10. März 2017, 20:33 Uhr

Beschweren lohnt sich

Protest hilft: Das haben Eltern in Bad Vilbel gemerkt. Sie hatten bis vor Kurzem ein echtes Problem: Geht ein Elternteil nicht mehr arbeiten, durfte das Kind nicht mehr bis nachmittags in die Kita. Frust für die ganze Familie. Aber es hat sich etwas getan.
10. März 2017, 20:33 Uhr
Aus dem Schlaf gerissen: Weil Mama mit dem Baby eigentlich zu Hause ist, musste das Geschwisterkind zur besten Mittagsschlafszeit aus dem Kindergarten abgeholt werden. Dagegen sind etliche Eltern auf die Barrikaden gegangen. (Symbolbild: dpa)

Wenn das Geschwisterkind kommt, ist der Kita-Platz in Gefahr. Gleiches gilt, wenn Mama oder Papa den Arbeitsplatz verlieren oder langfristig krank werden: Sprich: Wenn ein Elternteil nicht mehr arbeitet, kann das Kind nur noch bis mittags in den Kindergarten gehen – und das ohne Mittagessen. So war es bis Februar in Bad Vilbel, eine unhaltbare Situation, wie etliche Eltern und die Arbeitsgemeinschaft der Elternbeiräte fanden. Viele gingen auf die Barrikaden, und siehe da: Protest zahlt sich aus. Die Stadt hat eingelenkt. Aber der Reihe nach.

Zugrunde liegt die so genannte 150-Prozent-Regel. Nur wenn beide Elternteile zusammen eine Arbeitsleistung von mindestens 150 Prozent vorweisen konnten, also beispielsweise einer 100 Prozent, der andere 50 Prozent arbeitet, durfte das Kind in den städtischen Kindergärten bis 15, 16 oder 17 Uhr betreut werden. Vorzulegen waren die entsprechenden Arbeitsverträge.

Problem Nummer 1: Elternzeit: Die Mutter bekommt ein weiteres Kind, ist nach dem Mutterschutz also in Elternzeit. Nun ging der Anspruch auf einen längeren Kita-Platz verloren. Das ältere Kind durfte nur noch von 8 bis 12 Uhr im Kindergarten bleiben. Mittagessen ausgeschlossen.

»Das ist eine logistische Herausforderung für alle«, sagt Mirjam Fuhrmann von der Arbeitsgemeinschaft der Elternbeiräte in Bad Vilbel (ARGEL). Außerdem habe sie es mehrfach erlebt, dass die größeren Kinder »todunglücklich« gewesen seien. Sie hätten nicht verstanden, warum sie nicht bei ihren Freunden bleiben dürfen. Für die Mütter und die Babys war es auch nicht leicht. Mitten in der Mittagsschlafszeit des Babys mussten die Mütter zum Abholen los.

Problem Nummer 2: Wenn ein Elternteil arbeitslos wurde, war es das gleiche. Statt sich bis nachmittags um Bewerbungen, Termine zu kümmern, mussten die Kinder um 12 Uhr abgeholt sein.

»Wer da an seine Grenzen kam, hatte nur noch die Möglichkeit, zum Arzt zu gehen«, sagt Fuhrmann. Ein Attest, dass es »unzumutbar und nicht zu schaffen sei«, konnte den Verlust der Stunden wieder aufheben.

Es gab große Diskussionen, zahlreiche Beschwerden bei der Stadt und viel Unmut. Jetzt hat sich etwas getan. Ab sofort gilt die neue Kita-Satzung für die Einrichtungen. Jetzt dürfen Kinder ohne einen Nachweis der Eltern die Kindergärten von 8 bis 14 Uhr besuchen und bekommen noch ein Mittagessen. »Eine enorme Entlastung. Wir haben viel gekämpft. Wir sind alle sehr froh, es hat sich gelohnt«, sagt Fuhrmann.

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