20. August 2018, 19:43 Uhr

Bunte Grüße aus der ganzen Welt

20. August 2018, 19:43 Uhr

Sie sind seltene Exemplare: Briefmarken und genauso gibt es immer weniger Briefmarkensammler. Das Interesse an einer Tauschbörse ist aber groß. Aus ganz Deutschland reisten jetzt Sammler an, um sich auszutauschen und Gleichgesinnte zu suchen. Alles drehte sich im Kulturforum in Dortelweil um die kleinen Bildchen, ohne die noch vor wenigen Jahrzehnten kaum eine schriftliche Kommunikation möglich gewesen wäre.

Der Briefmarkensammler-Verein Bad Vilbel hatte als Ausrichter zu seinem traditionellen Großtauschtag geladen, der zweimal im Jahr stattfindet. Sammler und Freunde der Philatelie aus ganz Deutschland nehmen dafür lange Anfahrtswege auf sich. Einige von ihnen waren bis aus Oberbayern oder aus dem Allgäu angereist. Andere aus der Region sind regelmäßig dabei. Getauscht, wie der Name der Veranstaltung vermuten lässt, wurde allerdings fast gar nicht. Den Briefmarken-Enthusiasten ging es vor allem um den Kontakt zu Gleichgesinnten und – mehr oder weniger – natürlich auch ums Verkaufen.

»Eigentlich müsste unsere Veranstaltung ja eher Verkaufsbörse heißen«, räumte der 1. Vorsitzende des Bad Vilbeler Sammlervereins, Werner Scholten, ein. »Für Briefmarken gibt es heute aber kaum noch etwas. Wenn man sie veräußern möchte, muss man sie fast schon verschenken. In den Zeiten von E-Mail und WhatsApp, wo nahezu alles nur noch per Knopfdruck passiert, gibt es kaum noch Interesse an diesem Hobby.«

Das zeige auch die Situation des Vereins selbst, sagte Scholten weiter. 20 Mitglieder seien jetzt noch übrig geblieben. Doch es gebe keinen Nachwuchs, und schon jetzt sei die Organisation der Veranstaltung beinahe zu einem Familienunternehmen geworden. »Meine Tochter kommt immer extra aus Moers angereist, um meine Frau und mich zu unterstützen. Durch sie bin ich 1991 überhaupt erst zum Briefmarkensammeln gekommen.«

Das Bild, das sich dem Besucher im Saal bot, zeigte aber dennoch eine gelungene Veranstaltung. Bis zu 100 Leute auf beiden Seiten der mit Ordnern, Alben und Kästen vollgepackten Tische sprachen für den Erfolg der Liebhaberbörse. Gehandelt wurden Konvolute und Einzelstücke auf Basis der im Briefmarkenkatalog »Michel« vorgegebenen Preise. Dieser Katalog wurde Interessenten aus der Vereinsbibliothek zur Verfügung gestellt. Besonders alte und exotische Objekte, wie zum Beispiel eine Sammlung aus den ehemaligen deutschen Kolonien wechselten sich mit Großauflagen aus dem Nachkriegsdeutschland ab. Viele Briefmarken-Fans fanden ihr »Eldorado«, und Außenstehende bekamen einen interessanten Einblick in eine Wissenschaft für sich.

Wolfgang und Daniel Wagner waren 374 Kilometer mit dem Auto gefahren, um an der Börse teilzunehmen. Beide stammen aus der Gegend um Memmingen im Allgäu. »Das Geld, das man in eine Sammlung hineinsteckt, bekommt man nie wieder zurück«, erklärte Wolfgang Wagner. »Zusätzlich zum Listenpreis gehen noch einmal bis zu 10 Prozent beim Handeln ab. Wir machen das vor allem, um Menschen mit dem gleichen Hobby zu treffen.«

Dasselbe konnte auch Hannelore Brosch erzählen. »Mein Ehemann Günther sammelt Briefmarken seit seinem sechsten Lebensjahr«, sagte sie. »Mittlerweile ist er 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Philatelie Obertshausen und erstellt sogar Expertisen zu einzelnen Stücken. Schade, dass es keine jungen Leute gibt, die sich dafür begeistern können. Briefmarkensammeln kann ein ganzes Leben ausfüllen.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bunte
  • Fremdenverkehr
  • Internet-Tauschbörsen
  • Kunst- und Kulturforen
  • Philatelie
  • Wolfgang Wagner
  • Bad Vilbel
  • Jürgen Schenk
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen