21. Oktober 2019, 20:23 Uhr

Ansturm auf die Baustelle

Das Projekt bewegt die Massen. Als das Stadtmarketing Bad Vilbel für Samstagvormittag zur Begehung der Baustelle für die neue Stadthalle geladen hatte, strömten die Menschen von allen Seiten herbei. Das Interesse war so groß, dass nur die wenigsten etwas Substanzielles erfahren konnten.
21. Oktober 2019, 20:23 Uhr

Der Himmel ist stark bewölkt an diesem Samstag, auch über der Mitte Bad Vilbels. Dennoch strömen trotz des drohenden Regens die Menschen von allen Seiten herbei. Viele kommen über die Büchereibrücke, etliche aber auch aus dem Kurpark und aus Richtung Parkstraße und Schwarzer Weg. Doch hier wird kein Fest gefeiert, sondern zu einer Baustellenbegehung eingeladen.

Der Vorsitzende des Stadtmarketingsvereins, Kurt Liebermeister, ist aufgeregt. Es gefällt ihm nicht, dass viele durch den an der Parkstraße geöffneten Bauzaun auf das riesige Baustellengelände strömen. »Es hieß Treffpunkt am Bauzaun«, so habe es in der Presse gestanden, wundert sich eine Besucherin. Falsch war das nicht, aber der Bauzaun ist nun mal mehrere Hundert Meter lang. Er umschließt das gesamte Gelände mit dem historischen Kurhaus und dem westlichen Kurpark. Hier entsteht die neue Stadthalle von Bad Vilbel. Was sonst nicht zugänglich ist, durfte am Samstag einmal begangen werden.

Über 200 Interessierte haben sich eingefunden. Es dauert einen Moment, bis alle auf dem Gelände sind und sich um Liebermeister sammeln. »Bitte alle aufpassen, jeder ist für sich selbst verantwortlich, die Bauleitung übernimmt keine Haftung. Bitte passen Sie auf, wo Sie hintreten«, mahnt er. Und dann geht es los. Fast wie bei der Kunstausstellung eines berühmten Malers strömen die Massen los, unter den alten, von Holzlatten geschützten Kastanien geht es los, über einige Bretter auf ein Plateau. »Bitte hier alle sammeln«, ruft Liebermeister. Hier, das ist, wo die beiden Architekten Katharina Fischer und Mirko Lunic einen großen Plan aufgehängt haben. »Wir stehen jetzt dort, wo einmal die Orangerie die neue Stadthalle mit dem Kurhaus verbinden wird.« Für viele ist das zwischen Eisenplatten, Kränen und jeder Menge Baumaterial kaum vorstellbar.

Die beiden Fachleute informieren darüber, dass die Tiefgarage fertiggestellt sei. 370 Parkplätze sollen einst für die Besucher von Stadthalle, Kurhaus und des noch zu bauenden Hotels zur Verfügung stehen. Dass entlang der Kasseler Straße noch ein Hotel gebaut werden soll, wissen viele offenbar nicht. Die Architekten informieren darüber, wie viel Stahl und Beton verbaut worden sind, dass es fünf Treppenhäuser geben werde und von wo aus es später einmal wohin gehen wird. »Warum ist die Einfahrt denn so hoch?«, wundern sich einige. »Die Baustelle wird noch einen Meter höher, und dann kommen 70 Zentimeter Pflanzgranulat drauf«, erläutert Lunic. »Dann sieht das nicht mehr so hoch aus.« Ob denn auch die Einfahrt bepflanzt werde, will jemand anderes wissen. Nein, heißt die Antwort.

Fragen durchgereicht

Schon hier draußen sind nicht alle Fragen und Antworten zu verstehen. Ein Megafon hat niemand dabei, eine Mikrofonanlage wurde nicht installiert. Aus den hinteren Zuhörerreihen werden die Fragen nach vorne durchgegeben, mit den Antworten ist es umgekehrt.

Als es draußen keine Fragen mehr zu geben scheint, geht es in die Tiefe. Denn das ist der eigentliche Anlass: Die Tiefgarage ist weitgehend fertiggestellt, die Firma Jökel hat auch für den zweiten Bauabschnitt, die Errichtung des Hallenrohbaus, den Zuschlag bei der Ausschreibung gewonnen. Das ist ein wichtiges Detail. »Denn es hätte eine Verzögerung bedeutet, wenn die Firma Jökel hier nicht den Zuschlag erhalten hätte und alle Arbeiter hätte abziehen müssen. Dann wäre eine andere Firma gekommen und hätte die Baustelle erst neu einrichten müssen«, erläutert Liebermeister. »Es durfte kein Generalunternehmer beauftragt werden.« Genau das ist, wie mehrfach berichtet, auch der Grund, warum die Stadthalle nicht bis zum Hessentag fertig wird. Die Stadtwerke waren mit ihrer Absicht, einen Generalunternehmer zu beauftragen, am Wettbewerbsrecht gescheitert und müssen jetzt alle Bauabschnitte einzeln ausschreiben. Das kostet Monate.

Geplante Fertigstellung der Stadthalle ist für 2022 angepeilt. Dann geht es über viele Stufen nach unten in eine riesige, fast dunkle Halle. Pfützen haben sich gebildet, einer der Besucher bemerkt Spannungsrisse und eindringendes Wasser. »In 14 Tagen wird das Wasser hier abgepumpt, die Garage trockengelegt«, erklärt Lunic. Rund die Hälfte der Besucher steht im Kreis um den Bauleiter und Liebermeister herum, die andere Hälfte läuft mal hier, mal dort herum. Es ist ein permanenter Geräuschpegel von sich unterhaltenden Leuten, Zuhören ist nicht so ihr Ding. Aber zugegebenermaßen auch schwer, denn aus dem hinteren Teil der Tiefgarage dringen laute Bohr- und Schleifgeräusche. Liebermeisters Versuche, die Arbeiter zur Pause zu bewegen, scheitern.

Dann zieht es viele ans Licht, sie wollen die Treppe hoch. »Falsche Richtung, wir müssen wieder dort zurücklaufen, wo wir hergekommen sind.« Also marschieren alle los, nach und nach kommt man wieder ans Tageslicht. Einige schauen sich noch mal die kleinen Pläne an, denn jetzt, wo sich der Besucherstrom auflöst, kann man mal nähertreten. Und dann öffnet der Himmel seine Schleusen, ganz leicht beginnt es zu regnen. Das Zeichen von oben haben die meisten verstanden und eilen nach Hause. Viele durften nur ganz wenig verstanden haben. Aber der Vorsitzende des Stadtmarketings verspricht für den nächsten Baustellentag Abhilfe: »Wenn so viele kommen, bilden wir das nächste Mal zwei Gruppen.«

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