19. Juli 2012, 10:44 Uhr

»Politiker müssten sich entschuldigen«

Bad Vilbel (khn). Jens Völker von der CDU begrüßt es, dass eine politische Mehrheit für das Christeneck als Standort für das Jugendhaus auf dem Heilsberg sei. Endlich. Doch die Arbeit sei damit noch lange nicht getan. Schließlich soll der Treffpunkt für Jugendliche und Kinder »ein Vorzeigeprojekt der Stadt« werden.
19. Juli 2012, 10:44 Uhr
Einen Blick auf den Taunus soll der Treffpunkt für Kinder und Jugendliche am Christeneck bieten. (Foto: khn)

Die Wellen waren in den vergangenen Wochen hochgeschlagen. Jahrzehntelang hatten Heilsberger für ein Jugendhaus in ihrem Stadtteil gestritten. Getan hatte sich unter der ebenso lange währenden Regentschaft der CDU-Mehrheit im Ortsbeirat freilich nichts. Zwischenzeitlich hatten Mitglieder der Heilsberger Bürgerinitiative (BI) die Hoffnung, dass sich nach der Kommunalwahl und dem Wechsel zu einer rot-grünen Mehrheit im vergangenen Jahr etwas ändern würde. Fehlanzeige, urteilten zwei Mitglieder Anfang Juni im Gespräch mit der Wetterauer Zeitung und lösten damit eine kontroverse Diskussion aus. Udo Ostarek und Petra Schärpf kritisierten Rot-Grün im Allgemeinen und Ortsvorsteher Christian Kühl (SPD) im Speziellen – und zwar massiv. Sie sprachen dabei auch die ihrer Meinung nach hadernde Haltung der beiden Parteien in Sachen Jugendhaus an.

Mit ihrer frontal gerittenen Attacke provozierten Ostarek und Schärpf viele Misstöne – aber auch eine Reaktion. Manfred Kissing (Grüne) und Kühl erklärten Anfang Juli während eines Pressegesprächs, dass sie sich für das Christeneck als Standort für ein Jugendhaus aussprächen. Wenig später machten weitere Kommunalpoltiker wie von der FDP vor Ort ihre Aufwartung. »Die haben sich gedacht, der Völker ist gerade im Urlaub, dann preschen wir nach vorne«, sagt Völker mit einem Augenzwinkern und lacht.

Das Zugpferd der Christdemokraten in dem Stadtteil begrüßt den Entschluss von Rot-Grün für ein Jugendhaus am Christeneck. Was die Einzelheiten angeht, hat er aber an einigen Stellen andere Vorstellungen. Unter anderem lehnt er den Vorschlag der Ortsbeirats-Partner ab, das Jugendhaus zu unterkellern, um dort Proberäume unterzubringen. »Ein Keller ist bei den Baukosten von 300 000 Euro nicht drin«, sagt er. Das würde zusätzlich 50 000 Euro kosten, da die Barrierefreiheit mit einem Aufzug garantiert werden müsse.

»Wir können nicht riskieren, dass das Projekt teurer wird«, betont er, »denn ansonsten blockiert die Stadt.« Wo die Jugendlichen dann Musik machen können, ohne das Nachbarn auf die Barrikaden gehen? Völker grinst, bevor er sagt: »Proberäume können im möglichen Bürgerhaus auf der Zigeunerwiese untergebracht werden.« Denn das solle auf jeden Fall unterkellert werden.

Auch die Größe der Dirtbike-Bahn – 7000 Quadratmeter – steht für Völker nicht zur Debatte. Kissing und Kühl hatten angeregt, die Strecke zu verkleinern und stattdessen weitere Plätze für mobile Spieleinheiten wie Tore oder Basketballkörbe einzuplanen. »Diese Bahn ist essenziell für das Projekt«, betont Völker. Denn damit sollen auch Kinder und Jugendliche aus anderen Stadtteilen auf den Heilsberg gelockt werden. »Die Bahn könnte wie ein Magnet wirken und dafür sorgen, dass am Christeneck in Zukunft einiges los sein wird.« Werde sie kleiner, nehme gleichzeitig die Attraktivität ab, rechnet er vor.

Doch was ist, wenn Dirtbike-Fahren mal out sein sollte? Völker lacht. »Dann machen wir die Bahn mit dem Bagger platt. Es ist schließlich nur aufgeschüttete Erde.« Die Idee von Rot-Grün, einen Platz mit mobilen Geräten auszustatten, begrüßt Völker. Er kritisiert jedoch die »passive Politik« des rot-grün geführten Ortsbeirats. Kühl und Kissing hatten bemängelt, dass die Stadt sie nicht ausreichend informiere. »Man muss dranbleiben«, sagt Völker. »Einmal anrufen reicht nicht. Man muss den Leuten auf die Nerven gehen.«

Eines müsse klar sein, betont der CDUler: »Hier in Bad Vilbel gibt es oft sehr hohe Ansprüche, und davon müssen wir uns ab und an verabschieden.« Unter anderem sei es nicht möglich, an jedem Standort alles anbieten zu können. »Danach muss das Jugendkonzept ausgerichtet werden«, sagt Völker. Zwar sollten die jeweiligen Stätten, an denen sich Kinder und Jugendliche treffen, leicht erreichbar sein. Aber eine zusätzliche Busanbindung ans Christeneck – wie von Kühl und Kissing ins Gespräch gebracht – sei nicht geplant.

Kein Verständnis hat Völker für die Kritik der 22 Anwohner des Christenecks. Die hatten mit Klagen gedroht, sollte die Stadt ein Jugendhaus auf dem Areal bauen. Sie sorgten sich, heißt es in einem Schreiben, dass das Gebiet zu einem sozialen Brennpunkt mit betrunkenen Jugendlichen werden könnte und eine Gefahr für Mädchen sei. Völker ärgert sich darüber. »Für solche Äußerungen müssten sich Politiker entschuldigen«, sagt er. Er könne verstehen, dass Anwohner Bedenken hätten, »aber hier geht es um das Wie«. Die Unterzeichner des Briefes zeigten keinerlei Kompromissbereitschaft. »Dabei ist nicht nur eine breite politische Mehrheit, sondern auch das Gros der Heilsberger dafür.« Eine Möglichkeit, die Anwohner in das Projekt Jugendhaus miteinzubeziehen, wäre gewesen, regelmäßig ein Treffen mit Jugendlichen und der Jugendpflege zu organisieren. »Dann könnten alle gemeinsam diskutieren, was gut und was schlecht gelaufen ist.« So hätten die jungen Menschen in die Pflicht genommen werden können.

Aber auch die FDP bekommt ihr Fett weg. Hintergrund: Die zwei liberalen Stadtverordneten Jörg-Uwe Hahn und Kai König sowie Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn und Sozialamtsleiterin Gesine Wambach hatten zu einem Pressegespräch am Christeneck eingeladen. »Es hat mich verwundert, dass die FDP einen Ortstermin veranstaltet, ohne uns als Koalitionspartner darüber zu informieren«, kritisiert Völker. »Die Partei ist nicht im Ortsbeirat vertreten und kennt die Diskussionen doch gar nicht.«

»Wir wollen Jugendliche mit einbeziehen«, betont Völker schließlich, »und nicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden.« Auch deshalb werde die Dirtbike-Bahn so groß. »Es besteht auf jeden Fall Bedarf.« Doch auch Kleinere sollten fürs zukünftige Jugendhaus begeistert werden. Völker kann sich einen Outdoorbereich mit Sandkasten und Schaukeln vorstellen. »Und die Eltern sitzen im Café mit Blick auf den Taunus.«

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