21. April 2019, 09:00 Uhr

E-Auto-Feldversuch

Arbeiter-Samariter-Bund nur bedingt zufrieden mit E-Autos

Fahren die Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes künftig mit Elektroautos zu ihren Kunden? Verantwortliche der Hilfsorganisation starteten in Karben Offenbach einen Feldversuch. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.
21. April 2019, 09:00 Uhr
Elektrisch unterwegs sind die Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes auch am Karbener Standort. Peter Steinfadt hat jetzt die Ergebnisse eines zweijährigen Feldversuchs vorgestellt. (Foto: Pegelow)

D ie Elektromobilität ist derzeit in aller Munde, und das nicht erst seit dem Dieselskandal in der deutschen Autoindustrie. Was hinsichtlich der Umweltbelastung durch fossile Brennstoffe wünschenswert wäre, steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Es gibt nur sehr wenige datengesicherte Erfahrungen mit dieser Antriebsart. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat jetzt in einem zweijährigen Feldversuch getestet, ob Elektroautos für ihn infrage kommen.

Die ASB-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind täglich unterwegs: Ob sie das Essen ausliefern oder zu pflegebedürftigen Patienten fahren. Zwischen 50 und 60 Fahrzeuge rollen beim ASB Mittelhessen über die Straßen in der Stadt Offenbach und im südlichen Wetteraukreis.

Der ASB-Landesvorstand hatte vor einigen Jahren entschieden, dass sich die Organisation umweltfreundlicher aufstellen sollte. So bezieht sie für ihre Standorte in Offenbach und Karben bereits Ökostrom. Der Vorstand hatte den ASB-Regionalverband Mittelhessen zudem gebeten, zwei Elektrofahrzeuge im Alltagsbetrieb zu testen. Zwei VW e-Ups! hatten die Samariter gekauft, um von Mitte Februar 2017 bis Mitte Februar 2019 zu testen, ob die batteriegetriebenen Autos für den Alltagsbetrieb tauglich sind.

 

ASB hat Ökostrom

Dazu wurden Fragebögen entworfen, die die Mitarbeiter ausgefüllt haben. Dabei wurde unter anderem gefragt, wie viele Kilometer gefahren wurden und zu welchem Anlass. Die Tester wollten wissen, ob das Laden der Fahrzeuge kompliziert sei, ob und wie sich die Autos in den Arbeitsalltag integrieren lassen, wie der Komfort ist und wieviel und ob sich alle umgewöhnen mussten. Peter Steinfadt, beim ASB für Presse und Marketing zuständig, stellt die Ergebnisse vor. Als erstes spricht er die Reichweite an. VW habe versprochen, dass eine Akkuladung für 160 Kilometer reiche.

Der Testbetrieb beim ASB habe aber eine Reichweite von lediglich 119 Kilometern ergeben. »Bei Minustemperaturen schrumpft die Reichweite der Akkus auf 80 Kilometer zusammen«, moniert man beim ASB. Zudem reduzierten zusätzliche Verbraucher wie etwa die Heizung, die Leistung der Akkus. Insgesamt 15 551 Kilometer legten die Mitarbeiter mit dem beiden Elektro-VWs zurück. Nach Angaben von Steinfadt wurden die Fahrzeuge in Offenbach für Fahrten zur Ausbildung und von den Mitarbeitern der Verwaltung rege genutzt. In Karben fuhren die Mitarbeiter des Rettungsdienstes, der Verwaltung, des Menü-Services und der Fachberatung »Leben im Alter« am häufigsten elektrisch.

 

Nur geringe Reichweite

»Wir haben festgestellt, dass die Leute gerne mit den Autos fahren«, sagt der Sprecher. »Es macht mehr Spaß als im Benziner.« Das liegt sicher nicht zuletzt daran, dass die ASBler weitgehend geräuschlos unterwegs waren und die Fahrzeuge auch schnell beschleunigt haben. Bei einer Testfahrt mit dem ASB-Geschäftsführer Ulrich Müller vor zwei Jahren war das deutlich zu spüren. Seinerzeit stand in dieser Zeitung folgendes: Das Anlassen des Motors ist nicht zu hören, dann setzt sich der VW fast lautlos in Bewegung. Lediglich die Abrollgeräusche der Reifen sind zu hören, als der Kleinwagen auf Tempo 50 beschleunigt wird.« Apropos Beschleunigung: Als Müller das Gaspedal weiter durchtritt, schießt der Wagen regelrecht nach vorne. »Da haben wir den vollen Schub drauf und der Wagen beschleunigt ohne jegliche Schaltung.«

Während der Fahrspaß also durchaus zu spüren ist, hat man beim ASB festgestellt, dass die Fahrzeuge bei Überlandfahrten eher nicht geeignet sind. »Die Elektroautos sind im urbanen Umfeld, also in der Stadt, besser zu nutzen«, so Steinfadt. Man sei als ASB zwar bereit für die E-Mobilität, aber eine höhere Fahrzeugreichweite wäre wünschenswert. Der Ausbau der Lade-Infrastruktur an allen Standorten wäre wünschenswert. In ländlichen Regionen mit langen Verbindungswegen sei die Akzeptanz wegen der Reichweite geringer. »Wenn wir von hier nach Butzbach unterwegs sind, haben wir schon angst, dass der Wagen liegen bleibt.«

Fazit des zweijährigen Versuchs: Die beiden Fahrzeuge werden zwar weiter genutzt, aber die nächsten Autos, die ausgetauscht werden, sollen durch Hybridfahrzeuge ersetzt werden. Heißt das, dass der ASB keine weiteren E-Autos mehr anschafft? Nein, so Steinfadt, »aber wir warten erst mal ab, wie sich das alles entwickelt und ob etwa auch die Lade-Infrastruktur ausgebaut wird oder es Fahrzeuge mit Akkus mit größerer Reichweite geben wird.

Info

Stadt Karben setzt auf E-Mobilität

Die Stadt Karben setzt verstärkt auf Elektromobilität. Dort nutzen Mitarbeiter schon seit Längerem zwei E-Bikes für ihre Außentermine. Hinzugekommen sind vier weitere E-Autos. Zwei der Elektro-Pkw stehen unter der Woche den städtischen Bediensteten zur Verfügung, abends sowie an den Wochenenden der Allgemeinheit. Zwei weitere E-Fahrzeuge können die Bürger die Woche über nutzen. Die Stadt baut die Zahl der Ladesäulen aus: Vor dem Rathaus gibt es zwei Stationen, weitere gibt es auf dem Hessenring-Parkplatz und am Bürgerhaus Okarben. Zusätzliche Stromtankstellen sind in Rendel, Burg-Gräfenrode und Petterweil in Planung. (pe)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Arbeiter-Samariter-Bund
  • Elektroautos
  • Patienten
  • Ulrich Müller
  • VW
  • Zufriedenheit
  • Ökostrom
  • Karben
  • Holger Pegelow
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos