04. Oktober 2019, 05:00 Uhr

Umstrittene Baumpflanzung

Baumpflanzungen in Bad Vilbel: Freude bei Anwohnern, Stirnrunzeln bei Experten

In der Rechthienstraße und anderen Straßen auf dem Bad Vilbeler Niederberg werden in diesem Herbst gefällte Bäume nachgepflanzt. Die Anwohner sind erfreut, die Experten weniger.
04. Oktober 2019, 05:00 Uhr
Wo einst Bäume standen, sollen nun wieder welche hinkommen. (Foto: Pegelow)

Grüne Themen kommen in der Bevölkerung gerade gut an. Wenn dann in der Stadt noch Bäume gefällt werden, ist der Aufschrei groß. Vor allem, wenn noch ein heißes Jahr wie 2018 ist und entlang der Rechthienstraße und der Straße Auf dem Niederberg 17 Bäume der Säge zum Opfer fallen. Laut Experten waren sie nicht mehr standsicher. Allerdings sollten keine Bäume mehr nachgepflanzt werden, schrieb die Stadtverwaltung an alle Anwohner des Wohngebiets.

Das rief die Grünen auf den Plan, die an einem besonders heißen Tag im vergangenen Jahr einmal zum Thermometer griffen. 38,1 Grad habe es noch um 17 Uhr in der »baumlosen« Rechthienstraße angezeigt, fünf Grad weniger seien es unter den großen Platanen im Akazienweg gewesen. So brachte die Öko-Partei, die auch in Bad Vilbel mittlerweile von jedem Dritten gewählt wird, in diesem Frühjahr in die Gremien einen Antrag ein, die gefällten Bäume in der Rechthienstraße sofort nachzupflanzen - freilich zunächst ohne Erfolg. CDU und FDP votierten dagegen, wollten damit warten, bis genügend Personal im Gartenamt ist. Das scheint nun der Fall zu sein. Denn die Stadt informierte die Anwohner darüber, dass in diesem Herbst die Bäume in dem Wohngebiet nachgepflanzt werden sollen.

Unterschriften gesammelt

Offenbar war der Druck hoch. Immerhin hatten die Anwohner Unterschriften gesammelt, meldeten sich immer wieder zu Wort, auch im Ortsbeirat der Kernstadt. »Wir freuen uns, dass das hartnäckige Engagement zum Erfolg geführt hat«, teilt der Stadtverordnete mit. »Wir, das umfasst die Mitstreiterinnen von der SPD und auch Sandra Völker von der CDU«.

Dass der politische Druck offenbar eine Rolle spielt, bestätigt auch Stadtrat Klaus Minkel. »Um des Friedens willen« werde man im Niederberg-Gebiet Bäume nachpflanzen, teilt er mit. Doch seine Skepsis ist deutlich zu hören: »In der Rechthienstraße sind die Verhältnisse besonders ungünstig, da der schmale Grenzstreifen unterirdisch durch Betonkeile eingeengt ist, die den Begrenzungssteinen Halt geben müssen. Ein Pflanzballen ist dort vermutlich nicht einzubringen, so dass das Pflanzloch durch Tiefbauarbeiten vergrößert werden muss. Damit wird die Relation von Aufwand und Nutzen eher sehr ungünstig ausfallen, abgesehen von der verbesserten Optik, die auch ihren Wert hat.«

Das sieht auch der Leiter des städtischen Gartenbauamtes, Ronald Agel, so. »Wir machen das nur wegen des Drucks aus der Bevölkerung.« Aus fachlicher Sicht mache die Anpflanzung von Bäumen dort wenig Sinn. Die Pflanzflächen seien viel zu klein.

Er habe mittlerweile aber eine Liste erstellt, die er mit Peter Paul abstimmen wolle, sagt Agel. Darin enthalten seien Rotdorn in Säulenform und Säulenhainbuchen. »Wir nehmen schon Bäume mit dem kleinstmöglichen Ballen von 50 Zentimetern.« Problematisch seien die vielen Leitungen, die unter den Gehwegen verlaufen. Die jetzigen Baumscheiben seien zudem nicht mehr erweiterbar. Denn die Gehwege seien zu schmal. Endgültig werde man erst dann wissen, was machbar sei, wenn die GaLa-Bau-Firma die alten Baumscheiben ausgegraben hat.

Bäume in Säulenform

Selbst wenn die Anpflanzungen durchgeführt würden, bezweifele er, dass das eine nachhaltige Maßnahme werde. »Es kann sein, dass die neugepflanzten Bäume in zehn Jahren schon wieder gefällt werden müssen.«

Was dem Experten Stirnrunzeln bereitet, freut die Anwohner. Einer von ihnen ist Glyn Atwal. Er bezweifelt mit anderen, dass alle gefällten Bäume in der Rechthienstraße auch krank gewesen seien. Man habe unter den Anwohnern Unterschriften gesammelt. »Und fast alle haben unterschrieben«, weiß der Anwohner. Anwohner Atwal weiß aber auch, dass die Zeit günstig ist für die Forderung nach Nachpflanzungen. Der »Greta-Effekt« habe sicher dazu beigetragen, dass fast alle Anwohner die Forderung unterschrieben hätten.

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