10. März 2019, 06:00 Uhr

Neuer Hofladen

Am Dottenfelderhof wird’s ernst

Mehr Komfort für die Kunden und mehr Ruhe auf dem historischen Anwesen – das erhofft man sich am Dottenfelderhof vom Neubau des Hofladens. In wenigen Wochen soll es losgehen. Die Pläne stehen größtenteils, jetzt wird an den Details gefeilt. Ein Überblick.
10. März 2019, 06:00 Uhr
AGS
Hier kann es zwischen Besuchern und dem Lieferverkehr eng werden: Der Dottenfelderhof will mit seinem zweigeteilten Hofladen in ein neues Gebäude ziehen, um das Hofgut zu entlasten. (Archivfoto: Kopp)

D er Frühling beschert den Bio-Landwirten des Dottenfelderhofes Jahr für Jahr lange, arbeitsreiche Tage. Die Felder wollen bestellt, die Weiden gewalzt und die Saat-Speicher geleert werden. Die wohl wichtigste Aufgabe wartet für die Bad Vilbeler dieser Tage aber ausnahmsweise nicht auf dem Acker, sondern schlummert in einer Schreibtischschublade: Die Pläne für den Bau des langersehnten neuen Hofladens.

Vor mehr als zehn Jahren hat der in der ganzen Region bekannte Demeter-Betrieb das Projekt angestoßen. Erst diesen Januar hat das Regierungspräsidium in Darmstadt die jüngste Änderung des Bebauungsplans abgesegnet. Jetzt wartet noch eine bürokratische Hürde: Der vereinfachte Bauantrag bei der Stadt. »Wir wollen ihn in den nächsten Tagen einreichen«, erklärt Hofladen-Leiter Peter Hollerbach. Er hofft, dass Ende März die Erdarbeiten beginnen können. »Das ist sportlich«, befindet der Betriebswirt dennoch.

Bis zu 500 Kunden täglich

Aber der Neubau ist für den »Dotti« eben dringend notwendig, wie sich auch an diesem Vormittag zeigt: Der derzeit zweigeteilte Hofladen ist gut frequentiert, in den Gängen wird es manches Mal eng. Auch im Hofcafé findet sich kaum noch ein Sitzplatz. »Dabei ist heute ein ruhiger Tag«, sagt Hollerbach. Unter der Woche gehen seinen Angaben nach jeden Tag zwischen 400 und 500 Menschen auf dem Hof zwischen Gronau und der Bad Vilbeler Kernstadt einkaufen. Am Wochenende sind es nochmal mehr.

Ihnen soll der neue Laden, der auf dem derzeitigen Schotterparkplatz am Hofeingang entstehen wird, mehr Platz und Komfort bieten. Die Pläne des Architekten für das Holzhaus stehen schon, an der Raumaufteilung werde noch gefeilt, verrät Hollerbach. Rund 700 Quadratmeter Verkaufsfläche wird das Gebäude am Ende haben, fast doppelt so groß ist es insgesamt, soll es doch auch Büros, Lager und Kühlräume beherbergen.

Café zieht in ehemaligen Laden

Dazu wird der Neubau quasi dreigeteilt: Vorn kaufen die Kunden ein, dahinter werden Wurst und Käse verarbeitet und auf der Rückseite des Gebäudes hat der Lieferverkehr ausreichend Platz, um zu rangieren. Noch muss dieser bis auf das historische Anwesen fahren, dort kann es dann, vor allem wenn viel los ist, im Zweifel sogar gefährlich werden.

Mit den neuen Plänen entzerre sich die Situation, erklärt Hollerbach. Das Hofcafé wird vom Provisorium in eine der frei werdenden Ladenflächen umziehen, die beiden Läden wandern nach vorn ins neue Gebäude. Wer also nur einkaufen möchte, kann auf einem der 50 Parkplätze oder an den Fahrradständern, die an der Zufahrt von der Büdinger Straße neu angelegt werden, halt machen. Wer Café oder Landbauschule besuchen möchte, kann nach hinten aufs Gut durchgehen.

Nicht zuletzt entlastet das an publikumsstarken Tagen auch die 100 Menschen, die auf dem Dottenfelderhof wohnen. »Der Hof wird wieder beschaulicher,« sagt Hollerbach.

Auch energetisch soll der neue Hofladen modern werden. Die hölzerne Gebäudehülle wird nach Niedrigenergiestandard .gebaut. Der Strom kommt teilweise aus dem Holzvergaser des hofeigenen Blockheizkraftwerks. Außerdem wird die Abwärme der Kühlräume für die Warmwasserbereitung und die Heizungen genutzt. 50 Apfelbäume haben die Landwirte bereits gepflanzt, um die durch das Projekt verbrauchten Flächen auszugleichen.

Neue Unverpackt-Abteilung

Mehr als drei Millionen Euro investiert die Hofgemeinschaft in das Großprojekt, ein finanzieller Kraftakt. Auch wenn ein steigender Umsatz durch den erweiterten Hofladen, »nicht das erste Ziel« sei, wie Hollerbach sagt, dürfte dieser dem auf die Direktvermarktung angewiesenen Betrieb also nicht ungelegen kommen. Die Waren und deren Bandbreite besser in Szene setzen, wolle man vor allem, sagt Hollerbach. Mehr als 2000 Produkte hat der Hof im Angebot. Wo es vorher vielleicht nur zwei Möhrensorten gab, sollen im neuen Geschäft auch ungewaschene Möhren, neben Sorten zum Kochen und solchen zum Direktverzehr liegen.

Einziehen soll auch eine erweiterte unverpackt-Abteilung, außerdem denkt das Team um Hollerbach darauf herum, wie man die Warenherstellung im Laden sichtbar machen kann, beispielsweise indem dort live Fleisch zerlegt wird. »Der Weg unserer Produkte soll nachvollziehbar werden«, sagt Hollerbach. Zur Produktkette gehören auch die zwei Dutzend Landwirte aus der Region, die auf dem Dotti ihre Anbauprodukte oder ihr Fleisch anbieten. Mit ihnen will der Betrieb die Zusammenarbeit intensivieren.

Es bleibt also noch genug zu tun bis der neue Laden im nächsten Frühjahr, spätestens aber zum Hessentag eröffnet.

Info

Weitere Neubauten gewünscht

Das neue Hofladen-Gebäude ist nicht das einzige große Bauprojekt, das die Gemeinschaft des Dottenfelderhofes in der Pipeline hat. Auf der Wunschliste stehen auch ein neuer Kuhstall, eine Maschinenhalle, ein Getreidelager und ein weiteres Wohngebäude. Peter Hollerbach geht aber davon aus, dass es, bis diese Ideen realisiert sind, bis zu 20 Jahren dauern könnte. Einerseits muss der Demeter-Betrieb die Neubauten finanziell stemmen können, andererseits stehen jeweils komplexe, oft langwierige Genehmigungsverfahren aus, da sich der Hof etwa an den städtebaulichen Vertrag mit der Stadt halten muss, der auch den Denkmalschutz einschließt. (ags)

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