09. August 2010, 16:32 Uhr

»Tausend wahre Geschichten« in der Burg

Bad Vilbel. Skandinavische Bands sind immer für eine Überraschung gut. Da machte Silje Nergaard und Band bei ihrem Auftritt bei den Burgfestspielen keine Ausnahme.
09. August 2010, 16:32 Uhr

Beim englisch-deutschen Smalltalk mit dem Publikum kündigte die norwegische Jazzsängerin gegen Ende ihres Auftritts an, dass sie kommende Woche ins Studio geht, um eine Weihnachts-CD aufzunehmen. Was nicht weiter ungewöhnlich ist, kommen Weihnachts-CDs doch bereits Ende September auf den Markt. Was dann kam, war jedoch zumindest bei den Burgfestspielen ein Novum. Die am 19. Juni 1966 in Steinkjer geborene Sängerin stimmte mit einem charmanten Lächeln gleich einen Song ihres 13. Albums an. »The first Christmas without you« heißt das melancholische Lied, mit dem sie Anfang August in Vilbel beim Publikum punktete. Mit ihrem Song beschwor sie die dunkle, sentimentale Seite des Weihnachtsfestes.

In Stimmung gebracht ein Weihnachtslied zu singen, hatte sie die einbrechende Dämmerung in der Wasserburg. Denn Dunkelheit fehlt in skandinavischen Mittsommernächten. Zum Repertoire der Sängerin mit der hohen, bisweilen sogar kindlich klingenden Stimme, gehörten vor allem Lieder von ihrem am 25. September 2009 veröffentlichten Album »A Thousand True Storys«. Die passten wie der Titelsong »Tausend wahre Geschichten« nicht nur besser in die Jahreszeit, sondern auch zum leichten, weißen Sommerkleid, in dem Silje Nergaard auftrat.

Nicht ohne Grund wünschte sie sich die international bekannte Sängerin »a Hot night« im »beautiful Castle«. Petrus erfüllte ihr diesen Wunsch zumindest für die Dauer des Konzertes. Und wurde dafür wie die begeisterten Zuschauer, die Gesang und Soloeinlagen des Quartetts immer wieder mit Zwischenapplaus honorierten, belohnt. Musikalische Wegbegleiter der Jazzsängerin sind Helge Lien (Piano), Finn Guttormsen (Bass), Håvar Bendiksen (Gitarre) und seit 13 Jahren Jarle Vespestad (Schlagzeug).

Kennzeichen der Gruppe sind gefühlvolle Lieder und Balladen, die sich mit ihrem eingängigen Sound zwischen Jazz, Folk, Rock und Popmusik bewegen. Selbst in die zehn statt sonst üblichen 14 Saiten ihrer finnischen Kantele (Zither) griff Silje Nergaard bei einem ihrer selbst komponierten Lieder. Der verjazzte Song stammt von ihrem ersten, 1990 in England veröffentlichten Album »Tell me where you’re going«.

Die sympathische Sängerin lebte vier Jahre in London und hat trotz ihres internationalen Erfolgs keine Starallüren. In London habe sie bereits nach vier Wochen unter Heimweh gelitten. Und viele Briefe nach Hause an ihre Großmutter geschrieben. So auch das Lied »Der Brief«, in dem der Mond zum Spiegel wird, in dem sie sich gegenseitig beim Schreiben sehen konnten. Auf Deutsch sagte sie die Ballade »Dance me to the Dark« an, der von einer Frau handelt, die sich sehr oft und schnell verliebt. »Das bin nicht ich, das hat nichts mit mir zu tun«, sagte die Mutter einer dreijährigen Tochter. Für sie war diese Information des Publikums wichtig.

Nachteilig für die gefühlvolle Interpretation des romantischen Liedes war dies allerdings nicht. Mit ihrer hellen und unverbrauchten Stimme, gepaart mit ihrer hochentwickelten Gesangstechnik, zog sie ihre Zuhörer in Bann. Für ihr Album »A Thousand True Storys« habe sie neue Wege beschritten. Und dabei magische Momente in der Zusammenarbeit mit den Musikern erlebt. Teilweise blitzten solche auch beim Konzert in der Wasserburg auf, wenn ihr Pianist oder ihr Schlagzeuger mit fulminanten Soli begeisterten.

Die Liedtexte sind ehrlich und eingängig. Sie erzählen von großen Gefühlen und intimen Momenten im Leben vieler Frauen und Männer. Den mit Herzblut spielenden Musikern gelang eine faszinierende, melodische Umsetzung der gesungenen Botschaften. Nach einer Zugabe verabschiedete sich Silje Nergaard zusammen mit Pianist Helge Lien mit einem leisen, in ihrer norwegischen Muttersprache gesungenen Schlaflied. Auch dies dürfte ein Novum bei den Burgfestspielen gewesen sein. Dem zunehmenden Renomee des Open-Air-Festivals ist es zu verdanken, dass so bekannte Künstler wie Silje Nergaard und Band in der Quellenstadt auftreten. Christine Fauerbach

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