29. August 2019, 17:00 Uhr

Okärber Kerb

Auf der Okärber Kerb wurden Pferde für Napoleons Armee gekauft

Wenn am Freitag in Okarben die Kerb eröffnet wird, geschieht dies vor einem besonderen historischen Hintergrund: 250 Jahre ist es her, dass dem Dorf das Marktrecht verliehen wurde.
29. August 2019, 17:00 Uhr
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Aus der Redaktion

Okarben ein alter Marktflecken? Es gibt wohl nicht viele Einwohner, die das jährliche Kerbtreiben in »ihrem« Ort damit in Verbindung bringen. Tatsächlich ist es aber so, dass die Okärber Kirchweihe aus Vieh-und Krämermarkttagen hervorgegangen ist, die jeweils im Frühjahr und Herbst stattfanden. Der Burg Friedberg war durch die Einführung solcher Märkte daran gelegen, den Handel - besonders den Viehhandel - zu fördern.

»Um viele Menschen anzulocken, versprach man allen Handelsleuten(...) für ihre Person, Waren und Vieh völlige Freiheit auf drei Jahre an Weg-, Zoll- und Standgeld«, schreibt Wilhelm Jost in einer Abhandlung zur Geschichte des Okärber Marktes. In seiner Glanzzeit kamen Händler aus dem Herzogtum Westfalen, und französische Offiziere kauften Pferde für Napoleons Armee.

Der erste Markt fand am 30. Oktober 1769 statt. Schauplätze waren der Marktplatz auf der Backeswiese unterhalb des heutigen Friedhofs und die Wirtsstuben des Ortes. Auf Ordnung und Sicherheit wurde höchsten Wert gelegt, denn an Markttagen war »lichtscheues Gesindel« meist nicht fern. Die Krämer mussten zu ihrer Legitimation Atteste vorzeigen. Karten- und Würfelspiele waren untersagt. Um diese Verordnungen durchzusetzen, kam eine Abteilung Landmiliz des Kaicher Freigerichts zum Einsatz.

Nur noch Nachbarschaftsfest

Miliz braucht es heutzutage nicht mehr, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. In dem abgesperrten Bereich zwischen Tränkgasse und Bornweg kommen nur Menschen zusammen, die ein Nachbarschaftsfest miteinander feiern wollen. Zwischen 400 und 500 Besuchern pro Tag seien im Vorjahr gekommen, geben die Organisatoren der Vereinsgemeinschaft Okarben an.

»Bei uns in Okarben gibt es viel Hilfsbereitschaft und kein Konkurrenzdenken unter den Vereinen«, betont der 1. Vorsitzende des Schützenvereins, Klaus Katzer. »Einige Nachbarn sind während der Festtage eingeschränkt wegen der Straßensperrung. Dennoch pflegen wir stets ein gutes Miteinander.«

Kein Rahmenprogramm im Saal

Zum ersten Mal tritt die im April gegründete Vereinsgemeinschaft Okarben in diesem Jahr offiziell als Ausrichter in Erscheinung. Geändert hat sich zu den Vorjahren aber nichts. Denn auch da waren es Tatkräftige aus verschiedenen Vereinen, die das Volksfest gemeinsam organisierten.

Eine Neuerung wird sein, dass im Saal des Bürgerhauses kein Rahmenprogramm stattfindet. Das Planungsgremium hat sich dagegen entschieden und möchte damit die Stimmung komplett auf die Straße zentrieren. In dem Gebäude wird allerdings am Sonntagnachmittag eine »Historische Bilderausstellung von Okarben« mit rund 400 Fotografien zu sehen sein, die Erhard Sachse und Helmut Schultheiss zusammengetragen haben. Außerdem soll vor dem Bürgerhaus eine Art »Wappenbaum« mit den Vereinsemblemen aufgeschlagen werden. Das sei eine Tradition, der man jetzt wieder nachkommen wolle, erklärte Pressewart Andreas Czuba. Die Tradition der Kerbburschen wolle man auch wieder aufleben lassen, wenn sich in Zukunft Leute dafür fänden.

Okärber Kerb ist gewachsen

Heinz Jörg als einer der Älteren kann sich noch gut an die Kerbtage in früheren Zeiten erinnern. »Gefeiert wurde auf dem Platz in der Ortsmitte, wo heute der Brunnen ist, auf dem Fußballplatz oder auf dem Gelände der Grundschule am Römerbad. Und natürlich in den Gaststätten »Zur Sonne« und »Zum Taunus«. Sonntags sind wir dort für 1,50 DM zum Tanz gegangen.« Eine verheißungsvolle Aussicht fürs Festwochenende fügt er gleich noch hinzu: »Es geht die Sage, wenn es bei der Eröffnung des Vilbeler Marktes regnet, bekommen wir an der Kerb schönes Wetter. Es sieht diesmal also nicht schlecht aus.«

In der Gegenwart spürt man eine gewisse Aufbruchsstimmung unter den Verantwortlichen. Die Okärber Kerb ist gewachsen und soll es auch weiterhin tun. Damit dies garantiert werden kann, bedarf es aber einer besseren Stromversorgung am Bürgerhaus. Hier hofft die VG Okarben auf ein Entgegenkommen der Stadt.

Anekdote aus 1769

Die Burg Friedberg hatte für das beste Koppel Pferde zwölf Gulden und für das beste Paar Ochsen sechs Gulden als Präsent ausgelobt. Drei hohe Herren wurden von der gnädigen Herrschaft zu »Viehtaxatores« erwählt und per Handschlag an Eidesstatt verpflichtet: Herr Neumann von Berstadt, Schultheiß Jakob Hahn von Kaichen und Herr Leutnant Kliem von Heldenbergen. Sie fanden, dass der Pferdehändler Hermann aus Ostfriesland die schönsten Koppelpferde auf den Markt gebracht hatte. Er erhielt die »gnädig ausgeworfenen« zwölf Gulden, sechs Gulden bekam der Okärber Pfarrer Neumann, wohl für das schönste Paar Ochsen.



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