09. Mai 2017, 20:27 Uhr

Aus Liebe zum Holz

09. Mai 2017, 20:27 Uhr
Ein echter Holz-Fan: Jörg Müller kreiert aus dem Naturmaterial allerlei Kunstwerke wie dieses, das den Namen »Geborgen« trägt. (Fotos: sur)

»Es ist faszinierend, was ein Holzstück zu erzählen hat, das frisch aus dem Sägewerk kommt«, sagt Jörg Müller und strahlt über das ganze Gesicht. Die Maserung spreche für Leben, Kraft und Stärke. Um diese Energie freizusetzen, streicht er behutsam über die Fläche und bearbeitet das Holz kreativ und intuitiv. Müller ist bei der Karbener Künstlerinitiative aktiv. Sein Steckenpferd: das Holz.

Die Liebe zum Naturmaterial war bei Müller bereits in frühester Jugend vorhanden. Als Grundschüler begeisterte er sich für den Werkunterricht und dekorierte den elterlichen Garten. Bei der Suche nach einem erfüllenden Beruf stand zunächst der Wunsch nach einer Arbeit mit Holz auf dem Programm, der jedoch durch ein mehr als ernüchterndes Praktikum in einer Schreinerei zunichtegemacht wurde. Das wochenlange Fegen der Werkstatt schreckte den nach neuen Impulsen suchenden Müller derart ab, dass er zugunsten einer Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann seine Liebe zum Holz aufgab.

Erst viele Jahre später führte der Zufall ihn wieder mit seinem Lieblingsmaterial zusammen. Sein Schwager Dieter Schulz – Inhaber einer bekannten Schreinerei in Altenstadt – fertigte neben den üblichen Schreinereitätigkeiten auch Holzmöbel selbst. In Phasen hohen Auftragsbestandes kamen Anfragen, ob Müller nicht etwas aushelfen könne. »Klar«, sagte Müller sich und entfachte seine Liebe zum Holz damit erneut. »Er hat mir gezeigt, was man alles aus Holz machen kann«, sagt Müller über Schulz. Und ergänzt respektvoll: »Er hat mir viel beigebracht.«

Zunächst mit billigen Maschinen aus dem Baumarkt, begann Müller vor nun fast 20 Jahren wieder selbst, Sachen aus Holz zu gestalten. Eine entscheidende Rolle spielte dabei der eigene Hausbau in Nidderau. Das Heim erhielt durch viel Eigenleistung einen individuellen Charakter. Allerdings zermürbten Müller die Ergebnisse der Billigmaschinen. Der Vergleich mit den professionellen Maschinen aus der Schreinerei und den dort zu erreichenden Ergebnissen ließ den Entschluss reifen, erst einmal richtig zu investieren. »Da habe ich mir die erste richtig gute Hobelmaschine gekauft«, sagt Müller.

Leidenschaft neu entfacht

Und das Ergebnis überzeugte. Entstanden sind dabei nicht nur Treppenstufen und notwendige Elemente, auch ein liebevoll selbst gearbeitetes Schränkchen steht aus dieser Zeit im Hausflur. Und kaum sei der Hausbau abgeschlossen gewesen, erklärt Müller, sei die Kunst gekommen.

Einige Fortbildungen im Art-Kontor, Frankfurt bei Gerd Thomson und ein Drechselkurs bei Thomas Keßler in Reichelsheim haben die Fertigkeiten verfeinert. Mittlerweile hat Jörg Müller nicht nur an den Karbener Kunst-Tagen, sondern auch an einigen Ausstellungen teilgenommen – und eine ganze Reihe seiner Objekte verkauft.

Für die Zukunft hat sich Müller einiges vorgenommen: Zunächst steht der Plan an, wieder nach Karben zu ziehen und dort zu bauen. Auch dies wird Zeit verschlingen, ist er sich sicher. In Karben haben er und seine Frau Iris, die als Malerin ebenfalls an der Karbener Künstlerinitiative teilnimmt, bereits die Perspektive, der Kunst einen größeren Raum als bislang einzuräumen. Zusätzlich gibt es den Wunsch nach einer eigenen Werkstatt.

Gerne will das Ehepaar die Liebe zur Kunst teilen und mit anderen Kunstbegeisterten zusammenarbeiten, Ausstellungen und Seminare anbieten. Die Realisierung ist nur eine Frage der Zeit.

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