bahn-Linie S6 umsteigen werde«, erklären die beiden. »Viele werden stattdessen das Auto nutzen.«

 

Parkplätze werden teurer

Damit rechnet Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) nicht, weil Autofahren in die Mainmetropole in Zukunft wegen steigender Parkgebühren unattraktiver werde. Dennoch: »Das ist ein unausgegorener Plan, durch den noch mehr Autos unterwegs sein werden«, äußern die Koalitionäre in Bad Vilbel. Vor allem die schon hochbelastete B 521 und die Friedberger Landstraße würden damit noch voller, warnt Irene Utter. Ihr missfällt, dass die Frankfurter ihr Vorhaben nicht abgesprochen hätten.

»Es gehört sich nicht«, sagt die CDU-Fraktionschefin, »eine für Bad Vilbel so gravierende Fahrplanänderung in einem Nebensatz einer Pressemeldung mitzuteilen.«

 

Problem: Umstieg aufs Auto

In die Kritik stimmt auch die Bad Vilbeler Opposition ein: »Die Linie 30 befördert jeden Tag eine große Anzahl von Vilbelern direkt ins Herz von Frankfurt«, erklärt Grünen-Fraktionschefin Kathrin Anders.

Sie befürchtet, dass Fahrgäste aufs Auto umsteigen. »Damit ist der Luftbelastung und dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen«, findet Kathrin Anders und schimpft: »Auf Diesel-Fahrverbote mit einem schlechteren Nahverkehrsangebot zu reagieren ist kurzsichtig und unverantwortlich.«

 

O-Busse als Alternative

Als Alternative zum Kappen der Buslinie fordert Andreas Christopher vom Fahrgastverband Pro Bahn und Bus, die Straßenbahnlinie 18 endlich nach Bad Vilbel zu verlängern. Für die Übergangszeit, bis die Straßenbahnlinie gebaut ist, sollte man stattdessen versuchen, die Buslinie möglichst schadstoffarm zu betreiben. »Es wäre eine Überlegung wert, die Linie 30 mit einer Oberleitung zu betreiben, als Obus«, sagt Christopher. Ist das nicht Spinnerei? »Ganz und gar nicht, die Technik ist ausgereift«, erklärt der Fahrgastvertreter. Er räumt aber ein: Die Gesamtstrecke bis Bad Vilbel sei dafür wohl zu lang – und der Schöllberg zu steil, als dass Busse ihn im Batteriebetrieb bewältigen könnten.

Auch Verkehrsdezernent Oesterling tut den Vorschlag nicht grundsätzlich ab. »Ich bin im Prinzip ein Freund des Obus’.« Gegen dessen Einführung spreche aber, dass für den Bau der Oberleitungsmasten eine aufwendige Genehmigung nötig sei, ein Planfeststellungverfahren. Dieses ist auch für den Bau einer Tram-Trasse notwendig.

 

Straßenbahn verlängern

Oesterling scheint er durchaus Werbung für die Straßenbahnverlängerung zu machen. Die hatte Bad Vilbel – allen voran dort die CDU – stets abgelehnt, bis Wysocki zuletzt eine Kehrtwende machte und doch die Verlängerung forderte. Auf jeden Fall könne eine Tram-Strecke nach Bad Vilbel technisch realisiert werden, betont Klaus Oesterling – trotz der Steigung des Schöllbergs in der Frankfurter Straße. »Das ist kein Hindernis für eine Straßenbahn.«

Die Resolution wird während der Stadtparlamentssitzung am Dienstag, 18. Dezember, ab 18 Uhr im Kultur- und Sportforum, Dortelweiler Platz, beraten.

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