09. April 2014, 19:48 Uhr

Grünes Licht für Wohnungsbau im Quellenpark

Bad Vilbel (pe). Im Quellenpark setzt die Stadt jetzt auf Wohnungsbau. Nahezu einstimmig, bei Enthaltung von Grünen und Neuer Fraktion, billigten die Stadtverordneten eine Magistratsvorlage, die den Verkauf von über 72 000 Quadratmetern Bauland an drei verschiedene Käufer vorsieht und der Stadt Einnahmen von über 50 Millionen Euro beschert.
09. April 2014, 19:48 Uhr
Der Quellenpark könnte in einigen Jahren Adresse von vielen Menschen werden: Das Stadtparlament hat dem Verkauf an drei Interessenten zugestimmt, die bis zu 700 Wohneinheiten errichten wollen. (Foto: Holger Pegelow)

Alle drei Anbieter sehen Wohnungsbau vor: Im Laufe von mehreren Jahren sollen etwa 700 Wohnungen errichtet werden.

Wie berichtet, will der Idsteiner Unternehmer Dietmar Bücher über 60 000 Quadratmeter zum Preis von 700 Euro je Quadratmeter von der Stadt kaufen. Rund 6400 Quadratmeter gehen zum selben Preis an die Tirschenreuther Kewog GmbH, und weitere 5800 Quadratmeter will die Aschaffenburger BCI Projektbau ebenfalls für 700 Euro je Quadratmeter erwerben.

Im Februar hatte die Stadt nach eigenen Angaben 150 gewerbliche Interessenten aufgefordert, Gebote für Teilflächen des Quellenparks abzugeben. Laut Magistratsvorlage wurden 23 Gebote abgegeben, die von 145 bis zu 704 Euro je Quadratmeter gereicht hätten. Bücher habe ein unwiderrufliches, bis zum 17. Mai befristetes notarielles Angebot abgegeben. Die Befristung erläuterte der Magistrat mit dem Vorstoß eines weiteren Investors, der bislang nicht namentlich genannt wurde. Er würde von der Stadt rund 114 000 Quadratmeter Wohnbauland und Mischgebiet sowie 118 000 Quadratmeter Gewerbefläche abkaufen. Der Preis dafür: rund 110 Millionen Euro. Das Angebot ließe sich aber nur realisieren, wenn für den gewerblichen Teil ein sogenannter Ankermieter oder -nutzer gefunden wird.

»Finanzielle Sicherheit«

Zwischen den Zeilen lässt sich aus der Magistratsvorlage aber herauslesen, dass man im Rathaus offenbar vor allem das Bücher-Angebot, aber ebenso die beiden anderen Angebote für Wohnungsbau favorisiert. Da die Alteigentümer der Grundstücke finanziell noch befriedigt werden müssten und »nicht auf ungewisse Zukunftserwartungen gebaut werden darf«, habe die finanzielle
Sicherheit Vorrang. Zudem habe es noch zwei weitere Bieter gegeben, »deren Angebot nach Umfang und Höhe mit dem Gebot Büchers vergleichbar ist«, erfuhren die Stadtverordneten. In einem Fall sei die Herausgabe eines notariellen Kaufangebotes abgelehnt worden. Zudem habe ein zweiter Bieter am 18. März ein Angebot für eine besonders begehrte Teilfläche abgegeben, allerdings habe der Abschluss mit Bücher am 20. März unmittelbar vor der Protokollierung gestanden.

Bebaut werden sollen die Grundstücke parallel zur Bahnlinie mit Geschosswohnungsbau, der das dahinter liegende Wohngebiet abschirmen soll. Im zweiten Baulos sind zwei Torhäuser vorgesehen mit Durchfahrtshöhen von 4,50 Meter. Im Anschluss an den Geschosswohnungsbau sind umfangreiche Flächen für Reihenhäuser und Doppelhaushälften geplant, westlich folgen parallel zu einem Grünstreifen hochwertige Baufelder mit dreigeschossigen sogenannten Punkthäusern, so die Magistratsvorlage.

Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr brachte die Vorlage ein, stellte den Stadtverordneten die inhaltlichen Grundzüge vor und meinte: Der Magistrat sei überzeugt davon, »dass der Quellenpark nun eine gute Entwicklung nehmen wird«. Es fand nur eine kurze Debatte statt. Als erster Redner sagte SPD-Fraktionschef Walter Lochmann, für seine Fraktion sei es »keine Überraschung, dass nun Wohnbebauung kommt«. Schon lange habe man diesen gefordert. Man wolle darauf achten, dass »auch bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum geschaffen wird«. Ähnlich äußerte sich der Grünen-Stadtverordnete Ulrich Rabl: Die Grünen forderten den Wohnungsbau an dieser Stelle schon lange. Die Stadt habe erst auf Gewerbebau gesetzt, »aber das hat bisher so nicht funktioniert«. Man wisse, »dass Bücher das gut kann«, wolle aber »nicht die Katze im Sack kaufen«, betonte Rabl angesichts des nicht genannten Interessenten, der einen Ankermieter besorgen soll.

Massenheimer Teil verkauft

Stadtrat Klaus Minkel verteidigte sich gegen den Vorwurf, dass die Stadt erst Gewerbebau realisieren wollte und nun auf Wohnungsbau umgeschwenkt sei. »Die Bahnunterführung ist erst vor zwei Jahren fertig geworden. Vorher war gar nicht an Wohnungsbau zu denken.« (Zum Hintergrund: Das westlich vom Nordbahnhof gelegene Baugebiet ist vom Bahnhof aus fußläufig zu erreichen.) Der Stadtrat informierte, dass man hier nur über den auf Vilbeler Gemarkung liegenden Teil des Quellenparks spreche. »Der Massenheimer Teil ist so gut wie verkauft an Vilbeler Firmen.« Die Ansiedlung von Gewerbe sei für eine ausgewogene Stadtentwicklung notwendig.

Tobias Utter (CDU) sagte, mit dem Verkauf der Grundstücke komme mehr Geld in die Stadtkasse, als es mit dem China-Geschäft der Fall gewesen wäre. Ralph Mallmann (Neue Fraktion) begründete die Enthaltung seiner Fraktion damit, dass man beim Angebot C sogar mehr Wohnbaufläche verkaufen könnte. Raimo Biere (FDP) widersprach: »Angebot C ist nicht spruchreif, deswegen stimmen wir für den Verkauf an
Bücher.« Und FW-Fraktionsvorsitzender Martin Gecks sagte: »Wir sollten die Gelegenheit ergreifen, wenn wir als Stadt viel Geld einnehmen können.«

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