02. März 2012, 17:38 Uhr

»Bad Vilbel von Fluglärm besonders betroffen«

Bad Vilbel (khn/dpa). Das von Fluglärm betroffene Gebiet in der Rhein-Main-Region hat sich nach Berechnungen des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD) im vergangenen Jahr um rund 300 Quadratkilometer vergrößert. Grund sei die Verschiebung der Flugrouten, sagt Vereinsgründer Horst Weise.
02. März 2012, 17:38 Uhr

Hauptbetroffene seien unter anderem Bad Vilbel, der Rheingau und Rodgau im Kreis Offenbach. Zudem flögen die Flugzeuge niedriger als bisher. Damit habe auch die Intensität des Lärms zugenommen.

»Wir haben wenig Hoffnung, dass es leiser wird«, sagt der Vorsitzende Martin Kessel. Der DFLD berechnet den Fluglärm nach eigenen Angaben auf der Grundlage von 146Messstationen in der Region. Dort gibt es seit Monaten Proteste gegen die Erweiterung des Frankfurter Flughafens und neue Flugrouten.

Unterdessen hat die Initiative gegen Fluglärm in Rheinhessen das angekündigte Lärmschutz-Paket des Landes Hessen und des Flughafenbetreibers Fraport scharf kritisiert. Es sei ein »reines Marketingelement mit wenig Potenzial für eine Lärmreduzierung«, teilt der Verein mit. Viele der Maßnahmen stammten aus dem ersten Schallschutz-Paket, das bereits umgesetzt sein sollte. Das »Casa«-Programm, mit dem Fraport Häuser in der Einflugschneise aufkaufen will, sei zwar hilfreich – es nötige die Menschen aber dazu, »sich entwurzeln zu lassen«.

Die Landesregierung hatte am Mittwoch angekündigt, mit einem Maßnahmenpaket den Fluglärm einzudämmen. Dazu wollen Land und Fraport einen Regionalfonds mit 265 Millionen Euro einrichten, etwa um Schallschutzfenster zu finanzieren. Zudem will Fraport sein »Casa«-Programm um 70 Millionen Euro aufstocken.

Auf die Ergebnisse der Messungen reagiert Ronald Kasten, Sprecher der Bürgerinitiative »Bad Vilbel minus Fluglärm« nicht mit Jubel. »Freude über diese Bestätigung unserer Argumente kann wohl niemand empfinden«, sagt er.

Zur Zeit liege die Hoffnung der Fluglärmgegner auf das für Herbst angekündigten Anheben der Höhe im Gegenanflug um 300 Meter auf mindestens 1840 Meter, sagt Kasten. »Das wird sicher eine Lärmentlastung bringen, die aber von der Zunahme an Flugbewegungen langsam wieder aufgezehrt werden dürfte«, betont er.

Zusätzlich sehe der Fluglärm-Maßnahmenkatalog als Option vor, in Zukunft mehr Flüge, die über das Stadtgebiet von Frankfurt geleitet wird, Richtung Bad Vilbel verlagert werde. Die frühestens für 2015 angedachte Einführung des sogenannten Point-Merge-Anflugverfahrens würde zwar die jetzigen Gegenanflüge auflösen, sagt Kasten. »Aber man wird dafür rund um den Fraport einige konzentrierte Sammelpunkte benötigen.« Die geografische Lage von Bad Vilbel erscheine ihm dafür geeignet.

Der BI-Sprecher fordert deshalb die Gemeindevertreter auf, sie sollten sich um eine weitere Höhenanhebung im Gegenanflug auf mindestens 2000 Meter.

Außerdem sollten sie darauf bestehen, dass der Abflug weiterhin östlich an der Quellenstadt vorbei geleitet werde. Bei der Planung der Point-Merge-Sammelpunkte sollten sich die Politiker »rechtzeitig gegen deren denkbare Verlegung über oder nahe an Bad Vilbel einsetzen«.



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