22. November 2010, 18:00 Uhr

Johann König spielt auf Zeit

Karben (aho). Johann König ist ein netter Mensch. So nett sogar, dass er sich für die Vorstellung »Total Bock auf Remmi-Demmi« in Karben von einer Typ-Beraterin einen braunen Cord-Anzug aufschwatzen ließ, den er zu seinem kanariengelben Hemd trug. Dieses Outfit passte perfekt zur »Rocky«-Melodie, unter deren Klängen er am Samstag die Bühne des Bürgerzentrums betrat.
22. November 2010, 18:00 Uhr
Johann Königs (Bühnen)-Welt besteht aus absurden Anekdoten und ungereimten Gedichten. (Foto: Hofmann)

Es brauchte für König nicht viel, sein Publikum einzuwickeln. Hier eine Geste, dort ein halber Satz, und die vielen Fans lachten auf. Besonders, als er sie zu »viereinhalb Stunden Unterhaltung« einlud. Wer konnte da schon etwas dagegen haben? Versprach er doch gleich zu Anfang »spritzige Unterhaltung und gespielte gute Laune« satt.

Natürlich wusste der immer etwas hölzern erscheinende Charmeur, was sich gehörte. »Ich freue mich, mal wieder in ... (Blick auf die zum Spickzettel umfunktionierte Hemdmanschette) ... Karben zu sein«, ließ er artig hören. Aber nur, um sofort weiterzumachen: »Karben ist wunderschön. Gerade, wenn man aus Köln kommt. Ich bin froh, dass wir hier sind. Wenn Ihr nicht hier wärt, würde das Ganze noch weniger Sinn machen«, provozierte König die ersten lauten Lacher.

Ein ähnliches Kompliment aus seinem Munde ereilte auch eine Verkäuferin, der er bescheinigte, sie sei »von einer attraktiven Fachkraft kaum zu unterscheiden«. Und so nahm er seine Zuhörer mit in die kleine Welt des Herrn König, die aus lauter absurden Anekdoten und ungereimten Gedichten besteht. Allerdings schaute König bereits nach dem ersten Gag auf die Uhr und schlug die Hände vors Gesicht. »So früh erst? Da habe ich mich wohl selbst überschätzt.« Dieser Selbstvorwurf war genauso aufrichtig, wie die Bescheidenheit, die er gelegentlich aufblitzen ließ. König stümpert und stammelt mit voller Überzeugung durch das Programm. Selbstzweifel stören da nur. Beispielsweise, wenn er in der ihm eigenen schwankenden und doch wieder monotonen Stimmlage das eine oder andere Gedicht aus seinem gestreiften Notizbuch vortrug. Wie das erste Gedicht aus seiner Feder, das »auch nach Jahren nichts an Belanglosigkeit verloren hat«, wie König stolz kommentierte. Aber auch dieser Gag brachte ihn mit Blick auf die Armbanduhr (»ich bin so fertig!«) kaum dem von ihm ersehnten Ende des Abends näher. Mit Mutterwitz und Bauernschläue umschiffte König immer wieder die Tücken des Alltags, erklärte die Bedienung des Kassettenrekorders in heute geläufigen Begriffen der Computer-Generation oder zeigte, dass er sich auch bei den modernen Technologien nicht einfach hinters Licht führen lässt: »Da wollte mir der Verkäufer ein W-LAN-Kabel verkaufen.« Ein verächtlichtes Schnauben: »Das hab’ ich doch schon.«

Auch dieser Gag hatte nicht genug Zeit geschunden, sodass er kurz zu überlegen schien, die Zeit auf dem Sofa einfach abzusitzen. Auf derartiges Zeit-Spiel verzichtete der Komiker jedoch schweren Herzens. Aber auch nach diesem Höhepunkt königlicher Unterhaltungskunst war noch immer viel zu viel Zeit übrig, bis zum endgültigen Feierabend. Ihm unverständliche Jugendsprache, andere Sprachschnitzer (»Meine Frau sagte, ich sei ›nicht un-oft‹ weg.«) oder das weibliche Geschlecht in all seinen Unwägbarkeiten bot auf dem Weg zum großen Schlussapplaus immer wieder dankbare Stationen seiner (oft auch in Gedichten niedergeschriebenen) Beobachtungskunst, die er den Fans und »Freunden der gepflegten Zeitverschwendung« gern vortrug.

Mit dem Titel gebenden »Remmi-Demmi« hatte sein Programm nur bedingt etwas zu tun. Zumindest aber hat er einen kleines Knallbonbon dabei, das, nachdem es gezündet war, Konfetti auf den Bühnenhelden von der traurigen Gestalt regnen ließ.

Danach zeigte er erst einmal wieder ein langes Gesicht: Er hatte eher keinen Bock auf zu viel Brimborium und Feiern. So musste er, zur Freude seiner Fans, bis zum Ende noch viele Pointen zum Besten geben.

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