03. Juli 2012, 10:43 Uhr

Projekt mit Modellcharakter entsteht im Quellenpark

Bad Vilbel (khn). Im Gewerbegebiet »Quellenpark« sollen acht Doppelhaushälften und acht Reihenhäuser entstehen, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen. Geplanter Baubeginn ist noch Ende diesen Jahres; einziehen sollen die ersten Besitzer im Frühjahr 2013.
03. Juli 2012, 10:43 Uhr
Jeweils acht Doppelhaushälften und Reihenhäuser sollen im Quellenpark entstehen. Ihr besonderes Merkmal: Sie erzeugen mehr Energie als sie verbrauchen. (Grafik: pv)

Die Bundesregierung unterstützt das Projekt und spricht von einem Modellcharakter. »Energie wird bald nicht mehr bezahlbar sein«, sagt Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, bei einem Pressegespräch bei Lahmeyer in Dortelweil. »Diese Technik wird in den nächsten Jahrzehnten Standart sein. Hier können Menschen sie sehen und erleben.«

Umgesetzt wird das Projekt in der Quellenstadt – und ein weiteres im Frankfurter Ried – von der Unternehmensinitiative »Plus Energie Frankfurt-Rhein-Main«. Daran beteiligt sind das Baumanagement-Unternehmen Lahmeyer aus Dortelweil, der osthessische Häuslebauer Bien-Zenker die Nassauische Heimstätte Wohnstadt und Opel. Entwickelt wurde es zuvor in Gesprächen im Ministerium für Bau, Verkehr und Stadtentwicklung unter der Federführung von Bomba, sagt German Halcour, Geschäftsführer von Lahmeyer.

Die Gebäude in Bad Vilbel werden von Bien-Zenker gebaut. »Auf den Wohnungssektor entfallen 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland«, sagt Bien-Zenker-Vorstandssprecher Günter Baum. Einsparpotenzial seien vor allem beim Neubau von Häusern und Wohnungen vorhanden. Wer die Themen Energie und Nachhaltigkeit nicht berücksichtige, müsse mittelfristig den Wert seines Hauses »deutlich nach unten korrigieren«.

Das soll beim Projekt in der Quellenstadt nicht der Fall sein. Für die Doppelhaushälften gelte der sogenannte Plus-Energie-Standart, die acht Reihenhäuser sind »KfW-Effizienzhäuser 55«, sagt Baum. Was sperrig klingt, lässt sich auf eine einfache Formel bringen. »Die Gebäude erzeugen im Jahr mehr Energie als sie verbrauchen.« Warum ausgerechnet Bad Vilbel für dieses Projekt im Rhein-Main-Gebiet ausgesucht worden ist? Vor allem wegen der günstigen Verkehrslage. Der Nordbahnhof sei in drei Minuten, der Frankfurter Hauptbahnhof in 16 Minuten erreichbar. Wer zum Flughafen wolle, brauche 40 Minuten mit dem öffentlichen Nahverkehr, sagt Baum.

Etwa 9700 Kilowattstunden (KWh) soll das Haus im Jahr produzieren, sagt Bauer. Dafür stehen Fotovoltaikanlagen und Geräte zum Heizen, Lüften und Kühlen mit regenerativen Energien zu Verfügung. Der Sonnenstromspeicher hat eine Kapazität von 24 KWh. »Dieser könnte zwei Tage lang den gesamten Energiebedarf decken, sollte es weder Sonne noch Strom aus der Steckdose geben«, sagt Baum. Ziehe man von den 9700 KWh Wasser, Hilfs- und Haushaltsstrom ab, bliebe ein Überschuss von über 3000 KWh. Dieser könne ins Netz gespeist werden, sagt Baum. Es ließen sich aber auch Elektroautos und E-Fahrräder aufladen. Eine Aufladestation sei aber kein Muss. Der Autohersteller Opel will der gesamten Siedlung für ein Jahr ein Elektroauto zu Verfügung stellen – Stichwort: Carsharing.

»Wir verbinden Mobilität mit Immobilien«, sagt Rüdiger Wiechers, der sich in Bad Vilbel als Stadtrat um Wirtschaftsfragen kümmert. Insgesamt ist die Siedlung 4200 Quadratmeter groß, pro Grundstück sind es 200 bis 300 Quadratmeter. Die Wohnfläche liegt zwischen 150 und 160 Quadratmetern. Hinzu kommen bei den zweigeschossigen Doppelhaushälften noch Dachterrassen und Keller. Der Kaufpreis beginnt bei 495 000 Euro. Die Wohnfläche bei den Reihenhäusern liegt bei 140 Quadratmetern. Kostenpunkt: ab 360 000 Euro.

Staatssekretär Bomba bezeichnet das Modellprojekt als »eine der Hauptsäulen der Energiewende«. Die Technologie sei international begehrt und könne dazu beitragen, Häuslebauer beim Energiesparen zu unterstützen. Ziel müsse sein, frei von Kohlenstoffdioxidemission (CO2) zu wohnen. Laut Bauer sollen die Häuser davon 6,3 Tonnen einsparen können. Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet werden, sagt Bomba: »Wir wollen genau wissen, welche Energie wir wann produzieren und wie wir sie wie und wann nutzen.«



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos