22. August 2019, 11:00 Uhr

Spenden-Rallye

Bad Vilbelerin fährt 4000 Kilometer für die gute Sache

Kein Navi, kein GPS, keine Autobahn: Rallyes ist Maureen Senf schon viele gefahren, aber noch keine wie diese. Am Donnerstag startet die Dortelweilerin zu einer Schnitzeljagd quer über den Balkan.
22. August 2019, 11:00 Uhr
Sie ist seit gestern auf großer Tour: Die Dortelweilerin Maureen Senf absolviert mit Auto »Josie« eine Abenteuerrallye in Südosteuropa. (Foto: ags)

Hoffentlich hält »Josie« durch. So lautet das Motto der zweiwöchigen Tour nach Südosteuropa und wieder zurück, zu der Maureen Senf gestern von Bad Vilbel aus aufgebrochen ist. Knapp 4000 Kilometer wird sie in dem zwanzig Jahre alten VW Golf 3, dem sie den Frauennamen gegeben hat, hinter sich bringen. Es geht an steilen Bergpässen entlang, durch alte Wälder und über steinige Holperpisten - das vermutet Senf zumindest. Denn genau kennt die Abenteurerin aus Dortelweil ihre Route noch nicht.

Wo es sie und ihren Kumpanen Frank Peters hinverschlägt, erfahren die beiden nämlich erst heute Mittag in Dresden. Dort fällt der offizielle Startschuss für die »S.A.C. Charity Rallye« bei der 150 Teams für den guten Zweck einmal quer über den Balkan fahren. Alle Teilnehmer haben sich eine karitative Einrichtung ausgewählt, für die sie während des Wettkampfs Spenden sammeln möchten.

Maureen Senf ist für das Haus »Atemzeit« in Wölfersheim unterwegs, in dem schwerstbehinderte Kinder und ihre Familien betreut werden (siehe Box). »Mir war es wichtig, ein regionales Projekt zu unterstützen, das noch nicht so bekannt ist«, erklärt die 53-Jährige. Sie wolle Familien helfen, die nicht das Glück hatten wie sie, zwei gesunde Töchter großzuziehen.

Den Ehrenkodex achten

Die Auserwählten der Pflegeeinrichtung waren sofort Feuer und Flamme. Der Geschäftsführer - selbst Autoliebhaber - half, die alte Möhre für das Extremrennen fit zu machen. Nicht mit Geld zwar. Alle anfallenden Kosten tragen Senf und Peters allein. Aber in der Autowerkstatt einer seiner Kumpels gab’s den technischen Feinschliff, und ein Folierer lieferte Rallye-Aufkleber zum Nulltarif.

Und so sieht der hellgrüne Flitzer mit dem Schildkröten-Maskottchen nicht aus, als müsste er sich vor den anderen Fahrzeugen, die allesamt mindestens 15 Jahre auf dem Buckel haben, verstecken. Dennoch gibt Senf angesichts der teils sehr erfahrenen Konkurrenz zuerst ganz bescheiden »einfach Ankommen« als Ziel aus- ins erste Drittel des Teilnehmerfeldes will sie es dann doch schaffen, lässt sie sich später doch entlocken.

Dreizehn Tage haben die Kontrahenten Zeit, um alle Wegpunkte bis zum Schlussspurt gen Salzburg abzuklappern. Knapp 4000 Kilometer werden dann hinter ihnen liegen. Den Streckenverlauf kennen sie bis zuletzt nur grob. Vierzehn Länder durchqueren sie, unter anderem Ungarn, Bulgarien und Bosnien-Herzegowina. Dabei arbeiten sie sich wie bei einer Schnitzeljagd voran. An jeder Station gilt es, eine Aufgabe zu erfüllen. Mal müssen die Rennfahrer Beweisfotos schießen, mal die Aufschrift an einem Denkmal entziffern.

»Nicht zu wissen, was auf einen zukommt, ist faszinierend«, sagt Senf. Sie freut sich vor allem auf die Karparten, eine Ecke, die die Weltenbummlerin bislang ausgespart hat. Seit zwölf Jahren fährt sie Rallyes, normalerweise auf dem Rücken ihres Motorrads. Bei einem der Trips hat sie Peters kennengelernt. Sie wurden gute Freunde. Die Abenteuerrallye mit dem Auto ist für das Duo namens »doubleslow«, zu deutsch etwa »doppelt langsam«, aber eine Premiere.

Viele Spenden bedeuten gute Platzierung

Navigationsgerät und GPS sind laut Ehrenkodex verboten. Auch Autobahnen sind tabu. Senf und Peters verlassen sich ganz altmodisch auf Landkarten und ihren Orientierungssinn. »Die Navigation ist mein Schwerpunkt«, verrät die Bad Vilbelerin, die im Alltag als Sekretärin arbeitet und sich extra Urlaub genommen hat. Hinters Steuern klemmen wird sie sich dennoch. Schließlich müssen sie gut 300 bis 400 Kilometer am Tag hinter sich lassen, um eine Chance auf eine anständige Platzierung zu haben.

Eine andere Voraussetzung, um im Klassement ganz nach oben zu rutschen, ist es, viele Spenden zu generieren. Je höher die Summe, desto mehr Punkte gibt’s zum Schluss von der Jury. Umso mehr gilt also die Devise: »Jeder Euro zählt für das Haus ›Atemzeit‹.« Einen Taler für jeden Kilometer würde Senf sich wünschen, die im Vorfeld der Rallye ordentlich die Werbetrommel gerührt hat. Auf die Strapazen der kommenden Wochen hat sich Maureen Senf nicht gesondert vorbereitet. »Ich bin ganz entspannt«, sagt sie selbstbewusst. »Die größte Herausforderung wäre es, wenn das Auto schlapp machen würde.« In diesem Sinne heißt es jetzt: Daumen drücken, dass »Josie« durchhält.

Spenden für Haus »Atemzeit«

Sechs schwerstkranke und mehrfach behinderte Kinder werden derzeit im Haus »Atemzeit« in Wölfersheim betreut. Teilweise müssen sie künstlich beatmet werden. Seit 2017 gibt es die Einrichtung, die mit ihrem Konzept einzigartig in Hessen ist. Eltern können dort mit ihren Kindern wohnen und werden vom Fachpersonal langsam an die Pflege herangeführt und auf den Alltag zu Hause vorbereitet. »Wir schließen die Versorgungslücke zwischen Krankenhaus und Zuhause«, sagt Geschäftsführer Martin Brumpreiksz.

Spezielle Voraussetzungen für Rallye-Spenden gibt es nicht. Wer sich beteiligten möchte, überweist einen beliebigen Betrag auf das Spendenkonto des Hauses »Atemzeit« und gibt den Betreff »Rallye« an. Die IBAN lautet DE07 5135 0025 0205 0493 70 und die BIC: SKGIDE5FXXX. Bis zum 4. September zählen die Spenden für die Rallye-Wertung. Auch danach bleibt das Konto für Spenden offen. Für Rückfragen steht Martin Brumpreiksz unter martin.brumpreiksz@atemzeit.org bereit. Weitere Infos bekommen Interessierte unter www.atemzeit.org oder unter (0 60 36) 43 28 90.

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