08. August 2019, 20:47 Uhr

Anlauf nehmen für die Profimusikerkarriere

08. August 2019, 20:47 Uhr
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Von Alexander Gottschalk
Caro Smykla

Eines Tages in der legendären Londoner Royal Albert Hall singen - das ist ihr Traum, verrät Caro Smykla. Und schiebt fröhlich nach: »Noch ist das natürlich utopisch.« Der nächste Auftritt der 22-Jährigen fällt doch - so ehrlich müssen auch die eingefleischtesten Fans sein - einige Nummern kleiner aus, zumindest im Vergleich mit dem Konzertsaal, in dem schon Eric Clapton, die Beatles und das Royal Philharmonic Orchestra auftraten.

Das Publikum dürfte aber kaum weniger euphorisch sein. Als Mitglied des hessischen Landesjugendjazzorchesters wird Smykla bei der nächsten Sonntagsmatinee der Bad Vilbeler Festspiele zu hören sein. Traditionell sollen die beliebten, musikalischen Gastspiele eine andere Note in das stramme Theaterprogramm der Burg bringen. In diesem Fall mit lateinamerikanischer Jazzmusik von Brasilien über Kuba bis zur Latino-Szene in New York.

Die Künstler des Landesjugendjazzorchesters stammen aus dem ganzen Bundesland. Aus Bad Vilbel oder Karben ist aber niemand dabei. Immerhin Smykla kommt aus der Nachbarschaft, genauer aus Friedrichsdorf, und kennt die südliche Wetterauer gut, in der sie ab und an beruflich unterwegs ist. Die Frau mit der sonoren Stimme gibt privaten Gesangsunterricht über alle Genres hinweg. Von sich selbst sagt sie aber: »Ich würde mich zu 100 Prozent als Jazzerin bezeichnen.«

Smyklas Werdegang ähnelt dem vieler ihrer Orchesterkollegen: Seit der Grundschule ist sie im Chor, hat dann in Musicals mitgespielt und gehörte später zur Big Band am Oberurseler Gymnasium. Dort stieß sie mit 14 Jahren bei einem Workshop auch auf ihr heutiges Ensemble, das als Talentschmiede für Jazzmusiker gilt.

Seither wirkt die Alt-Sängerin beim Landesjugendjazzorchester mit. Mittlerweile studiert sie - auch das ist typisch - Musik: am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt, Hauptfach Gesang. Das ausgegebene Ziel ist klar: von der Kunst leben können. Aktuell heißt das vor allem: auftreten, auftreten, auftreten. Mit ihrem Duo-Partner Matthias Wolf tingelt sie mit einer Mischung aus Jazz, Pop und Kabarett über Bühnen in aller Lande, um sich einen Namen zu machen.

Mama ist größter Fan

Unterstützung auf dem Weg zum Profi bekommt Smykla vom mehrfach ausgezeichneten Landesjugendorchester. Nur zweimal im Jahr, im Herbst und im Frühjahr, treffen sich die Instrumentalisten und Vokalisten, die über ganz Deutschland verstreut leben, für eine Woche in ihrer hessischen Heimat, um gemeinsam intensiv zu proben. Oft kommen renommierte Jazzgrößen zu den Terminen, um mit dem Nachwuchs zu üben.

»Ich merke nach solchen Probephasen immer, dass ich musikalische Riesensprünge gemacht habe«, erzählt Smykla. Weil das Niveau hoch ist, reichten die seltenen Proben. Für die Show in Bad Vilbel bereiten sie sich heute und morgen vor. Erst dabei legen die sechs Sänger und Sängerinnen fest, wer was singen darf, erzählt Smykla. »Diese Luft können wir uns nehmen, weil jeder die Stücke beherrscht.«

Gespielt werden »stimmungsvolle Balladen und feurige Arrangements aus der Latin-Abteilung« von Spitzenkomponisten wie Carlos Jobim, Ivan Lins und Dizzy Gillespie, heißt es in der Ankündigung. Präsentiert werden die Lieder von der hauseigenen Big Band Kicks and Sticks, in der die Orchestermitglieder ab 18 Jahren aktiv sind, und die schon im australischen Sydney von 80 000 Menschen bejubelt wurde.

Caro Smykla freut sich auf das Quasi-Heimspiel, sagt sie. Ihre Mama als ihr größter Fan wird da sein. Und nach dem Konzert, so viel darf man hoffen, sollten ein paar neue Bewunderer hinzugekommen sein. Schließlich gibt es da noch diesen Traum von diesem legendären englischen Konzertsaal. (Foto:pv)

»Corazón Latino Especial« heißt das Programm, welches das Landesjugendjazzorchester am Sonntag, 11. August, ab 12 Uhr auf der Bad Vilbeler Wasserburg spielt. Karten kosten zwischen 16 und 28 Euro und sind im Kartenbüro im Klaus-Havensteinweg 1 erhältlich.



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