13. Oktober 2018, 06:00 Uhr

L 3008-Sperrung

Brücke über die Nidda wird saniert

Stille. So etwas kennen die Menschen, die an der Büdinger Straße (L 3008) in Bad Vilbel wohnen nicht. Doch derzeit brummt nicht der Verkehr auf der Ost-West-Verbindung zwischen dem Niddertal und der B3. Grund ist eine Vollsperrung wegen der Sanierung der Nidda-Brücke.
13. Oktober 2018, 06:00 Uhr
Karl-Heinz Kuss und Mates Virag von der Firma Mageba aus Göttingen tauschen die Gummidichtung an der Dehnungsfuge der Brücke unter der Fahrbahn aus. (Fotos: Pfeiffer-Goldmann)

Nur ganz vereinzelt rollt ein Auto oder Laster durch. Und meist kurz danach auch wieder zurück. Denn in Höhe des Festplatzes ist die Straße gesperrt, ebenso am Abzweig zum Dottenfelderhof. Dazwischen, auf der Brücke über die Nidda, haben Karl-Heinz Kuss und Mates Virag von der Göttinger Spezialfirma Mageba ihren Arbeitsplatz. Der Tscheche drückt mit aller Kraft per Stemmeisen durch den engen Spalt zwischen den beiden Metallkanten. Diese bilden den Übergang zwischen der Brücke und dem Anschluss der Fahrbahn am westlichen Flussufer.

Unter der Fahrbahn muss Martes Virag die alte Gummiabdichtung erwischen und heraufholen. »Die ist doch sehr kaputt«, sagt Kuss und zeigt auf die teils sehr stark zerfressenen Gummiteile, die die beiden schon emporgeholt haben. Wann die alte Gummidichtung hier hereingekommen ist? »Das weiß ich nicht«, zuckt der Arbeiter mit den Schultern, »aber das dürfte schon einige Jahrzehnte her sein.«

Große Dehnungsfuge

Genau deshalb sind die Instandhaltungsarbeiten auch so wichtig: Die Dehnungsfuge ist lebenswichtig für die Brücke, da sich das Bauwerk im Sommer bei Hitze ausdehnt. Demzufolge wird dann das Gummi zusammengedrückt. Im Winter muss es auseinandergehen und den Spalt verschließen. Denn Wasser – besonders mit Streusalz vermischtes – sollte nicht hindurch bis zum Beton der Brücke gelangen. Denn das Wasser kann das Bauwerk sonst schwerwiegend schädigen.

Poröses Gummi wird ausgetauscht

So porös wie das alte Gummi ist wird klar, dass die Arbeiten eiligst geboten waren. Extra auf die Ferien und halbwegs aufs Wochenende hatte die Straßenbehörde Hessen Mobil sie gelegt, damit möglichst wenige der zehntausenden Pendler, die hier täglich fahren, betroffen sind. Wer von Bad Vilbel nach Niederdorfelden oder nur nach Gronau will, muss noch durch Bad Vilbel und über die B521 fahren.

Vor den Sperrungen wenden am Freitagmorgen immer wieder Fahrzeuge, obwohl reichlich Verkehrszeichen auf die Sackgasse hinweisen. Auf der Umleitungsstrecke durch die Stadt und auf der Umgehung Bergen-Enkheim sei »ein erhöhtes Verkehrsaufkommen« zu bemerken, habe die Stadtpolizei beobachtet, erklärt Stadtsprecher Yannick Schwander. Probleme gab es bis Freitagnachmittag aber zunächst keine. »Viele Leute haben sich offenbar gut darauf eingestellt.« Manch einer werde wohl zu anderen Zeiten gefahren sein, sich frei genommen haben oder einmal von zu Hause aus arbeiten.

Einige Autofahrer waren sogar vorauseilend brav: Schon am Donnerstag im Feierabendverkehr sei spürbar mehr als sonst auf der Kasseler und Frankfurter Straße los gewesen, sagt Schwander. »Da sind wohl viele die Umleitung gefahren, obwohl die Vollsperrung ja erst um 20 Uhr eingerichtet wurde.«

Bäume und Büsche werden geschnitten

Zwei Tage benötigen die Fachleute an der Brücke für ihre Arbeit. Kuss ist erleichtet über die Vollsperrung: »Das ist viel sicherer für uns, denn die Fahrbahn ist hier ja schon recht eng, und wir können schneller arbeiten.« Immerhin nutzt Hessen Mobil diese Vollsperrung, um eine weitere Vollsperrung zu vermeiden, und erledigt auch gleich einen massiven Grünschnitt an den Böschungen.

Mit Spezialgerät werden Bäume und Büsche zurückgeschnitten, teils auch gefällt. Das sei notwendig, damit andere Bäume besser wachsen können, erklärt Daniela Czirjak von der Straßenbehörde.

Im Lauf des Samstags werden Kuss und Virag mit ihrer Arbeit wohl fertig. Anschließend werde eine andere für die Beschilderung zuständige Firma die Vollsperrung wieder abbauen. »Heute Abend ist die Durchfahrt wieder frei«, schätzt Karl-Heinz Kuss. »Sofern nichts Unerwartetes dazwischenkommt.«

Meinung

Mehr Wege!

Diese Baustelle wirkt wie eine Operation am offenen Herzen. Allzu aufwendig sind die Bauarbeiten auf der L3008 zwar nicht. Doch weil die Nidda-Brücke auf der Pendlermagistrale ein Nadelöhr ist, haben alle Verantwortlichen die Luft angehalten, ob die Umleitung denn funktioniert. Voll ist es, ja, aber weil viele Autofahrer lieber erst gar nicht gefahren sein dürften, ist die Lage ruhig. Dass die Sperrung nur einer einzigen Ost-West-Achse im Nordosten von Frankfurt solche Sorge bereitet, zeigt erneut auf: Diese Region hinkt bei der Infrastruktur den Notwendigkeiten hinterher. Mehr Verkehrswege müssen dringend her. In Zeiten des Klimawandels nicht unbedingt Straßen. Dann aber wenigstens mehr Schienen! (dpg)

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