Bad Vilbel

Viele wollen Stammzellen spenden

Bad Vilbel (cf). Die Sporthalle »Am Siegesbaum« in Dortelweil war am Sonntag fest in der Hand von zukünftigen Stammzellenspendern. Unter den Freiwilligen zwischen 18 und 55 Jahren waren viele junge Leute und Ehepaare mit kleinen Kindern.
03. Juni 2012, 17:48 Uhr
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An den Tischen werden die Spendenwilligen von 30 Datenerfassern aufgeklärt und beim Ausfüllen der Einverständniserklärung beraten. (Foto: cf)

Eine von ihnen ist WZ-Leserin Sibylle Zimmermann gewesen. »Ich habe den Aufruf zum Spenden von Stammzellen in der Wetterauer Zeitung gelesen, das Foto von Emma gesehen und gedacht: Da gehe ich hin«, berichtete die Kernstädterin. Damit sie ihren spontan gefassten Entschluss nicht vergisst, legte sie sich den Zeitungsbericht auf den Küchentisch. Bevor sie die Einverständniserklärung als Spenderin unterschrieb, informierten sie Samuel Frenkel und Aaron Kopischle aus Wöllstadt, zwei der 30 Datenerfasser, über Details und Ausschlusskriterien. »Das sind Herz- und Lungenerkrankungen wie Herzinfarkt und schweres Bronchialasthma, Thrombosen, Krebs, Diabetes, Rheuma, Hepatitis B und C oder schwere Erkrankungen des zentralen Nervensystems«, zählte Aktionsbetreuerin Yvonne Renz von der Deutschen Knochenmarkspendendatei (DKMS) auf. Freiwillige, die unter einer der oder anderen genannten Krankheiten litten, mussten dennoch nicht unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Sie konnten einen frei gewählten Geldbetrag spenden. »Die Registrierung eines Lebensspenders kostet die DKMS 50 Euro«, berichtet David Sebald aus Reichelsheim. Außerdem könnte man sich über eine spannende Zugabe freuen. Inge Franz, die Witwe von Krimiautor Andreas Franz, spendete der DKMS zahlreiche Krimi-Ausgaben ihres Mannes – darunter sein letzter Roman »Todesmelodie«, den Daniel Holbe fertig schrieb.

»Die Leute kommen nicht allein zur Registrierung, sondern sie geben auch Spenden. Alle sind freundlich, die Atmosphäre toll«, sagte Bernd Kopischke aus Wöllstadt. Er ist – wie rund 40 weitere Helfer – Mitglied der Wöllstädter Mormonen-Gemeinde »Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage.« Emmas (2) Eltern gehören einer Frankfurter Mormonen-Gemeinde an. Zu den Registrierten gehörten die beiden Lehrer Stefanie und Dirk Bade aus Nidderau-Windecken: »Wir haben zwei kleine Kinder und denken es ist wichtig, sich als Spender registrieren zu lassen. Jeder von uns kann schnell in diese Situation kommen und einen Stammzellenspender benötigen.«

Zu den neuen Spendern, die sich vier Milliliter Blut von Angela Hollinger abnehmen ließen, gehörte auch der Kernstädter Alexander Vogt. »Meine Frau ist seit einigen Jahren registriert. Ich wurde durch Zeitungsberichte und E-Mails von Schülern aus der Christuskirche an meine Tochter Antonia animiert, mich zu registrieren.« Achtzehn ehrenamtliche Fachkräfte nahmen den potenziellen Spendern Blut ab. Die Blutproben gehen ins DKMS-Labor nach Dresden oder ins weltweit größte humangenetische Labor nach New York. Dort wird das Blut auf die bisher 4000 verschiedenen Gewerbemerkmale, die in unzähligen Kombinationen vorkommen können, ausgewertet. Nach rund vier Wochen werden die potenziellen Spender in den internationalen Suchkreislauf eingespeist. Wird ein Empfänger gefunden, folgen eine weitere Blutabnahme, ein kompletter Gesundheitscheck mit Blutgruppen- und Rhesusfaktorbestimmung, Organüberprüfung und Blutbild. Danach ist eine erneute Zustimmung nötig, der ein weiterer Kontrollcheck folgt. »Die meisten Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Gewonnen werden sie zu 80 Prozent über Blutabnahme und zu 20 Prozent über Knochenmarkentnahme«, informiert Renz. Bis zu zwei Liter Knochenmark-Blutgemisches werden den Spendern abgenommen, um Menschen mit einer Blutkrebserkrankung zugeführt zu werden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/bad-vilbel/art550,71179

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