12. Juli 2018, 19:47 Uhr

Chemieunfall

Bei Hassia Salpetersäure ausgelaufen

Beim Mineralwasserproduzenten Hassia in Bad Vilbel ist es am Donnerstag Nachmittag zu einem Chemieunfall gekommen. Dabei ist eine große Menge Salpetersäure ausgetreten. Alle Mitarbeiter wurden evakuiert.
12. Juli 2018, 19:47 Uhr
RIN

Aus dem gesamten Wetteraukreis eilten Feuerwehrkräfte zur Verstärkung in die Quellenstadt.

Gegen 15.30 Uhr ging bei der Bad Vilbeler Feuerwehr der Notruf ein. Mitarbeiter hatten im Chemielager des Getränkeherstellers einen 1000-Liter-Behälter Salpetersäure transportiert, wobei dieser umkippte und kaputt ging. Bei dem Gefäß handelte es sich um einen sogenannten IBC-Behälter, der vermutlich vom Gabelstapler fiel. 450 Liter der giftigen Säure liefen dabei aus.

»Die fünf unmittelbar betroffenen Mitarbeiter reagierten vorbildlich«, berichtete Firmensprecherin Sibylle Trautmann. Sofort wurde das gesamte Areal geräumt und die Feuerwehr alarmiert. Diese eilte mit einem Großaufgebot zum Einsatzort. »Jeder Feuerwehrmann in Bad Vilbel ist hier gerade im Einsatz«, erklärte Stadtbrandinspektor Karlheinz Moll vor Ort.

Ätzende, giftige Dämpfe

Salpetersäure wirkt ätzend, außerdem sind die Dämpfe giftig. Für den Umgang mit der Säure gelten strenge Sicherheitsvorschriften. Wie bei einem Chemieunfall in dieser Größe üblich, alarmierte der Stadtbrandinspektor daher zusätzlich die Feuerwehren im Wetteraukreis.

Die Gießener-Straße wurde für die Einsatzarbeiten komplett gesperrt. Einige Anwohner konnten daher für kurze Zeit nicht ihre Wohnungen betreten oder verlassen. Eine Vielzahl an Einsatzfahrzeugen der Feuerwehren, der Polizei sowie einige Krankenwagen waren am Unfallort. Vier der fünf unmittelbar betroffenen Mitarbeiter wurden zur Kontrolle in ein Krankenhaus gebracht, ein weiterer verweigerte die Untersuchung. Allerdings habe auch keiner der Mitarbeiter – nach ersten Eindrücken – besorgniserregende Symptome gezeigt.

Knapp 100 Einsatzkräfte

Knapp 100 Feuerwehrleute waren an dem Einsatz beteiligt, darunter 25 Spezialisten mit Atemgerät. Denn nur mit speziellen Schutzanzügen konnte der mit Säure verunreinigte Raum betreten werden. Dafür wurde auch eine Schleuse zur Dekontaminierung der Anzüge aufgebaut.

Mit Spezialanzügen und Atemgerät ausgestattet bekämpfen Feuerwehrleute die ausgelaufene Säure bei Hassia.	(Fotos: Rinkart)
Mit Spezialanzügen und Atemgerät ausgestattet bekämpfen Feuerwehrleute die ausgelaufene Sä...

Noch bis in den Abend hinein waren die Einsatzkräfte beschäftigt. Dabei musste zunächst ein weiteres Ausbreiten der Säure aus dem 1000-Liter-Behälter verhindert werden. Dann wurde die Säure stark mit Wasser verdünnt – wodurch sie unschädlich wurde. Schließlich konnte die verdünnte Flüssigkeit gebunden und entsorgt werden.

Salpetersäure wird bei Hassia für Reinigungsarbeiten verwendet und im von der Außenwelt abgeschlossenen Chemie-Lager des Unternehmens aufbewahrt. Aus Sicherheitsgründen ließ Stadtbrandinspektor Moll dennoch das Bad Vilbeler Klärwerk besetzen, damit dort sofort reagiert werden könnte, sollte doch Salpetersäure nach außen treten.

»Unser Chemie-Lager hat keinen direkten Zugang zum Kanal«, beruhigte Beate Janko-Meinhard von der Hassia Qualitätssicherung. Auch der zügig herbeigeeilte erste Stadtrat und Feuerwehrdezernent Sebastian Wysocki äußerte sich zufrieden: »Die Kollegen haben alles im Griff.« Um Wassermangel mussten sich die Einsatzkräfte bei den warmen Temperaturen zudem keine Gedanken machen. So spendierte Hassia fleißig Wasser und Schorlen.

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