05. Juni 2012, 10:38 Uhr

Der alte Asphalt muss weichen

Bad Vilbel (khn). Matthias Bremer schaut das Stück Gestein in seiner Hand abschätzig an. Das soll er also sein, der Bösewicht: schwarz, mit Löchern wie bei einem Schweizer Käse. Der Leiter des Tiefbauamts vermutet, dass der Drainasphalt an der Frankfurter Straße für Stolperfallen verantwortlich ist.
05. Juni 2012, 10:38 Uhr
Mitarbeiter der beauftragten Baufirma reißen die alten Gehwegplatten heraus und entfernen den Drainasphalt. (Foto: khn)

Sicher sind sich die Verantwortlichen nicht. Deswegen wird nun auf einem 90 Quadratmeter großen Areal dieser Asphalt für ein Jahr durch Schotter ersetzt.

Erster Stadtrat Jörg Frank spricht von einem Versuchsfeld für den neuen Unterbau des Pflasters und sagt, er verspreche sich »sehr viel« von diesem Test. Hintergrund: Im vergangenen Jahr nahmen die Beschwerden über sogenannte Stolperfallen entlang der Frankfurter Straße zu. Die SPD hatte sogar eine Demonstration organisiert, bei der etwa 60 Leute für eine rasche Sanierung der Gehwege plädierten. Der Vorwurf an die Stadt: Sie werde nicht aktiv, obwohl vor allem Ältere unter dem Zustand der Gehwegplatten leiden müssten, stürzten und sich dabei verletzten.

Im Dezember hatte Frank bei einem Pressegespräch schließlich angekündigt, das Tiefbauamt werde am sogenannten Dönerturm auf einer Fläche den Drainasphalt austauschen. Warum die Bauarbeiten jetzt erst beginnen? Frank bittet um Verständnis: »Wir mussten erst warten, bis der Haushalt genehmigt worden ist.« Das sei im Mai der Fall gewesen. Danach habe die Stadt noch ein passendes Bauunternehmen finden müssen.

Generell glaubt Frank, dass der Zustand der Frankfurter Straße nicht derart schlimm sei, wie es von den Gegnern dargestellt werde. Freilich gebe es aber Verbesserungspotenzial. Das bestätigt auch Bremer. Der Drainasphalt, der für die Schäden verantwortlich sein soll, sei in den 90er-Jahren verlegt worden. Eine Mode sei das damals gewesen, ergänzt Frank. Das Problem: Wenn Wasser einmal eingesickert ist, so erklärt es Bremer, kann es wegen des Asphalts nicht abfließen. Resultat: Das Nass drückt die Platten nach oben. Fußgänger können an den Kanten der Platten hängen bleiben, darüber stolpern und schlimmstenfalls stürzen.

SPD kritisiert Probebetrieb

Der Asphalt soll nun durch Schotter ersetzt werden. Der Splitt, der sich unter dem Drainasphalt befindet, soll je nach Zustand ausgetauscht werden. Hinzu kommt: Das Splittbett sei zu hoch, betont Bremer. »Wir werden es abtragen müssen.« Geplant ist außerdem, auf einer Fläche von 30 Quadratmetern an einer Zufahrt wegen der hohen Belastung durch Autos Betonsteinpflaster zu verlegen.

In spätestens acht Tagen sollen die Arbeiten beendet sein. Dann soll das Open-Air-Testlabor fertig sein. Kostenpunkt: 20 000 Euro. Ein Jahr lang wollen die Verantwortlichen dann prüfen, ob der neue Untergrund den Stolperfallen den Garaus macht. »Wir müssen mindestens eine Frostperiode warten«, sagt Frank. Der Grund: Vor allem bei Frost und bei gefrorenem Wasser unterhalb der Platten trete das Problem verstärkt auf. Hat sich die Stadt eigentlich bei anderen Kommunen informiert, ob diese die gleichen Probleme mit dem Asphalt haben? Hat sie gefragt, wie diese damit umgegangen sind? Bremer verneint diese Fragen.

Gerade diesen Umstand kritisiert SPD-Fraktionschef Walter Lochmann gegenüber der WZ. »Im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit sollte es doch möglich sein, andere Kommunen nach ihrer Erfahrung mit dem Asphalt zu fragen.« Außerdem frage er sich, warum sich die Verantwortlichen nicht informierten, welche Steine für einen stolperfallenfreien Gehweg geeignet wären. »Eine einjährige Probe scheint mir deshalb nicht zielführend zu sein.«

Lochmann widerspricht der Aussage Franks, der Zustand der Frankfurter Straße sei nicht so schlimm wie oft dargestellt. »Ich kann Ihnen Artikel von vor 20 Jahren zeigen, die das Problem der Stolperfallen behandeln. Der Zustand der Frankfurter Straße ist sehr wohl stark verbesserungswürdig.«



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