31. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Nachhaltige Stadtentwicklung

Bei der Planung das Klima beachten

Die Ausrufung des Klimanotstands für Karben wollte die CDU-Mehrheitsfraktion vor einigen Monaten nicht mitmachen. Doch die Grünen kämpfen weiter für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Deshalb brachten sie ohne das Wort Klimanotstand neue Forderungen ein.
31. Oktober 2019, 14:00 Uhr
Solche Art von Häusern könnten sich die Grünen in künftigen Karbener Neubaugebieten vorstellen. In Bebauungsplänen sollen CO2-neutrale Energiekonzepte festgeschrieben werden. (Archivfoto: dpa)

I n Karben wird für den Klimaschutz bereits einiges getan. Auf den Dächern städtischer Gebäude gibt es Solarzellen, eine Biogasanlage ist gebaut worden, in den öffentlichen Gebäuden gibt es zwecks Energieeinsparungen neue, besser gedämmte Fenster, das Radwegenetz ist ebenso ausgebaut worden wie der öffentliche Nahverkehr. Zudem können sich Bürger Elektrofahrzeuge ausleihen, die Zahl der E-Ladesäulen ist erhöht worden.

Das alles geht den Fraktionen noch nicht weit genug, und das nicht nur den Grünen. Zur jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung brachte die Öko-Fraktion einen Antrag ein, der die Stoßrichtung ihres Juni-Antrages zum »Klimanotstand« aufgegriffen hat, das umstrittene Wort aber vermied. Und die Stoßrichtung wurde auch leicht verändert, ging es doch diesmal um die künftige Stadtentwicklung, die nach Meinung der Grünen nachhaltig und klimafreundlich sein sollte.

Umweltfreundliche Mobilität gefordert

Man wolle eine CO2-neutrale Lebens- und Wirtschaftsweise in Karben erreichen. Bei der Erstellung von Planentwürfen für die künftige Stadtentwicklung seien »anspruchsvolle Vorgaben für eine CO2-neutrale Energie- und Wärmeversorgung sowie eine weitgehend Automobil freie und umweltfreundliche Mobilität zu berücksichtigen.

Die Planungshoheit der Stadt biete wesentliche Instrumentarien, um konkrete Beiträge zum Klimaschutz zu leisten. Denn die Stadt, wie sie heute geplant werde, präge die Realität der kommenden Jahrzehnte. Es gelte, mehr als bisher auf die klimatischen und lokalklimatischen Auswirkungen der Stadtplanung zu achten.

Es gelte, den Schutz der Ressource Boden ernst zu nehmen und Flächen nur dann zu versiegeln, wenn es entsprechende Bedarfe gebe. Es reiche auch nicht mehr, nur den Kräften des Marktes zu vertrauen. Vielmehr müsse die Stadt aktiv darauf einwirken, dass Bauland etwa für die Schaffung bezahlbarer Wohnungen genutzt werde und nicht neuer Leerstand geschaffen werde. Fraktionschef Rainer Knak warnte bei der Einbringung des Antrages davor, soziale und ökologische Belange gegeneinander auszuspielen. Nachhaltigkeit sei natürlich nicht zum Nulltarif zu haben.

CDU gegen »Anti-Auto-Haltung«

CDU-Fraktionsvorsitzender Mario Beck sagte, seine Fraktion könne rund 80 Prozent des Antrages mittragen. Allerdings wolle man keine Festschreibung des Passivhausstandards in Neubaugebieten, da es auch andere energiesparende Bauweisen gebe. Bauherren könnten sich bevormundet fühlen, meinte Beck. Zudem finde seine Fraktion, dass man nicht in Bebauungspläne schreiben sollte, dass Stellplätze möglichst in zentralen unterirdischen Garagen angelegt werden sollten, um Anreize dafür zu schaffen, kurze Wege autofrei zurückzulegen, wie es die Grünen formuliert hatten.

»Eine solche Vorgabe mag im Brunnenquartier sinnvoll, sein, in Petterweil wäre sie das nicht.« Zudem störe man sich an der zwischen den Zeilen zum Ausdruck kommenden »Anti-Auto-Haltung«. Seine Fraktion wehre sich dagegen, dass Dächer generell zu begrünen seien, sofern sie nicht der Energiegewinnung dienen. Die CDU-Fraktion brachte einen entsprechenden Änderungsantrag ein, der nach kurzer Debatte in Einzelabstimmungen bei Enthaltung der Grünen und einmal nein der gesamten Fraktion zur Streichung der Passivhaus-Vorschrift mit großer Mehrheit angenommen wurde.

Einstimmig wurde zum Beispiel beschlossen, dass auf der knappen Ressource Boden künftig vor allem bezahlbarer Wohnraum errichtet werden soll. Zudem seien für künftige Neubaugebiete CO2-Neutralität anzustreben. Regenerative Formen der Energiegewinnung seien ebenso zu berücksichtigen wie Erdwärmepumpen, Blockheizkraftwerke und »kleine Windkraftanlagen für den Eigenbedarf«.

Der Antrag fordert ebenfalls einstimmig, für Neubaugebiete »tragfähige Begrünungskonzepte zu entwickeln und sie in Bebauungsplänen festzuschreiben. Zudem sei für die Anpflanzung von Bäumen mit ausreichender Beschattungsqualität zu sorgen. Desweiteren seien helle Oberflächen mit geringerer Wärmeaufnahme zu berücksichtigen. Natürliche Bachläufe und Gräben seien naturnah zu erhalten.

Zudem gelte es, Stadtentwicklung und Nahverkehrsplanung im Sinne eines hohen Anreizes zur ÖPNV-Nutzung zu verzahnen. Gerade neue Viertel seien von breiten Rad- und Fußwegen oder verkehrsberuhigt zu erschließen.

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