23. Januar 2015, 18:53 Uhr

Warten, bis der Hausarzt da ist

Bad Vilbel (ach). Es ist noch alles vorhanden – die Praxisausstattung schlummert in den Kellerräumen des Bad Vilbeler Mediziners Dr. Ansgar Schultheiß. »Wir haben alles verpackt – Medikamente, Verbandmaterial, Gerätschaften. Wir könnten innerhalb von einer Woche wieder eine funktionsfähige Notdienstpraxis einrichten«, sagt Schultheiß.
23. Januar 2015, 18:53 Uhr
Sie könnten sofort damit anfangen, wieder eine Notdienst-Praxis einzurichten: Dr. Peter Zierz (l.) und Dr. Ansgar Schultheiß. (Foto: Antje Christ. Grunenberg-Heuer)

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Der ärztliche Notdienst in der Seniorenresidenz Quellenhof war zum 1. Juli vergangenen Jahres aufgrund einer Strukturreform der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) geschlossen worden. Diese Entscheidung traf auf einen Sturm der Entrüstung in der südlichen Wetterau. Annähernd 5000 Unterschriften waren gesammelt und an Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr überreicht worden. Doch bislang fruchten offenbar alle Proteste und Bemühungen auch seitens der Stadtregierung nicht, die Notdienstpraxis wieder zu öffnen. Vielmehr müssen die hilfesuchenden Patienten an den Wochenenden sowie in den Abend- und Nachtstunden nach Frankfurt ins Bürgerhospital oder in die Bereitschaftsdienstzentrale im Gallus fahren. Außerdem besteht in Notfällen die Möglichkeit, die Rufnummer 116 117 zu wählen und um einen ärztlichen Besuch zu bitten. »Wir haben gehört, dass dies etwa anderthalb Stunden dauert, bis dann nachts ein Arzt nach Hause kommt«, berichtet Schultheiß. Er sowie der Koordinator des Bad Vilbeler ärztlichen Notdienstes, Dr. Peter Zierz, sind erstaunt darüber, dass sich der Protest gegen die Notdienst-Schließung nicht in Form der ausgelegten Fragebögen vehementer manifestiert. »Ich habe in sechs Monaten leider erst zwei ausgefüllte Bögen zurückbekommen«, sagt Schultheiß. Das sei zu wenig an Feedback.

Die Leute sollen auf den Fragebögen über ihre Erfahrungen mit der Inanspruchnahme des Notdienstes in Frankfurt berichten, appellieren die Vilbeler Mediziner. Doch das tun die Patienten offenbar nicht. »Es fahren relativ wenig Leute von Bad Vilbel nach Frankfurt zum Notdienst, die Leute sitzen ihre Krankheiten aus und warten, bis der Hausarzt wieder da ist«, weiß Schultheiß. Die KV führe Buch darüber, wer zum Notdienst ins Gallus oder Bürgerhospital komme. Wenn sich der Protest in Bad Vilbel nicht lautstärker äußere und sich auch im Laufe der Zeit nicht lege, nur dann habe man der KVH gegenüber auch ein Druckmittel, gibt Schultheiß zu bedenken. Laut Schultheiß klagt der Notdienst in Bad Nauheim seit der neuen Regelung wegen Überfüllung.

Dem könne dadurch abgeholfen werden, indem der ärztliche Notdienst in Bad Vilbeler wieder reanimiert würde. Dr. Zierz hat weitere Kollegen dazugewinnen können, so dass sich nunmehr über 60 Mediziner aus einem großen Einzugsgebiet, zu dem auch Karben und Niederdorfelden gehören, dem Bad Vilbeler Notdienst anschließen würden. Die KVH fordert, es müssen mindestens 50 für einen Notdienstbezirk sein. Außerdem haben die Stadtwerke dem Notdienst in Dortelweil Räumlichkeiten angeboten.

Im Gespräch ist derzeit außerdem eine weitere Veränderung: Die Notdienst-Station im Gallus soll geschlossen und in die Frankfurter Uni-Klinik verlegt werden.



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