01. Juli 2019, 20:32 Uhr

Beistand im letzten Lebensabschnitt

Seit über zehn Jahren gibt es in Karben die ambulante Hospizhilfe. Die Ehrenamtlichen kümmern sich um schwer kranke oder sterbende Menschen, von denen viele allein sind und denen es an menschlicher Zuwendung fehlt. Nähe geben, Trost spenden und Ängsten begegnen wollen die derzeit fünfzehn Aktiven, die während einer Info-Veranstaltung im Haus der ASB Wohnen und Pflege in Groß-Karben über ihre Arbeit berichteten.
01. Juli 2019, 20:32 Uhr
Ursula Jacobsen von der ambulanten Hospizhilfe Karben ist im Gespräch mit Petra Noa (r.), die sich vorstellen kann im Team der Ehrenamtlichen, die sich um Sterbende kümmern, mitzuarbeiten. (Foto: Halaczinsky)

Uns zur Seite steht die Palliativmedizinerin Dr. Ellen Wedekind, die bei parallel auftauchenden medizinischen Fragen eine kompetente Ansprechpartnerin ist«, sagt Ursula Jacobsen, von der Karbener ambulanten Hospizhilfe. Jacobsen koodiniert die Einsätze der Helferinnen und Helfer. »Wir übernehmen den psychologischen Part, auf den unsere Ehrenamtlichen durch Seminare und Praktika sorgfältig vorbereitet werden.« Schweigepflicht ist da selbstverständlich.

Im internen Kreis werden - ohne Namen zu nennen - Erfahrungen ausgetauscht. So lernt man voneinander und weiß mit schwierigen Situationen besser umzugehen.

»Ich traf auf eine ältere Dame, die den Weg zu ihrem Geldinstitut nicht mehr schaffte, und kein Bargeld mehr im Haus hatte«, berichtete eine Helferin. Mit der Geldkarte in der Hand sollte sie am Automaten einen höheren Betrag abheben. »Das war schon ein ziemlich mulmiges Gefühl«, meinte sie. Wer kennt nicht die Betrugsversuche an hilflosen Senioren. Der schmale Grat zwischen verhängnisvoller Vertrauensseligkeit und echtem Vertrauen wurde bei dieser Schilderung deutlich

Eine andere berichtete von einer Seniorin, die nach einem Krankenhausaufenthalt in eine Reha wechseln musste. Da musste jemand zur Stelle sein, um Wäsche, Kleidung und Körperpflegemittel aus der Wohnung zu holen. »Wenn man den privaten Bereich einer Person betritt, spürt man manchmal erst, wie einsam sie ist. Das kann bestürzend sein.« Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft und Zuhörenkönnen nennt Jacobsen als eine der wichtigen Eigenschaften, die man in der Hospizarbeit mitbringen muss.

Sie weiß, dass die Hinwendung zu Menschen, die ihr Lebensende ahnen, auch eine Belastung bedeutet. »Wenn jemand stirbt, zu dem man ein sehr persönliches Verhältnis aufgebaut hat, braucht man nicht selten eine Pause, bis es wieder weitergeht«, sagt sie. Belastbarkeit und eine stabile eigene Psyche sind also das Rüstzeug, über das eine Helferin oder ein Helfer verfügen sollte.

Das Angebot der ambulanten Hospizhilfe Karben richtet sich aber nicht nur an Schwerkranke oder Sterbende, sondern auch an deren Freunde oder Verwandte, wenn die mit der Situation nicht zurecht kommen können. »Da gibt es oft eine Scheu oder auch Hilflosigkeit, einen Besuch abzustatten«, weiß Jacobsen. Die Hospizhelfer bieten sich als Begleiter an, wenn jemand nicht allein gehen möchte. »Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, denn nicht selten fühlen sich Sterbende mutterseelenallein - und bei der Beerdigung ist dann der Friedhof voller Leute.«

Die Helfer kommen aus unterschiedlichen Berufen und sind verschiedenen Alters. Petra Noa, die den Info-Abend im Pflegeheim besuchte, konnte sich vorstellen, demnächst zum Team zu gehören. Die kaufmännische Angestellte ist Mutter von drei erwachsenen Kindern und sieht bei sich genügend zeitlichen Spielraum, sich dieser wichtigen Aufgabe zu widmen. »Der Bedarf ist sicherlich da, denn nicht selten sind Angehörige überfordert«, meinte sie.

Die bereits tätigen Hospizhelfer nahmen die Aussicht, demnächst Verstärkung zu bekommen, höchst erfreut zur Kenntnis. »Durch persönliche Veränderungen im privaten oder beruflichen Bereich veränderte sich die Zahl unserer Aktiven, weshalb die Gewinnung neuer Mitwirkender dringend erforderlich ist«, war zu hören. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda in beide Richtungen ist der Bekanntheitsgrad der Ambulan- ten Hospizhilfe Karben stetig gewachsen. »Wir helfen, wo andere Berührungsängste zeigen, und akzeptieren, was viele gerne verdrängen: Das Sterben« heißt es im Flyer der Gruppe.

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