29. August 2019, 05:00 Uhr

Bad Vilbeler Wald

Bad VilbelerWald: Es war einmal ein Wald

»Quo vadis, Bad Vilbeler Wald?« Unter diesem Titel wird Revierförster Helmut Link im Umweltausschuss referieren. Den Wald in Zukunft zu erhalten wird immer mehr zur Herkulesaufgabe.
29. August 2019, 05:00 Uhr
Abstand halten: Tiefschwarz steht der befallene Baum am Wegesrand. Kein Grund zur Panik, betont Hessen Forst.

Ein Spaziergang durch den Bad Vilbeler Wald ist ein Genuss. Erholsam, natürlich und vor allem eine große Illusion. Eigentlich, das macht Revierförster Helmut Link unmissverständlich klar, ist dieser Wald ein Lazarett für Bäume. Wie bei einem Memory-Spiel zählt Jens Völker (CDU) Baumarten auf, und Link benennt ohne zu zögern den jeweiligen Schädling, Pilz oder sonstigen Grund, warum es diesem Baum nicht mehr gut geht.

Am Dienstag will Helmut Link über den Zustand des Bad Vilbeler Waldes im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss sprechen. Dessen Vorsitzender Völker hat ihn dazu eingeladen - auch die Bad Vilbeler Bürger sind herzlich willkommen, den Ausführungen des Revierförsters zu lauschen. Dabei besteht jedoch eine Gefahr: Die Zuhörer könnten den Konferenzraum im Rathaus mit ziemlich traurigem Gemüt verlassen. Denn es sieht nicht gut aus.

Ein klägliches Bild

Am wenigsten Kopfzerbrechen bereitet Link die Fichte: »Die ist tot!« Zwei Jahre schätzt der erfahre Förster, werde es noch dauern, dann dürfte auch die letzte Fichte aus dem Bad Vilbeler Wald verschwunden sein. Es wurde ihr einfach zu trocken. Der Buche gibt er immerhin noch 25 Jahre, mit der Ulme hat er längst abgeschlossen und auch die Eschen geben ein eher klägliches Bild ab: »Ich finde hier keine Baumart, die keine Probleme hat.«

Im Akkord räumt Link abgestorbene und gefällte Bäume aus dem Wald und sorgt so nicht nur für einen halbwegs positiven optischen Eindruck, sondern auch dafür, dass ordentlich nachgepflanzt werden kann. Doch womit? »Da sind wir noch in einer Findungsphase«, erklärt er. Die Küstentanne schlage sich etwa ganz passabel, dennoch seien neue Pflanzungen eher Versuchsballons als Konzepte für den Wald der Zukunft.

Doch ehe solche Konzepte entwickelt werden können, müsse erst einmal jeder verstehen, wie es um den Wald steht, erklärt Link. Denn noch immer erlebt er Spaziergänger, die den Bad Vilbeler Wald für gesund und intakt halten. Ein Irrtum, begünstigt durch seine fleißige Instandhaltung.

Für Revier allein verantwortlich

»Ich bin auch manchmal hilflos«, klagt Link und macht aus seiner chronischen Überarbeitung keinen Hehl. Schließlich ist er für sein umfangreiches Revier alleine verantwortlich - Personal gibt es nicht. Mit Blick auf diese Politik, kann Link nur wütend den Kopf schütteln.

Und so stiefeln Link und Völker betrübt durch den Wald. Dort, wo die Eschen stehen, sollte der Himmel hinter den Kronen eigentlich nicht zu sehen sein, das Waldpanorama hinter der Totenwiese sollte eigentlich nur grün sein, denn noch ist kein Herbst.

Der Grund hinter alledem ist längst bekannt: der menschgemachte Klimawandel. Denn es regnet zu wenig, der Boden ist zu trocken, die Pflanzen zu schwach, die Schädlinge zu zahlreich. »Wir müssen das den Menschen bewusst machen. Noch haben wir Zeit, etwas zu verändern, aber nicht mehr lange«, mahnt Völker. Die große Frage sei: »Wie können wir unseren Wald fit für die Zukunft machen?« Erste Impulse zu dieser Frage erhoffen sich die zwei in der Ausschusssitzung am Dienstagabend.

Weißer Boden irritiert

Im Stadtwald selbst richten sich die Blicke der Spaziergänger in diesen Tagen jedoch seltener in Richtung der Baumkronen. Kürzlich wurden die breiteren Waldwege neu befestigt. Doch der neue wassergebundene Boden aus Taunusquarzit sorgt für Unruhe, hauptsächlich wegen seiner Form und Farbe.

Kaum hat der Förster sein Auto am Waldrand abgestellt, will eine Spaziergängerin wissen, warum der Weg so auffallend gewölbt sei. Link erklärt: »Es gibt für einen wassergebundenen Boden nichts Schlimmeres, als wenn sich Pfützen bilden.« Es sei also sehr wichtig, dass das Wasser immer vom Weg abläuft.

Dass der Weg die eher walduntypische Farbe weiß aufweist, irritiert eine andere Frauengruppe, die mit ihren Hunden unterwegs ist. Link kann die Irritation nachvollziehen, auch seine Lieblingsfarbe ist dies nicht. Jedoch sei viele Jahre nichts am Waldboden gemacht worden, eine Aufbereitung also dringend erforderlich gewesen. Das weiße Taunusquarzit habe sich dafür einfach angeboten.

Der Planungs-, Bau- und Umweltausschuss trifft sich am Dienstag, 3. September, um 18 Uhr, im Rathaus, Am Sonnenplatz 1, im dritten Stockwerk.

Rußrindenkrankheit: Alles halb so schlimm?

Helmut Link präsentiert auf seiner Tour durch den Wald so einige Schädlinge und befallene Bäume, doch bei dem einen Ahorn am Wegesrand, in unmittelbarer Nähe zum Waldkindergarten, hält selbst der sonst so stürmische Jens Völker Abstand.

»Dieser Baum ist von der Rußrindenkrankheit befallen«, erklärt der Revierförster. Im Frühjahr mussten in Lich etwa 20 Hektar Wald gefällt werden, da sich die Krankheit dort bereits ausgebreitet hatte. Auch in Bad Nauheim mussten zur gleichen Zeit 80 Bäume im Goldsteinpark, wegen dem tiefschwarzen Pilzbefall, gefällt werden. Hier wie dort trugen die Arbeiter Schutzanzüge und Mundschutz. Denn die Pilzsporen können auch die menschliche Lunge angreifen und zu Atembeschwerden und Lungenschäden führen - in Lich und Bad Nauheim wurde daher zügig und umfassend reagiert und gefällt. Nicht so im Bad Vilbeler Stadtwald.

»Grundsätzlich ist nicht auszuschließen, dass die Pilzsporen, bei Personen mit vorgeschädigter Lunge und nach intensiven Kontakt mit dem befallenen Baum, zu gesundheitlichen Schäden führen können«, erklärt Hessen-Forst-Pressesprecher André Schulenberg. Eine Gefahr für Spaziergänger bestünde nicht: »Man müsste dafür schon mehrere Stunden am Baum kratzen.« Er geht davon aus, dass der Baum im Zuge von Verkehrssicherungsmaßnahmen in diesem Winterhalbjahr gefällt wird: »Herr Link wird die Erzieherinnen im Waldkindergarten vermutlich informiert haben, dass die Kinder diesen Baum besser nicht erkunden.«

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