02. August 2017, 20:10 Uhr

30 Jahre Partnerschaft – Wie geht’s weiter?

02. August 2017, 20:10 Uhr
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Von Christine Fauerbach
J. Wilbert

Wie geht es nach dem Brexit mit der Partnerschaft zwischen Glossop und Bad Vilbel weiter? Immerhin besteht diese Partnerschaft seit 30 Jahren. Am heutigen Donnerstag reisen 21 Bad Vilbeler, unter ihnen auch Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr und vier Vilbeler, die erstmals dabei sind, nach Glossop. »Eine Familie fährt mit dem Auto und verbindet den diesjährigen Austausch mit einem längeren Englandurlaub«, verrät Jochen Wilbert, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins. Die Mehrheit der Gruppe ist bei privaten Gastgebern untergebracht. Der Verein ist ein Jahr jünger als die Städtepartnerschaft. Er wurde 1988 gegründet und hat knapp 100 Mitglieder. »Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder liegt knapp über 60 Jahre. Das jüngste Mitglied ist 34 Jahre und das älteste Mitglied 92 Jahre alt.«

Unterzeichnet wurde die Verschwisterungsurkunde Ende Mai 1987 in Bad Vilbel und im September 1987 in Glossop. Für die Vilbeler Delegation ist es der erste Besuch in Glossop nach der Brexit-Entscheidung. »Bereits kurz nach dem Brexit-Votum haben wir zum Vilbeler Markt Freunde aus Glossop bei uns begrüßt«, erzählt Wilbert. Damals wie auch in diesem Jahr ist ihm bei Begegnungen aufgefallen, dass »Engländer mehr Deutsch sprechen als zuvor«. Teilweise könnten sie dies sehr gut wie eine Lehrerin, die sogar akzentfrei Deutsch spreche, oder eine Austauschschülerin, die in Frankfurt war und ihre Freunde in Vilbel besuchte. »Seit dem Brexit hat sich für uns als Verein eigentlich nichts geändert. Dennoch denke ich, dass die Bedeutung unseres Partnerschaftsvereins und die damit verbundenen langfristigen Verbindungen nach England heute viel wichtiger geworden sind als zuvor«, sagt Wilbert. »Durch die immer schnelleren Kommunikationsmöglichkeiten werden viele Bits und Bytes bewegt, aber was kommt in den Herzen an?«, fragt er. Für ihn sind die Treffen von Bürgern beider Städte das Fundament für Völkerverständigung und Freundschaften. »Der Vorteil als Vereinsmitglied ist, dass wir mit den Bürgern Glossops leichter in Kontakt kommen als Einzelreisende. Meist pflegen wir längerfristige Kontakte, die bereits bis zu drei Generationen umfassen.« Eine wichtige Rolle spielte die Generation der Großeltern, die ihren Kindern und Enkeln einen anderen, über den reinen Tourismus hinausgehenden Weg der Völkerverständigung mitgeben wollten und diese Treffen immer wieder initiierten.

Die Freunde in Glossop kämen aus vielen Berufen wie ein Busfahrer, Anwälte sowie pensionierte und aktive Deutschlehrer. Aber auch Politiker wie der konservative Andrew Bingham (MP). »Ich bin gespannt, ob wir ihn dieses Mal wieder treffen. Er ist für den Brexit, verlor im Zuge der Neuwahlen im Juni die Mehrheit in seinem Wahlkreis.« Die neue Vertreterin Glossops im Parlament sei die Labour-Abgeordnete Ruth George.

Bingham kenne Deutschland bereits seit seiner Schulzeit, war als Austauschschüler in Friedberg. Bis heute schwärme er von der Stadt und ihren Bewohnern. Die Reise nach Glossop sei auch immer ein Eintreten für den Frieden in Europa besonders in Zeiten erneut aufflammenden Nationalismus in einigen EU-Mitgliedsstaaten. Zu den Zielen des Partnerschaftsvereins gehöre die Förderung und Pflege ständiger Kontakte auf möglichst vielen Ebenen, um das gegenseitige Verständnis zu erhöhen und den Erfahrungsaustausch anzuregen. Auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf kultureller, sportlicher und gesellschaftspolitischer Ebene solle laut Satzung, wie der Schüler- und Jugendaustausch, gefördert werden. Angeregt werden soll ferner die Zusammenarbeit mit Institutionen, Organisationen, Vereinen und der Wirtschaft. Für die Freunde und Gäste aus Bad Vilbel haben die englischen Gastgeber ein umfangreiches Programm vorbereitet.

Zum Welcome gibt’s im »Windy Harbour«-Hotel in den Hügeln außerhalb der Stadt die Reden der Vereinsvorsitzenden und Politiker. Am Freitag steht ein Tagesausflug an mit Museumsbesichtigung und Besuch des Straßenbahndorfes »Tramway Village«. Am Samstag sind Gastgeber und Gäste in kleinen Gruppen unterwegs. Der Besuch endet am Sonntag mit einem ökumenischen Dankgottesdienst. (Foto: cf)



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