24. Mai 2018, 14:00 Uhr

Wohngebiete

42 Prozent teurer: Bodenpreise in Bad Vilbel explodieren

Die Bodenpreise in Bad Vilbel sind seit 2016 um bis zu 42 Prozent angestiegen. Was vor allem junge Familien vor hohe Hürden stellen dürfte.
24. Mai 2018, 14:00 Uhr
Vorbereiten auf neue Bewohner: Im Quellenpark wird kräftig gebaut, so wie hier bei Investor Dietmar Bücher. (Foto: kop)

Es war zu erwarten: Die Bodenrichtwerte rund um den Ballungsraum Frankfurt steigen in Wohngebieten weiterhin deutlich an. Die Gutachterausschüsse des Main-Kinzig- und des Wetteraukreises haben jetzt rückwirkend zum 1. Januar 2018 die Bodenrichtwerte für dieses und das kommende Jahr festgelegt. Die größte prozentuale Veränderung zum Jahr 2016 – dem jüngsten Gutachten – ist in Bad Vilbel zu verzeichnen, wo sich der Wert in besonders guten Wohnlagen um bis zu 42 Prozent erhöht hat.

Die große Nachfrage nach Baugrundstücken und die Bereitschaft der Käufer, auch stark gestiegene Preise zu zahlen, haben zu dieser Entwicklung geführt, heißt es beim Amt für Bodenmanagement in Büdingen, das hessenweit Bodenrichtwerte herausgibt. Diese können Interessierten eine Orientierung dazu geben, was ein unbebautes Grundstück oder der Boden eines bebauten Grundstücks wert ist. Da die Festlegungen wird dabei für ganze Zonen getroffen.

 

Keine Steigerung in Randlagen

 

Nachgefragt sind demnach im Ballungsraum vor allem Grundstücke in guter Lage. Klaffen Angebot und Nachfrage jedoch auseinander, wie rund um Frankfurt der Fall, weichen die Käufer derzeit bevorzugt in die Städte Bad Vilbel, Hanau und Maintal aus.

Die Tendenz steigender Bodenrichtwerte setzt sich entlang der Hauptverkehrsachsen fort. Leichte konjunkturelle Anstiege seien bei Wohnbauflächen im östlichen Main-Kinzig-Kreis und der östlichen Wetterau zu verzeichnen. In den Randlagen der Kreise in Richtung Vogelsberg und Spessart bewegten sich die Werte weitgehend auf dem Niveau der Vorjahre.

 

Preise wie in Kronberg

 

Im Wetteraukreis wurde der durchschnittliche Anstieg der Bodenpreise in vier Bereiche aufgeteilt. Bad Vilbel, Karben und Rosbach fallen in die höchste Kategorie mit einem durchschnittlichen Anstieg von fast 21 Prozent. Danach folgt ein Streifen, der sich von Butzbach über etwa Bad Nauheim und Friedberg bis nach Limeshain zieht. Hier wird die durchschnittliche Steigerung mit knapp 12,8 Prozent angegeben. Ein dritter Bereich zieht sich von Münzenberg in südöstlicher Richtung bis nach Büdingen (11,9 Prozent); Hirzenhain, Gedern und Kefenrod bleiben im niedrigsten Sektor (6,5 Prozent).

Die Zeitschrift »Capital« führt Bad Vilbel trotz der Preissteigerungen unter den zehn beliebtesten Wohnlagen in Hessen auf, begleitet von illustrer Nachbarschaft wie etwa Königstein und Kronberg im Taunus. 14 Faktoren hat die Zeitschrift dafür bewertet. Dabei sind Kommunen mit mehr als 5000 Einwohnern berücksichtigt, allerdings keine Großstädte. Für Bad Vilbel prognostiziert die Studie von 2012 bis 2030 ein Wachstum von 5,7 Prozent. Das entspräche 2000 Neubürgern. Die Prognosen der Stadt aber fallen höher aus, rund 3500 Bürger werden hier allein für den Quellenpark angegeben.

 

Auch Mieten steigen extrem

 

Von der Bevölkerung werden 25 Prozent als hochqualifiziert bezeichnet, was sich auch in der Kaufkraft pro Haushalt von 59 050 Euro pro Jahr niederschlägt. Doch müssen Bad Vilbeler und Zuzugswillige auch immer tiefer in die Tasche greifen, wenn sie ein Haus kaufen oder eine Wohnung mieten: Der Hauspreis ist seit 2013 um 41,6 Prozent angestiegen. Unter den genannten hessischen Top-Kommunen nur noch von Kronberg mit 45,8 Prozent übertroffen. Wohnungen kosten im Fünf-Jahres-Vergleich 33,3 Prozent mehr, hier ist Maintal mit 63,1 Prozent führend. Die Miete für eine Wohnung ist in Bad Vilbel um 12,7 Prozent gestiegen, die Stadt verzeichnet damit den viertgeringsten Anstieg der zehn genannten Kommunen. Hier liegt Idstein mit 19,2 Prozent an der Spitze.

Was auch Stadtwerke-Betriebsleiter und Stadtrat Klaus Minkel (CDU) anführt: »Wir liegen im Vergleich im Mehrjahreszeitraum sehr günstig, auch der regen Bautätigkeit geschuldet, wodurch der Mietermarkt in Bewegung bleibt.« Gering- und Mittelverdienern würden bald Wohnungen und rund 80 Reihenhaus-Bauplätzen in Dortelweil-West angeboten. Größere Wohnanlagen für kleine und mittlere Einkommen sowie anerkannte Flüchtlinge sollen im Berkersheimer Weg, am Massenheimer Friedhof und am Alt-Dortelweiler Friedhof entstehen.

Meinung

Totgeburt droht

Die aktuelle Niedrigzinsphase macht es für Investoren uninteressant, Wohnungen mit Sozialbindung zu bauen. Als Ex-Landrat Joachim Arnold im Dezember angekündigt hatte, einen Zweckverband für bezahlbaren Wohnraum auf den Weg zu bringen, klang das gut. Doch ohne ein Mitziehen der einwohnerstärksten Städte Bad Vilbel, Karben oder Bad Nauheim, mit ihren jeweils eigenen Wohnungsbaugesellschaften, wird dieser Zweckverband zu wenig Kapital aufbringen können, um im großen Stil zu bauen. Wenn er zustande kommt, dann wohl nur mit den kleineren Kommunen. Dort, wo die Mieten und Grundstückspreise ohnehin niedriger ausfallen als entlang der Hauptverkehrsachsen. Eine Totgeburt droht. Von Thomas Kopp

 

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